Worauf es bei In-Store-WLAN ankommt

WLAN in einem stationären Laden ist nicht nur ein Service für Kunden, sondern auch Grundvoraussetzung für digitale Lösungen. Christian Schallenberg, CTO beim Netzwerk-Spezialisten LANCOM, erklärt im Interview, worauf zu achten ist.

Die LANCOM Systems GmbH gilt als der führende deutsche Hersteller von Netzwerklösungen für Geschäftskunden und die öffentliche Hand. Das Unternehmen entstand 2002 als Management Buyout aus der früheren ELSA AG und führte die Produkte und Marken der ehemaligen ELSA-Abteilung „Communication Systems“ (Professionelle Datenkommunikation) fort. Christian Schallenberg begleitete LANCOM von Beginn an als CTO und Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung.

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GFM Nachrichten: Herr Schallenberg, eine Grundvoraussetzung für digitale Lösungen in einem stationären Geschäft ist ein funktionierendes WLAN. Auf was müssen Händler bei der Einrichtung achten? Warum ist es nicht ausreichend, wie zu Hause einen Router aufzustellen?

Christian Schallenberg: Zum einen hängt das von der Größe des Händlers ab. Bei einem kleinen Kiosk zum Beispiel kann ein einzelner Router ausreichen, dennoch sollten auch kleine Händler davon absehen, Consumer-Geräte im professionellen Umfeld einzusetzen. Der Feature-Umfang und die Security-Funktionen sind bei professionellen Geräten viel effizienter auf die Anforderungen der Anwender ausgelegt. Bei größeren Geschäften wird es hingegen schwierig, alles mit einem Gerät abzudecken. Wichtig sind dann die Fragen: Was will ich mit dem WLAN erreichen? Wer soll das Netz nutzen können? Welche Geräte sollen darauf zugreifen? Will zum Beispiel ein Supermarkt alle Kassen und Barcodescanner ins Netz aufnehmen, den Angestellten mobile Geräte für die Arbeit bereitstellen und ein Kunden-WLAN anbieten, braucht der Händler eine leistungsstarke und sichere Netzwerklösung. Zudem muss auch die Netztrennung gewährleistet werden.

GFM Nachrichten: Was bedeutet Netztrennung?

Christian Schallenberg: Es ist sehr wichtig, dass die unterschiedlichen Applikationen – wie Kunden-Hotspot, Digital Signage oder bargeldloses Zahlen –, die in einem Filialnetz laufen, sicher voneinander getrennt werden. Schließlich will man nicht, dass die Kunden dasselbe Netzwerk nutzen wie die eigene IT oder ein Dienstleister. Für die Sicherheit des eigenen Netzwerks könnte dies verheerend sein. Aus diesem Grund werden einzelne Netze virtuell voneinander getrennt und in sogenannte VLANs separiert. Aus technischer Sicht ist das keine große Herausforderung mehr.

GFM Nachrichten: Welche Bedingungen muss ein leistungsstarkes Netzwerk erfüllen?

Christian Schallenberg: Das Wichtigste ist wahrscheinlich die Bandbreite. Welche Bandbreite notwendig ist, hängt wieder vom Anwendungsfall ab. Bisher war die Netzwerkanbindung von Filialen vom Zusammenschluss der Kassen getrieben. Dabei sollte zentral auf die Daten aus den Kassen zugegriffen werden können, was nur eine kleine Bandbreite erforderte. Mit immer neuen Aufgaben, wie etwa einer zentralen Warenerfassung in Echtzeit oder dem bereits erwähnten Kunden-WLAN, gehen diese Anforderungen natürlich nach oben.

GFM Nachrichten: Es bleibt ja oft nicht mehr beim Netzwerk, immer mehr Unternehmen nutzen Cloud-Lösungen. Worauf ist hier zu achten?

Christian Schallenberg: Das Thema Sicherheit und Compliance steht hier ganz oben. Für Händler werden ja Analytics-Daten immer interessanter, denn sie ermöglichen bessere Ladenplanung ebenso wie personalisierte Kundenansprache basierend auf dem Verhalten der Verbraucher im Laden. Dabei können aber personenbezogene Daten wie IP- oder MAC-Adressen gespeichert und verarbeitet werden. Dabei müssen gesetzliche Anforderungen wie die der DSGVO erfüllt werden. Das beginnt bei der Bestimmung eines zuständigen Datenschutzbeauftragten und geht bis hin zu der Frage, wo der Cloud-Server steht. In den USA zum Beispiel gelten andere Gesetze als in der EU. Dort gespeicherte Daten müssen etwa an US-Behörden herausgegeben werden.

GFM Nachrichten: Ist Cloud-Management im Retail schon weit verbreitet?

Christian Schallenberg: Aktuell ist es ein Trend, der immer mehr Fahrt aufnimmt. Die großen Händler beginnen mit der Einführung im Zuge von Standardisierung und Automatisierung in ihren Filialen. Mittlere und kleine Händler tun sich hier hingegen noch schwer. Das muss aber nicht unbedingt an finanziellen Hürden liegen. Oft fehlen die Kontakte zu Systemhäusern, um sich umfassend beraten zu lassen, oder eine eigene IT-Abteilung, die sich dem Thema annimmt.

GFM Nachrichten: Mit 5G am Horizont, was wird sich ändern?

Christian Schallenberg: 5G ist eine spannender Standard, als Weiterentwicklung von LTE bietet es mehr Bandbreite und weniger Latenz. Natürlich muss entsprechend investiert werden, vor allem in die Infrastruktur. Aber WLAN wird seine Daseinsberechtigung behalten – nicht nur, weil sich dieses ebenfalls weiterentwickelt, wie das Multi-Gigabit-WLAN zeigt. Viele Prozesse basieren heute auf WLAN, und das wird sich so schnell auch nicht ändern. Hierzu müsste ein Systemwechsel so deutliche Vorteile bringen, dass sich die damit verbundenen Mühen und Investitionen auch wirklich rechnen.

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