Live-Shopping: Social Media meist nur Marketing-Tool

Der Trend zum Live-Shopping ist auch in Europa angekommen, da sich damit Vorzüge stationärer Geschäfte mit den Vorteilen des E-Commerce koppeln lassen. Vor allem im Beauty- und Fashion-Bereich boomt das Format – mehr als ein Drittel der Marken startete mittlerweile entsprechende Angebote. Dabei setzen die meisten primär auf ihren eigenen Onlineshop als Plattform.

Arvato Supply Chain Solutions hat für eine neue Studie zum „Live-Shopping in Europa“ insgesamt 90 Marken aus dem Mode- und Beauty-Sektor analysiert und Experteninterviews geführt. Europäische Kunden sind laut einer früheren Umfrage von Forrester Research zu 70 Prozent für das Format aufgeschlossen. Rund ein Fünftel der Marken hat darauf bereits Mitte 2020 reagiert und mindestens ein Live-Shopping-Event auf die Beine gestellt.

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Social Media als Werbekanal

Social Media spielt als Übertragungsplattform dabei noch eine untergeordnete Rolle. Insgesamt 70 Prozent der Events werden rein über End-to-End-Videolösungen für den eigenen Webshop ausgespielt, fünf Prozent sind Social Media-exklusiv. 26 Prozent kombinieren die unterschiedlichen Kanäle. Für das Event-Marketing ist Social Media dagegen beliebt: So werben beispielsweise 67 Prozent bei Facebook für Live-Shopping.

Ein entsprechendes Event haben aber gerade einmal neun Prozent exklusiv auf der Plattform durchgeführt. Die Studienautoren vermuten, dass dies mit den eingeschränkten Funktionen von Facebook Live im Gegensatz zu den USA und dem Genehmigungsprozess für die Produktpräsentation zusammenhängen könnte. YouTube wurde dagegen von 38 Prozent der Marken schon als Ergänzung zum Haupt-Live-Shopping-Event verwendet.

Experten und Influencer im Gleichgewicht

Es gibt gesamt gesehen keine klare Tendenz zum Einsatz von Experten und Influencern. Ungefähr je ein Drittel vertraut ausschließlich auf Influencer bzw. Experten oder mixt beide Seiten munter miteinander. Im Fashion-Bereich entscheiden sich Marken allerdings verstärkt für reine Influencer- (43 Prozent) oder Experten-Events (39 Prozent), während im Beauty-Segment in der Hälfte der Fälle beide zum Zug kommen. Influencer sorgen im Idealfall für massive PR und Markenbekanntheit.

Europäische Zuschauer bevorzugen laut Forrester vor allem lokale Produktexperten (36 Prozent) – und dies umso mehr, je älter das Publikum ist. Social Media-Influencer sind unter Jüngeren (25 Prozent) recht beliebt (durchschnittlich: 16 Prozent). Auf den Plätzen folgen Produkt-Influencer (14 Prozent), berühmte Persönlichkeiten (11 Prozent) und Direktverkäufer aus dem Ausland (10 Prozent).

Experimentierfreude gefragt

Bertold Harmath, Mitgründer & CCO der Live-Shopping-Plattform Livebuy, rät Neueinsteigern dazu, viel zu experimentieren und so herauszufinden, was beim eigenen Publikum ankommt. Es sei besser, an 20 Tagen hintereinander live zu gehen als auf das eine perfekte Event zuzustreben. Die Studienautoren empfehlen zudem, sich ausreichend Gedanken über den Zielmarkt sowie die Kundensegmentierung zu machen und Produkte und/oder Kollektionen entsprechend zu präsentieren. Auch Werteversprechen wie besondere Rabatte oder schnellere Lieferung seien ein guter Weg, um das Interesse der Verbraucher hoch zu halten.

Die vollständige Analyse kann hier heruntergeladen werden.

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