Automatisierte Minishops auf dem Vormarsch

Wer bei 24/7-Supermärkten ohne Mitarbeiterpräsenz immer noch als erstes an das Amazon Go-Konzept denkt, wird in Deutschland derzeit eines besseren belehrt. Nachdem am Monatsanfang in Fulda bereits ein 24/7-Minishop von Tegut eröffnet wurde, folgt nun die Campo Gruppe mit „Typy“. Dabei sind die jeweiligen Ansätze recht unterschiedlich.

Eröffnung der tegut… teo-Filiale (Bild: tegut)

Der erste teo von tegut sieht von außen mit seiner Holzfassade und seinem begrünten Dach recht ungewöhnlich aus, wirkt innen auf den ersten Blick aber wie ein normaler kleiner Shop. Allerdings können Kunden ihn nur betreten, wenn sie ihre EC- bzw. Kreditkarte einstecken oder auflegen oder ihren Zugangs-QR-Code scannen. Den QR-Code erhalten alle Kunden, die sich in der teo-App registrieren.

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Danach nehmen sie wie gewohnt Produkte aus den Regalen, die sie entweder gleich mit dem Smartphone oder vor dem Verlassen des Ladens an den Self-Checkout-Kassen scannen. An den Kassen darf man auch die EC- bzw. Kreditkarte zücken, bei Smartphonenutzung wird digital bezahlt. Wenn Kunden ihren Einkauf beglichen oder keine Artikel mitgenommen haben, spazieren sie ohne weitere Schritte einfach nach draußen.

tegut… teo führt laut FAQ ca. 900 Artikel, zu denen auch frisches Obst und Gemüse, Tiefkühlware sowie Tabakwaren und alkoholische Getränke gehören. Zusätzlich zu Lebensmitteln gibt es die wichtigsten Haushaltwaren und Drogerie- und Hygieneprodukte. Vorerst wird im Raum Fulda expandiert, hier sollen bis Mitte 2021 mindestens vier weitere Standorte eröffnen. Langfristig werden über 300 tegut… teo-Filialen avisiert.

Caterer als Ladenbesitzer

TYPY setzt auf App-Bestellung und Terminals (Bild: Campo Gruppe)

TYPY verfolgt eine etwas andere Vision: Die Produkte befinden sich hier nicht im Verkaufsraum, sondern werden bei einer Bestellung erst aus dem Lager geholt. Kunden stellen sich ihren Einkauf mittels App oder am Terminal im Laden zusammen, ein Roboter gibt die Waren dann „innerhalb kürzester Zeit“ heraus. Eine TYPY-Filiale soll immer von einem lokalen Caterer betrieben werden, am ersten Standort im Düsseldorfer Medienhafen ist es die Traditionsfirma Broich Premium Catering. Deshalb wird neben klassischen Einzelhandelsprodukten auch viel Fresh Food wie Bowls, Salate oder Sandwiches angeboten.

Für den Betrieb setzt die Campo Gruppe auf ein eigenes IoT-System, das mit Robitcs-Systemen der Firma smark und Kaffeesystemen der Firma Franke kombiniert wird. smark ist im Raum Stuttgart seit 2017 mit autonomen Verkaufsverfahren präsent, zuletzt bei der nun geschlossenen Real-Tochter „Emmas Enkel“.

Die Campo Gruppe plant, innerhalb der nächsten drei Jahre deutschlandweit 200 neue TYPY-Filialen zu eröffnen. Diese müssen nicht strikt dem in Düsseldorf gezeigten Format folgen, da der jeweilige Kunde über die Artikelauswahl entscheidet.

Alternative von KHT und Wanzl

Nicht vergessen sollte man, dass Bünting bereits Anfang August mit einem 24/7-Verkaufsautomaten vorlegte. Das im Combi City Markt in Oldenburg installierte System von KHT und Wanzl versorgt Kunden rund um die Uhr mit Waren des täglichen Bedarfs. Hier wird ebenfalls über ein Terminal eingekauft, ein Kommissionsroboter gibt die gewünschten Produkte anschließend aus.

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