Amazon Web Services (AWS) macht Konzepte aus Amazons eigener Shopping-KI erstmals für andere Händler nutzbar. Die neue Lösung soll Unternehmen dabei helfen, eigene KI-gestützte Einkaufsassistenten aufzubauen, die Kunden durch Produktsuche und Kaufentscheidung begleiten.

Die Ankündigung folgt kurz auf die Vorstellung von „Alexa for Shopping“, mit der Amazon Mitte Mai seine KI-gestützten Einkaufsfunktionen neu gebündelt hat. Nun stellt AWS eine technische Grundlage bereit, die auf Erfahrungen aus der Entwicklung dieser Systeme aufbaut und für andere Handelsunternehmen angepasst werden kann.
Die Lösung trägt den Namen „Agentic Shopping Assistant on AWS“. Nach Angaben des Unternehmens umfasst sie Architekturvorlagen, Beispielcode sowie Unterstützung durch AWS-Spezialisten. Händler sollen die Plattform mit eigenen Produktdaten, Geschäftsregeln und Markeninhalten verbinden können, um individuelle Einkaufsassistenten zu entwickeln.
KI soll Produktsuche verändern
Hinter dem Vorstoß steht die Erwartung, dass sich die Produktsuche im Internet verändern wird. Statt Kategorien zu durchsuchen oder einzelne Suchbegriffe einzugeben, sollen Kunden zunehmend in natürlicher Sprache mit digitalen Assistenten kommunizieren. Diese können Produktempfehlungen erstellen, Fragen beantworten oder bei der Auswahl helfen.
AWS argumentiert, dass Händler dafür eigene KI-Systeme benötigen, wenn sie den direkten Kontakt zum Kunden behalten wollen. Die Einschätzung stammt vom Anbieter selbst, verdeutlicht aber die strategische Bedeutung solcher Systeme für den Onlinehandel.
Als erstes Praxisbeispiel nennt AWS die Modemarke Kate Spade. Das Unternehmen entwickelte gemeinsam mit dem Mutterkonzern Tapestry einen KI-gestützten Geschenkberater, der Kunden anhand weniger Fragen passende Produkte vorschlagen soll. Nach Angaben von AWS wurde die Anwendung rund zweieinhalb Monate getestet, bevor sie für Kunden freigeschaltet wurde.
AWS verweist dabei mehrfach auf Erfahrungen aus Amazons eigenem Geschäft. Nach Unternehmensangaben nutzten im vergangenen Jahr mehr als 300 Millionen Kunden die Shopping-KI des Konzerns. Zudem habe sie zusätzliche Umsätze von rund 12 Milliarden US-Dollar unterstützt. Die Zahlen stammen von Amazon selbst und lassen sich unabhängig nicht überprüfen.
Noch ist offen, wie schnell sich solche Systeme im Handel durchsetzen. Die Ankündigung zeigt jedoch, dass große Technologieanbieter zunehmend versuchen, KI-Assistenten nicht nur als Suchhilfe, sondern als eigenständige Schnittstelle zwischen Händler und Kunde zu etablieren. Für viele Unternehmen könnte damit die Frage wichtiger werden, ob sie solche Funktionen selbst anbieten oder auf externe Plattformen angewiesen bleiben wollen.















