Massiver Werbeboykott bei Facebook

Im Rahmen der Protestwelle in den USA gegen den allgegenwärtigen Rassismus geriet das soziale Netzwerk Facebook wieder stärker in den Fokus, da es kaum gegen Hasspostings vorgeht. Zahlreiche Unternehmen wollen deshalb vorerst dort keine Werbung mehr schalten, darunter Größen wie Honda, Coca-Cola, Starbucks oder Unilever.

Auch in Deutschland gibt es Unterstützung für eine entsprechende Initiative, die unter dem Hashtag #StopHateforProfit ins Leben gerufen wurde. Die erdbär GmbH mit ihren Marken Freche Freunde und Rebelicious, das für seine veganen Lebensmittel bekannte Veganz sowie Henkel haben sich dem Boykott mittlerweile angeschlossen. Microsoft unterstützt diesen zwar bewusst nicht, schaltet aufgrund des aufgeheizten Umfelds aber bereits seit Mai keine Anzeigen mehr auf Facebook.

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Zuckerberg-Statement

In einem Statement verweist Facebook-CEO Mark Zuckerberg auf eine aktuelle EU-Studie, nach der Facebook Hass-Postings bereits schneller und effizienter entferne als YouTube und Twitter. Durch KI-Systeme und menschliche Überprüfungsteams würden 90 Prozent der problematischen Inhalte bereits identifiziert und gelöscht, bevor jemand anderes sie melde. Man wolle aber natürlich weiterhin in diesem Bereich investieren.

Dabei würde „aus öffentlichem Interesse“ bei normalen Postings ein breiteres Spektrum der freien Meinungsäußerung zugelassen als bei bezahlten Anzeigen. Zumindest diese dürfen künftig nicht mehr suggerieren, dass Menschen einer bestimmten Rasse, Ethnie, nationalen Herkunft, Religionszugehörigkeit, Kaste, sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität bzw. mit Einwanderungsstatus eine Bedrohung für die physische Sicherheit, Gesundheit oder das Überleben anderer darstellen. Ebenso kann in Anzeigen nicht mehr behauptet werden, dass Einwanderer, Migranten, Flüchtlinge und Asylsuchende minderwertig sind.

Nachrichtenwert vs. Hassbotschaft

Einige Inhalte mit speziellem Nachrichtenwert, die eigentlich gegen die Richtlinien von Facebook verstoßen, werden künftig zwar teilweise veröffentlicht – allerdings mit einem Label, das explizit auf ihre besondere Natur hinweist. Keine Ausnahmen gibt es bei Aufrufen zu Gewalt und bei Inhalten, die Menschen ihres Wahlrechts berauben könnten.

Es ist zweifelhaft, ob diese Maßnahmen allein die Wogen wieder glätten können und Facebook wirklich auf den Weg zu einer „Kraft des Guten“ führen, den Zuckerberg angeblich einschlagen möchte. Zumindest dem Börsenwert des Unternehmens halfen seine Äußerungen nicht: Dieser fiel erst einmal kräftig.

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