Livestreams als Erfolgsmodell

China konnte einen riesigen Erfolg verbuchen, da es innerhalb des Landes erstmals seit Jahresbeginn keine Covid-19-Neuinfektionen mehr gab. Die lange Isolationsphase gab zuvor einem Trend gewaltigen Aufschub: der Präsentation von Produkten und Services via Livestream.

Nicht nur Schuhe lassen sich via Livestream vermarkten (Bild: Alibaba)

E-Commerce-Unternehmen wie Alibaba nutzen diese dort schon länger, um mit den Kunden in Kontakt zu kommen und sie zum Kauf von Waren zu bewegen. Dabei kommt zumindest Alibaba zu gute, dass die Firma mit Taobao Live eine eigene Streaming-Plattform betreibt, über die sich mittlerweile die unterschiedlichsten Marken vorstellen. Die Bandbreite reicht dabei vom ländlichen Bauern, der sein Obst und Gemüse zeigt, über Kochtipps gebende Restaurants mit Kochtipps und Wohnungen besichtigende Makler bis zu den Vorstellungen komplett neuer Produkte.

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Umsatzverstärker

So verzeichnete beispielsweise die Elektronikfirma Xiaomi einen riesigen Erfolg mit ihrem Mi 10-Smartphone, nachdem es am 13. Februar per Livestream vorgestellt wurde. Das eine Minute nach Veröffentlichung am 14. Februar erst einmal komplett ausverkaufte Gerät konnte mittlerweile über 300 Millionen Yuan (ca. 39 Millionen Euro) Umsatz generieren. Auch Automarken wie BMW nutzten bereits Livestreams, um neue Autos und deren Innenleben vorzustellen und Testfahrten zu übertragen.

Wie sehr Livestreams helfen können, zeigt die Kosmetikmarke Forest Cabin, die über die Hälfte ihrer Geschäfte temporär schließen musste und so Einbrüche bei den Verkäufen um 90 Prozent verzeichnete. Durch eine neue Strategie mit Livestream im Mittelpunkt konnte der durch monatliche Verluste von 30 Millionen Yuan (ca. 3,9 Millionen Euro) drohende Bankrott aber doch noch abgewendet werden. Das Unternehmen trainierte seine 1.600 Verkäufer für den Auftritt in Livestream und übertraf zwei Wochen nach Anlaufen der Initiative sogar den Tagesumsatz des Vorjahres deutlich.

Zum Vorbild nehmen

Deutsche Händler, die nun ebenfalls verstärkt auf E-Commerce ausweichen müssen, sollten sich hier eventuell ein Vorbild nehmen. Schließlich übertreffen Livestreams schöde Onlineshops bei weitem, wenn es um das Einbringen einer persönlichen Komponente geht – und diese dürfte in Zeiten „sozialer Distanzierung“ noch einmal drastisch an Bedeutung gewinnen.