Stationärer Handel noch erste Anlaufstelle

Die zweite Welle der Corona-Pandemie erreichte Anfang des Jahres in vielen Ländern ihren Höhepunkt. Dennoch suchten die meisten Verbraucher weiterhin primär den stationären Handel auf, um Waren zu erwerben. Was sie in die Geschäfte lockt und als Alternative für die Nutzung des E-Commerce spricht, hat der YouGov International Retail Report 2021 erfragt.

Dabei erfasste YouGov das Einkaufsverhalten der Konsumenten in insgesamt 17 Ländern. Im Januar/Februar 2021 gaben 86 Prozent von diesen an, innerhalb der vorangegangenen neunzig Tage Produkte stationär gekauft zu haben. Bei Onlinehändlern schlugen dagegen 81 Prozent zu. Deutschland schnitt dabei im wahrsten Sinne des Wortes durchschnittlich ab (86 Prozent stationär / 82 Prozent online). Die meisten Filialgänger hatten Spanien und Hongkong (je 92 Prozent), die wenigsten gab es in Großbritannien (77 Prozent). China führte bei den Onlinekunden mit 91 Prozent deutlich, Frankreich bildete mit 71 Prozent das Schlusslicht.

Wenig Single-Kanal-Kunden

In Deutschland kauften elf Prozent ausschließlich im stationären Handel, sieben Prozent nutzten exklusiv den E-Commerce. Der Vorsprung des stationären Handels gegenüber dem E-Commerce basierte allerdings primär auf den Waren des täglichen Bedarfs, in fast allen anderen Kategorien bis auf Kosmetik hatten die Onlinekanäle die Nase vorn. Die Pandemiebedingungen führten beispielsweise dazu, dass in Deutschland gerade einmal 22 Prozent der Verbraucher, die bevorzugt Kleidung in Geschäften kaufen, diese auch dort erworben haben. Falls diese nicht den E-Commerce stärker für sich entdeckt haben (wo Anprobieren eher schwer fällt), dürfte hier noch einiges Kundenpotential warten.

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Ausprobieren als Filialvorteil

Vorteile des klassischen Handels sehen die Verbraucher weltweit im physischen Erleben eines Produkts (62 Prozent), den Testmöglichkeiten (53 Prozent), der schnellen Kaufabwicklung (45 Prozent), dem einfacheren Einkauf (37 Prozent) und dem Filialbesuch an sich (34 Prozent).

Das fehlende Social Distancing (35 Prozent) dürfte seit dem Untersuchungszeitraum schon weit weniger als Nachteil gelten. Der Mangel an Rabatten und Angeboten (31 Prozent), der unangenehme Besuch eines Ladens (30 Prozent), die mangelnde Produktvielfalt (27 Prozent), fehlende Läden in der Nähe (26 Prozent) sowie Parkprobleme (24 Prozent) sind allerdings größtenteils unabhängig von der Pandemie geltende Negativfaktoren.

E-Commerce: Lieferung und Produktvielfalt

Für den Onlinehandel sprechen die Lieferung nach Hause (57 Prozent), der einfache Einkauf (47 Prozent), die Vielfalt der online verfügbaren Artikel (42 Prozent), Promotions (40 Prozent) sowie die einfacher vergleichbaren Produkte (37 Prozent). Die größten Barrieren bilden die Liefergebühren (46 Prozent), die mangelnde physische Experience (45 Prozent), die Produktrückgabe-Regelungen (39 Prozent), fehlende Testoptionen (38 Prozent) und die Lieferzeit (33 Prozent).