„Unsere Philosophie ist sehr Omnichannel-getrieben“

Fahrer von Elektroautos kämpfen immer noch mit vielen Barrieren. Eine unnötige stellt die Bezahlung an den vermehrt ebenfalls auf Händlerparkplätzen zu findenden Ladestationen dar – immer noch konkurrieren zahlreiche oft nicht miteinander kompatible Payment-Systeme. Wie es besser geht und was künftig zu erwarten ist, weiß Frank Edunjobi, Team Lead Project Engineering bei CCV.

Frank Edunjobi, Team Lead Project Engineering bei CCV
Frank Edunjobi, Team Lead Project Engineering bei CCV

Warum sind Payment-Systeme so wichtig, wenn es um Mobilität 2.0 geht?

Anzeige

Hier sind mehrere Aspekte zu nennen. Zum einen sollten für das Tanken und Bezahlen an der Stromladesäule dieselben Gegebenheiten herrschen wie für jeden anderen Kaufvorgang: Ich bezahle mit dem von mir bevorzugten Zahlungsmittel zu einem festgelegten Preis. Der Nutzer kann somit überall den gleichen Komfort und die gleiche Preistransparenz erwarten, unabhängig davon, ob er sich gerade im Supermarkt oder im Parkhaus aufhält. Auch Sicherheit spielt eine Rolle. Das Bezahlmittel muss vertrauenswürdig und ohne Barriere nutzbar sein.

Auf der anderen Seite müssen wir für die Paymentkomponenten den Anforderungen des sogenannten „Integrators“ gerecht werden. Für ihn ist eine hohe Verfügbarkeit von ebenso großer Bedeutung wie eine effiziente Verwaltung der eingebauten Terminals. Dies betrifft unter anderem den Zugriff auf die Terminals in punkto Service, Wartung und Updates, aber auch die schnelle Informationsübergabe bei Preisänderungen.

Und zu guter Letzt wird E-Mobilität auch immer mehr zu einer Art „erster oder letzter Meile“ im Retailsegment. Durch die gesetzliche Vorgabe, dass eine bestimmte Anzahl von Kundenparkplätzen mit Lademöglichkeit ausgestattet werden müssen, wollen Retailer natürlich von dieser Investition profitieren. D.h. nicht nur im Sinne von Nachhaltigkeitskommunikation, sondern auch durch die Einbindung des Ladevorgangs in ihre eigene Customer Journey im Sinne von Rabatten, Zusatzangeboten etc.

Wie stark ist der Markt in diesem Bereich noch fragmentiert?

Der Markt ist leider weiterhin sehr stark fragmentiert, sehr zum Ärger vieler E-Mobilisten. Ich höre oft den Ausdruck „Karten-Roulette“ – auf dem Smartphone so mancher Fahrer finden sich verschiedene Bezahl-Apps im zweistelligen Bereich. Es ist ein Unding, für einen einzigen Ladevorgang einen derart hohen Aufwand betreiben zu müssen. Zumindest haben viele Firmen dieses Manko bereits erkannt und arbeiten an einer Vereinheitlichung.

Ziel muss sein, dass der Ladevorgang bei Komfort, Schnelligkeit und Transparenz dem Tankvorgang aus dem Petrol-Bereich entspricht. Ganz wichtig ist die Akzeptanz lokaler Karten – hier in Deutschland ist dies die girocard –, aber auch internationale Karten müssen für unsere Besucher aus dem Ausland verwendbar sein. Die selbe Akzeptanz möchten wir ja auch in unserem Urlaubsland vorfinden und nicht jeden Kilometer minutiös planen müssen nur für die nächste Tankfüllung.

Bei welchen Unternehmen sind CCV-Systeme bereits im Einsatz?

Wir bei CCV haben uns bereits sehr früh mit dem noch jungen Bereich EV Charging beschäftigt und können dadurch heute auf viele Partnerschaften und auch Kunden blicken. Wir arbeiten sowohl mit Integratoren, wie z.B. Wallbe, ABB oder Alpitronic, als auch mit Energieanbietern wie E.ON zusammen. Für Kunden aus dem Retailbereich bieten wir den großen Vorteil, dass wir alle großen Netzbetriebe anbinden können, aber vollkommen unabhängig agieren. So ist die Wechselbarriere gering. Unsere Philosophie ist sehr Omnichannel-getrieben, d.h. wir haben nicht nur den EV-Fahrer im Fokus, sondern den Konsumenten bei allen Schritten seiner Customer Journey.

Was können wir künftig an der E-Ladesäule für Neuentwicklungen erwarten?

Für den Bereich Payment generell – nicht nur an der Ladesäule! – geht der Weg definitiv in Richtung Android-Systeme. Durch diese Betriebssysteme können in einem Terminal unzählige Situationen und Use Cases abgebildet werden, die den den Komfort des Nutzers und die Kundenbindung erhöhen. Um im Bereich EV Charging zu bleiben: Der Fahrer wird die Säule mit den für ihn besten Mehrwerten ansteuern.

Für den Anbieter auf Retailseite ergeben sich wiederum neue Cross Selling-Chancen. Per App können dem Kunden direkt am Charger Informationen ausgespielt werden. Android bietet sehr viele Ansätze, die wir heute noch gar nicht voll ausschöpfen. Diese Technologie wird sehr zur Verbesserung der Preistransparenz und des Bezahlkomforts an den Ladesäulen beitragen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Jetzt anmelden!