Die Zukunft der Bildschirme analysiert

Verbraucher sind derzeit von unzähligen Bildschirmen umgeben – egal ob zu Hause, auf Arbeit oder zunehmend auch beim Shopping. Doch wird dies auch in Zukunft so bleiben? Deloitte hat in vier Extremszenarien einmal aufgeschlüsselt, welche Rolle Screens im Jahr 2030 spielen könnten.

Dabei sind sich die für die „Future of Screens“-Studie befragten Experten bei einigen Faktoren recht sicher: Die Bildschirmnutzung steigt weiter an, unter anderem weil selbstfahrende Autos mehr Ablenkung erlauben und neue Extended Reality-Geräte erscheinen. Sprachsteuerung wird dank weiterer Verbesserungen zum Mainstream, omnipräsente leistungsstarke Netzwerkstrukturen lassen sich fast überall finden. Cloudservices stellen zunehmend Funktionalitäten und Inhalte bereit.

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Multiple Screens

In zwei Szenarien bleiben Bildschirme zwar omnipräsent, werden aber extrem unterschiedlich genutzt. Die „Armee der Interfaces“ sammelt und verarbeitet große Datenmengen, die bei den digitalen Plattformanbietern zusammenlaufen. Dabei stellen sie über das Internet der Dinge zahlreiche Services bereit, bei denen Mediennutzung nur eine Anwendung unter vielen ist. Die Bildschirme sind lediglich ein simples Ausgabemedium ohne fortschrittliche Technologie, die Datenhoheit liegt bei den digitalen Plattformen.

Als „Quelle der Ablenkung“ bezeichnet Deloitte das zweite Szenario mit multiplen Screens, bei dem sich der Datenschutz nahezu komplett durchgesetzt hat. Hier erhalten Verbraucher meist für sie kaum relevante Botschaften, da sie nicht mehr gezielt adressiert werden können. Statt datengetriebener Ansätze wird an bestimmten Orten und in bestimmten Kontexten geworben, um Zielgruppen präziser anzusprechen. Die Werbeindustrie profitiert dennoch von der Situation, da sie ihre Inhalte über unzählige verschiedene Bildschirme zu den Kunden bringen kann. Auch die Hersteller der Hardware sind aufgrund der notwendigen Geräteanzahl zu den Gewinnern zu zählen.

Persönlicher Assistent

Bei entsprechendem technischem Fortschritt kann es aber auch zu einem Szenario kommen, in dem Verbraucher auf ein hochtechnisiertes Gerät vertrauen, das nahezu alle anderen Bildschirme zu Hause und unterwegs ersetzt. Da das Gerät komplett in den Alltag integriert ist, hat die Mediennutzung hier nur eine untergeordnete Priorität. Es hilft bei Problemen des alltäglichen Lebens und fungiert somit als „persönlicher Assistent“. Die Verbraucherdaten liegen deshalb primär in den Händen des jeweiligen Hardwareherstellers, der die Kunden in seinem Ökosystem hält. In diesem Szenario wären Augmented Reality-Brillen der Star, da sie die benötigten Informationen jederzeit bereitstellen. Einige Konsumenten würden aber auch ihre High-End-Smartphones nutzen, um mit Geräten aus dem Internet der Dinge zu interagieren.

Rückzug ins Private

Im letzten Szenario ziehen sich Nutzer mehr ins Private zurück und genießen dort personalisierte Premium-Inhalte auf einigen wenigen High-End-Screens. Strikte Regelungen und Bedenken bezüglich Datenmanagement haben hier die Funktionalität von Bildschirmlösungen so stark beschnitten, dass vor allem der Medienkonsum mehr Gewicht erhält. Extrem raffiniert konstruierte persönliche Geräte haben in diesem Fall die meisten Tablets und Laptops obsolet gemacht, da sie auch für den E-Commerce und Social Media genutzt werden. Diese Rolle könnte eine neue Generation von Virtual Reality-Geräten übernehmen. Lediglich mobile Touchscreens dürften sie nicht ganz ersetzen. Als Ergänzung sehen die Experten große Fernseher mit maximaler Auflösung und Farbtiefe. In diesem Szenario gewinnen primär die Medienunternehmen, die mit ihren Bezahlinhalten zu den Verbrauchern vordringen. Auch die Hardwareproduzenten haben Potential, wenn sie mit ihren technischen Innovationen zum richtigen Zeitpunkt überzeugen.

Wichtige Faktoren

Vor allem drei Faktoren entscheiden laut Klaus Böhm, Leiter Media und Entertainment bei Deloitte, über die weitere Entwicklung. Da gerade neue Formen wie Netzhautprojektion oder Augmented-Reality-Brillen einer Gewöhnung bedürften, sei es wichtig, dass Verbraucher neue Technologien akzeptierten, weil „entweder die Funktionalität oder attraktiver Mediencontent überzeugen“. Auch beim Thema Datenschutz brauche es das Vertrauen der Verbraucher, weshalb vor allem die digitalen Plattformanbieter ethische Grenzen akzeptieren müssten. „Wichtig ist zudem die Bildung von Ökosystemen, denn Bildschirme vereinen für den Verbraucher als zentrales User-Interface Anwendungen aus dem funktionalen und aus dem Medienbereich. In einem offenen Ökosystem können Medienunternehmen, Gerätehersteller, digitale Plattformen, App-Entwickler und Werber ihre individuellen Stärken sinnvoll einbringen – und davon profitieren am Ende alle“, bilanziert Böhm.

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