Lebensmittelhandel schwächelt bei Innovationen

Der traditionelle deutsche, österreichische und Schweizer Lebensmitteleinzelhandel kann sich nicht nur bei den Margen kaum mit der internationalen Konkurrenz messen. Auch bei der Innovationskraft gerät er mittlerweile weit ins Hintertreffen – neue Patente bleiben Mangelware.

Bei Aldi, Kaufland, Rewe und Spar stammt nur etwa jedes fünfte Patent nicht aus der Zeit vor 2016, wie eine aktuelle Studie der internationalen Managementberatung Kearney zeigt. Lediglich Lidl stemmt sich etwas gegen den Trend, da rund 60 Prozent der insgesamt 41 Patente des Unternehmens aktuell sind. Allerdings geht es bei Neuerungen selten um modernste Spitzentechnologien, sondern mehr um traditionelle Segmente wie Produktpräsentationen, Kassensysteme oder Zubereitungsmethoden. Die 220 Neuerungen lassen sich zudem meist einfach von der Konkurrenz imitieren, weshalb sie den Markenkern kaum stärken.

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Patentflut bei Walmart

Wie es anders geht, zeigt der US-Handelsriese Walmart, der seit 2016 über 2.000 Patente angemeldet hat, was 92 Prozent seiner Gesamtpatente entspricht. Dabei wurden unter anderem Blockchain-Mechanismen, autonome Lieferungen, Drohnenprojekte oder virtuelle Einkaufswelten in den Fokus genommen. Auch Tesco, Alibaba, Ocado und Carrefour ragen positiv heraus, während Amazon aktuell anscheinend keinen riesigen Innovationsdruck verspürt.

Klare Parallelen bei Investitionen

Die Suche nach Innovation spiegelt sich auch in den Übernahmen bzw. Anteilskäufen der vergangenen zehn Jahre wieder. So investierte Walmart in insgesamt 55 Firmen, die durchschnittlich gerade einmal 17 Jahre alt waren. Lediglich Alibaba (74 Investitionen / durchschnittlich 14 Jahre) spielt hier auf einem ähnlichen Niveau, auch wenn Auchan (16 Investitionen / durchschnittlich 11 Jahre) und Ocado (5 Investitionen / durchschnittlich 5 Jahre) eine Erwähnung wert sind. Dies gilt ebenfalls für Lidl, das für seine drei Investitionen vergleichsweise junge Unternehmen (durchschnittlich 18 Jahre) wählte. Edeka ist der absolute “Altmeister”, da die Ziele seiner zwölf Übernahmen bzw. Anteilskäufe durchschnittlich bereits 79 Jahre auf dem Buckel hatten.

In den vergangenen drei Jahren haben Lebensmittelhändler in der DACH-Region rund 107 Merger & Akquisition-Transaktionen durchgeführt, wobei die meisten allerdings anderen stationären Anbietern galten. Nur wenige zielten auf innovative Technologieunternehmen ab. Das prominenteste Beispiel ist die Co-Investition von Rewe in Flink, durch die Rewe der Exklusivlieferant des Berliner Start-ups wurde. Zumindest an einer Stelle gibt es von den Studienautoren zudem Lob für Edeka: Mit seinem intelligenten Einkaufswagen Easy Shopper habe das Unternehmen die Customer Journey verbessert und seine Personalkosten gesenkt.

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