Innenstädte genauer analysiert

Die Zukunft der Innenstädte wird immer wieder heiß diskutiert. Doch warum kommen Besucher eigentlich mitten ins (hoffentlich weiterhin) pulsierende Zentrum kleinerer und größerer Städte? Die IFH Förderer hat untersucht, wodurch Innenstädte für Konsumenten attraktiv werden und dabei Cluster mit individuellen Stärken und Schwächen identifiziert.

Die Ergebnisse basieren dabei auf den regelmäßigen Passantenbefragungen des IFH Köln, wobei zusätzlich Daten von Open Street Map und den statistischen Ämtern herangezogen wurden. Dabei zeigte sich, dass die Attraktivität des Einzelhandels in den vergangenen Jahren zwar insgesamt rückläufig war, in Städten mit 100.000 und weniger Einwohnern aber stetig zulegen konnte. Bei der Gesamtattraktivität gilt dagegen im Allgemeinen: Je größer die Stadt, desto besser der Wert. Dabei locken Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse vermehrt in die Metropolen, während kleinere Orte mit Sauberkeit und (gefühlter) Sicherheit punkten.

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Das Ambiente der Städte hat sich aus Sicht der Konsumenten seit 2014 kontinuierlich verbessert, bei der Erlebnisqualität verzeichneten sie aber kaum Fortschritte. Die „wahrgenomme“ Erreichbarkeit stagnierte in den vergangenen Jahren, wobei bessere Bedingungen für Autofahrer den teils verschlechterten Konditionen für Fahrradfahrer und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel gegenüberstehen.

Trotz der massiven Konkurrenz aus dem Internet scheinen Bekleidungsgeschäfte sowohl für die Gesamtattraktivität als auch für das Ambiente der Innenstädte weiter unverzichtbar. Mehr Einfluss auf das Ambiente sahen die Befragten lediglich in der Gastronomie, die allerdings für die Gesamtattraktivität fast keine Rolle spielt. Diese wird eher von Angeboten aus dem Bereich Wohnen, Drogeriewaren und Schuhe nach oben getrieben.

Die Untersuchung fand zudem fünf Cluster von Innenstädten, die sich jeweils in ihren Vorzügen und Herausforderungen gleichen.

Die Schönen

Speyer

Städte wie Trier, Braunfels und Speyer gehören demnach zum Cluster „Die (unnahbare) Schöne“. Die mittelgroßen Orte haben durchschnittlich 76.633 Einwohner und eine vergleichsweise niedrige Arbeitslosenquote. Hier boomt vor allem der Tourismus, weshalb die Zahl der Übernachtungen fast doppelt so hoch ist wie im bundesdeutschen Durchschnitt. Mit dem PKW und dem Rad lassen sich diese vor allem beim Ambiente herausragenden Innenstädte einfach erreichen, es fehlt aber an öffentlichen Verkehrsmitteln und Parkplätzen. Das Einzelhandels- und Dienstleistungsangebot wirkt nur durchschnittlich attraktiv, obwohl – oder gerade weil – es dort die höchste Pro-Kopf-Anzahl an Geschäften gibt. Besonders anziehend wirkt dagegen die Gastronomie.

Die Unterschätzten

Leipzig

Als „Unterschätzte Alleskönnerin“ gelten Städte wie Leipzig, Wismar und Landsberg am Lech, die in vielen Bereichen besser als der Durchschnitt performen. So überzeugen vor allem das Ambiente und die Einzelhandelsaktivität, aber auch bei der Dienstleistungsattraktivität und der Erreichbarkeit liegen sie vor vielen anderen. Die meist großen Naherholungsflächen und die leicht erhöhte Vielfalt in der Einzelhandelslandschaft quittieren Konsumenten mit einer längeren Aufenthaltszeit in der Innenstadt. Diese ist mit allen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Lediglich für den Fernverkehr sind sie nicht ideal, da mit einer Anfahrtzeit von durchschnittlich 77 Minuten gerechnet werden muss.

Die Pragmatischen

Bremen

„Die pragmatische Einkaufsstadt“ wirkt auf den ersten Blick fast wie das genaue Gegenteil der „Unterschätzten“. Die als Beispiel gewählten Städte Bremen, Bebra und Magdeburg überzeugen jedoch durch eine überdurchschnittliche Gesamtattraktivität. Allerdings wird das Ambiente in diesem Cluster als deutlich ausbaufähig angesehen, was sich eventuell auf den vergleichsweise wenig attraktiv empfundenen Einzelhandel überträgt. Besuche in der Innenstadt sind zwar überdurchschnittlich häufig, aber verhältnismäßig kurz. Die Konsumenten scheinen vor allem zielgerichtet einkaufen zu wollen – oder vermehrt zur Arbeit zu pendeln. Die Anbindung an den Fernverkehr und die Breitbandversorgung sind leicht besser als im Durchschnitt.

Die Attraktiven

Düsseldorf

Als „Die attraktive Einkaufsstadt“ gelten größere Orte und Metropolen wie Düsseldorf, Koblenz und Braunschweig. Die durchschnittlich 270.000 Einwohner können – wie der Name schon suggeriert – auf ein als attraktiv empfundenes Einzelhandels- und Dienstleistungsangebot zurückgreifen. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist sehr einfach, deutlich schwieriger wird es mit dem Auto und dem Fahrrad. Sie haben als Wirtschaftsstandorte gehobene Bedeutung und locken somit auch massiv Pendler an. Auch das umfangreiche gastronomische Angebot dürfte dazu beitragen, dass die Einnahmen aus Gewerbe- und Umsatzsteuern hoch ausfallen.

Die Versorger

„Die kleine Versorgerstadt“ (Monheim, Plön und Oranienburg) kann nur bei der Erreichbarkeit gut mit anderen Clustern konkurrieren. Die mit durchschnittlich 51.400 Einwohnern ohnehin nicht großen Ortschaften wachsen recht langsam, was sicherlich an mehreren Faktoren hängt: Ihr Ambiente ist derzeit kein Highlight, wobei zumindest extrem viele Naherholungsflächen verfügbar sind. Die Nahversorgung fällt sehr gut aus, der Einzelhandel- und der Dienstleistungssektor zählen für Konsumenten allerdings dennoch kaum zu den Highlights. Der Cluster wird häufig, aber sehr kurz besucht. Deshalb gibt es hier noch großes Potential, Kunden stärker zu binden.

Weitere Informationen

Das Whitepaper „Innenstadthandel in Zeiten der Digitalisierung“ kann beim IFH Köln kostenlos heruntergeladen werden.

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