European Payments Initiative: Mehr Partnerschaften oder höherer Wettbewerb?

Im Juli begrüßte die Europäische Zentralbank die Entscheidung von 16 europäischen Banken, ein paneuropäisches Zahlungssystem einzuführen. Die Lösung zielt darauf ab, die derzeit zersplitterte Payment-Landschaft zu vereinheitlichen. Marius Galdikas, CEO des Online-Banking-Service-Providers ConnectPay, weist allerdings darauf hin, dass es noch einige rote Flaggen bezüglich potenzieller Partnerschafts- und Wettbewerbsfragen gibt.

Am 16. Juli präsentierten Banken der Eurozone aus fünf Ländern (Belgien, Frankreich, Deutschland, Niederlande und Spanien) die Idee einer einheitlichen Zahlungslösung für Verbraucher und Händler in ganz Europa. Die European Payments Initiative (EPI) zielt darauf ab, die bestehende Marktfragmentierung zu verringern und die Unabhängigkeit Europas auf dem globalen Zahlungsmarkt zu erhöhen.

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Kartenzahlung noch nicht einheitlich

Ein Bericht der Europäischen Zentralbank von 2019 zeigt auf, dass in den vergangenen zwei Jahrzehnten verschiedene Marktteilnehmer den Zahlungsverkehr in ganz Europa vereinheitlichen wollten. Durch die Single Euro Payments Area-Initiative (SEPA) hat es bedeutende Fortschritte bei Überweisungen und Lastschriften gegeben, doch die Harmonisierung von Kartenzahlungen hinkt weiter hinterher. Hinzu kommt, dass aktuell zehn europäische Länder immer noch keine Karten aus anderen EU-Mitgliedsstaaten akzeptieren.

Gegenwärtig sind deshalb europaweit primär internationale Kartensystemen wie Visa oder Mastercard am Zug. Dies hat dazu geführt, dass die europäischen Payment-Service-Provider kaum Einfluss auf die weitere Entwicklung des Marktes haben. Die EPI könnte die lang ersehnte Souveränität von den die Branche beherrschenden Akteure gewährleisten und den Zahlungsanbietern mehr Kontrolle über Kosten, Wettbewerb und Governance geben.

Mehr Wettbewerb möglich

„Eine größerer Einfluss auf die europäische Zahlungslandschaft würde den Kontinent in eine gefestigtere Wettbewerbsposition versetzen und seine Widerstandsfähigkeit gegenüber Einflüssen der derzeit vorherrschenden Marktteilnehmer stärken“, sagt Galdikas. „Gleichzeitig würde die neu erlangte Unabhängigkeit eine Reihe von Herausforderungen mit sich bringen, die die Wettbewerbsfähigkeit unter den Partnerbanken erhöhen könnten. Dabei handelt es sich beispielsweise um die Frage der Verrechnungsgebühren, die derzeit zwar durch die IFR (Interchange Fee Regulation, d.R.) gekappt sind, aber von Visa oder Mastercard festgelegt werden.“

Vorteil für Gründer?

Ein weiterer Aspekt, der nach Ansicht von Galdakis gründlich diskutiert werden muss, sei die Aufnahme neuer Mitglieder im EPI-Netzwerk. Wenn die EPI die gegenwärtigen Erwartungen erfolgreich erfülle oder sogar übertreffe, sollte ihr demonstrierter Wert das Interesse anderer potentieller Mitgliedsstaaten wecken. Es bestehe jedoch das Risiko, dass ihnen unangemessene Bedingungen auferlegt werden, um lediglich einem engeren Kreis die ganzen Vorteile des Netzwerks zu sichern.

„Es ist von entscheidender Bedeutung, alle Entwicklungen bezüglich des Steuerungs- und Regelungssystems genau im Auge zu behalten, um Transparenz auf allen Ebenen zu gewährleisten und sicherzustellen, dass keines der Unternehmen einen Wettbewerbsnachteil erleidet“, führt Galdikas weiter aus. „Dadurch ließe sich die bereits geleistete solide Basisarbeit fortsetzen und die Initiative mit einer zentralen vereinheitlichenden Agenda weiter verfeinern. Damit wäre ein großer Schritt hin zur Harmonisierung des Zahlungsverkehrs getan.“

(Teaser-Bild by Blake Wisz on Unsplash)

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