KI und Facial Recognition entscheiden Zukunft des Handels

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Eine Studie der Unternehmensberatung BearingPoint und des IIHD Instituts analysiert das Potenzial von Künstlicher Intelligenz (KI) und Gesichtserkennung und zeigt, wie der stationäre Handel im Wettbewerb mit der Onlinekonkurrenz punkten könnte.

Bild: Freepic.

Die Untersuchung prognostiziert für Europa bis 2020 KI-Investitionen in Höhe von 2,6 Milliarden US-Dollar. Für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird ein durch KI getriebenes Wachstum um insgesamt 2,7 Billionen Euro bis 2030 erwartet. Die Wachstumsraten von jährlich 1,4 Prozent sind dabei maßgeblich auf Produktivitätssteigerungen zurückzuführen, die sich durch die Automatisierung von Prozessen ergeben.

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KI im Handel: Riesiges Potenzial, aber kaum Anwendung

Hinsichtlich der aktuellen Marktdurchdringung von KI liegt Europa jedoch deutlich hinter den USA und China. Der Grund: Bisher fehlen oft die analytischen Voraussetzungen. Lediglich elf Prozent der europäischen Unternehmen wenden beispielsweise Big Data Analytics firmenweit an, so die Studie. Zwei Drittel der Unternehmen befinden sich noch in der Pilotierungsphase oder nutzen Big Data Analytics bisher gar nicht.

In der Folge fällt auch die KI-Adaption in Europa derzeit sehr gering aus. Lediglich sechs Prozent der europäischen Unternehmen nutzen KI zum Beispiel im Rahmen von Prozessautomatisierung und Smart Robotics. Machine- und Deep-Learning-Algorithmen sowie virtuelle Assistenten kommen in nur drei Prozent der Unternehmen zum Einsatz. „Insbesondere Handels- und Konsumgüterunternehmen zeigen sich bei der KI-Implementierung bisher verhalten. Im Vergleich zu anderen Branchen ist die KI-Adaption im Handel kaum fortgeschritten, wenngleich das Wachstums- und Transformationspotenzial durch Künstliche Intelligenz hier überproportional groß ist“, sagt Kay Manke, Partner und Retail-Experte bei BearingPoint.

Facial Recognition als Schlüsseltechnologie

Ein zentrales Anwendungsfeld für KI, insbesondere im Handel, ist Facial Recognition (Gesichtserkennung). Die Software kann sowohl grundlegende demografische Daten, wie beispielsweise Angaben zu Alter, Geschlecht und ethnischer Herkunft, als auch Bewegungsdaten von Konsumenten generieren, die Auskunft über das Einkaufsverhalten geben. Prof. Dr. HSG Jörg Funder, geschäftsführender Direktor am IIHD Institut, dazu: „In Zeiten, in denen das Wissen um den Kunden und seine individuellen Bedürfnisse und Verhaltensweisen elementarer Bestandteil und Kernerfolgsfaktor einer neuen, kundenzentrierten Welt des Handels ist, bieten sich insbesondere dem stationären Handel durch Facial Recognition neue Entwicklungschancen.“

Gesichtserkennung könnte künftig Antworten auf zentrale Fragen der Customer Journey liefern und beispielsweise dokumentieren, wie sich ein Kunde in einem Geschäft bewegt, wie lange er sich mit bestimmten Produkten beschäftigt und welche davon am Ende tatsächlich den Weg an die Kasse finden. Richtig eingesetzt, könnte die neue Technologie dem stationären Handel auf diese Weise wieder zu mehr Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu Onlineshops verhelfen.

Datenschutz und fehlende Investitionen behindern Einsatz

Trotz ihres Potenzials kommen die Technologien um KI und Facial Recognition im deutschen Handel bisher kaum zum Einsatz. Dieser geringe Implementierungsfortschritt ist dabei auf einige zentrale Hürden zurückzuführen. Zum einen sind (Kunden-)Daten im deutschen Handel immer noch kaum verfügbar. Außerdem spielen die geringe Akzeptanz der Konsumenten und die hohen Anforderungen an den Datenschutz eine Rolle. „Durch Transparenz und Aufklärung können Unternehmen die Akzeptanz für Facial-Recognition-Software erhöhen und das Vertrauen der Kunden in die Technologie stärken. Die Politik ist ihrerseits gefragt, die gesetzlichen Vorgaben zum Einsatz biometrischer Software zu schärfen und Klarheit für Händler und Kunden zu schaffen. Deutsche Datenschutzgesetze sind in der Regel strenger als beispielsweise in den USA oder China. Das könnten deutsche Unternehmen zu ihrem Vorteil nutzen, indem sie ihren Kunden die Vorteile von Facial-Recognition zugänglich machen und gleichzeitig deren Privatsphäre schützen“, erklärt BearingPoint-Partner Kay Manke.

KI und Facial Recognition erfordern zudem hohe Investitionen in die IT-Infrastruktur und machen neue Kompetenz- und Fähigkeitsprofile notwendig. Aufwände, die viele Handelsunternehmen noch scheuen. „Um zukünftig mit innovativen Wettbewerbern konkurrieren zu können, müssen Händler jetzt investieren – sowohl in technische Strukturen als auch in die Kompetenz ihrer Mitarbeiter“, unterstreicht Prof. Funder.

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