Walmart „jettet“ nicht mehr

Über drei Milliarden Dollar hatte sich Walmart den Online-Marktplatz Jet.com im Jahr 2016 kosten lassen, um im Konkurrenzkampf mit Amazon nicht den Anschluss zu verlieren. Doch nun verschwindet das Angebot ganz von der Bildfläche. Als Fehlinvestition sollte man den damaligen Kauf allerdings dennoch nicht abtun.

Wie Walmart im Rahmen seines Quartalsberichts mitteilte, wird die Handelskette Jet.com einstellen und die Marke auslaufen lassen. Jet.com hatte nicht wirklich die Hoffnungen von Walmart erfüllt, darüber jüngere und wohlhabendere Städter anzulocken. Dennoch sieht Walmart-CEO Doug McMillon den Erwerb nicht als Fehler und würde ihn sogar wiederholen, wie er in einem Interview mit CNBC erklärte.

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Expertise erworben

Die Integration von Jet.com in Walmart habe dessen Geschäftsentwicklung nachhaltig verändert, da man sich jede Menge Expertise sowie einige Fulfillment-Zentren gesichert habe. So ist beispielsweise Jet.com-Gründer Marc Lore noch immer für den gesamten E-Commerce-Bereich von Walmart in den USA verantwortlich. Vermutlich wären ohne Lore zwar waghalsige Experimente wie der gescheiterte Personal-Shopping-Service Jetblack ausgeblieben, seine Kenntnisse der Onlinebranche und derer Mechanismen dürften das bei Walmart aber mehr als ausgewogen haben.

Einheitliches Auftreten

Das Ende von Jet.com wird auch Teil der Bestrebungen von Walmart sein, seine Services einheitlich zu bündeln und die Filialen zum Zentrum seiner Onlinebestrebungen werden zu lassen. Zuletzt wurden beispielsweise die Walmart Grocery und die Walmart App zusammengelegt – also die App für Lebensmittellieferungen und die für den Filial- bzw. Onlineeinkauf. Das Walmart-Brand habe viel Zugkraft, erläuterte McMillon gegenüber Analysten, unabhängig von Einkommen, Herkunft oder Alter.

Er schloss dabei nicht ganz aus, dass die Marke Jet.com in der Zukunft noch einmal genutzt wird, Ressourcen und Finanzmittel kommen aber nun fast ausschließlich „Walmart“ zu gute. Erhebliche buchhalterische Belastungen durch die Schließung von Jet.com seien laut ihm nicht zu erwarten. Die meisten Mitarbeiter von Jet.com wurden zudem in Funktionen versetzt, die an die Marke Walmart gebunden sind.