Automatisierung der Handelslogistik stößt an Grenzen

Automatisierung, KI und Robotik sollen die Handelslogistik effizienter machen. In Lagern und Verteilzentren kommen entsprechende Systeme bereits voran. Schwieriger wird es dort, wo die Technik den geschlossenen Logistikraum verlässt und im öffentlichen Raum eingesetzt wird.

Automatische Lagersysteme gehören in vielen Handelsunternehmen inzwischen zum Alltag. Laut der EHI-Studie „KI und Automatisierung in der Handelslogistik 2026“ setzen 66,7 Prozent der befragten Unternehmen solche Systeme ein. Den Automatisierungsgrad ihrer logistischen Prozesse bewerten die Unternehmen im Schnitt mit 5,3 von 10 Punkten. Gleichzeitig bleibt die Umsetzung anspruchsvoll: 69,4 Prozent nennen hohe Investitionskosten als größte Herausforderung bei Automatisierungsprojekten.

Deutlich weniger weit sind viele Unternehmen bei Robotik und Künstlicher Intelligenz. KI wird vor allem für Nachfrage- und Absatzprognosen genutzt, robotische Systeme kommen eher in kontrollierbaren Bereichen wie Lagerung, Kommissionierung und innerbetrieblichen Transporten zum Einsatz. Das zeigt eine zentrale Grenze der Entwicklung: Automatisierung funktioniert dort am besten, wo Abläufe standardisiert und Umgebungen planbar sind.

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Letzte Meile bleibt schwieriger

Auf der letzten Meile sind diese Bedingungen deutlich schwerer herzustellen. Lieferroboter bewegen sich nicht mehr in klar abgegrenzten Lagerbereichen, sondern auf Gehwegen, an Hauseingängen, vor Restaurants und zwischen anderen Verkehrsteilnehmern. Damit wird autonome Zustellung nicht nur zu einer Frage von Sensoren, Software und Flottenmanagement, sondern auch von Platzverhältnissen, Barrierefreiheit und kommunalen Regeln.

Besonders sichtbar ist diese Debatte derzeit in den USA. In Los Angeles sind Lieferroboter inzwischen in vielen Stadtteilen unterwegs. Serve Robotics hat laut US-Berichten rund 500 Roboter in 40 Nachbarschaften im Einsatz, Coco Robotics kommt auf etwa 300 Geräte. Die Systeme sollen Essen und kleinere Bestellungen effizienter zustellen und zusätzlichen Autoverkehr vermeiden. Zugleich prüfen einzelne Kommunen Einschränkungen, weil Gehwege blockiert werden können und Konflikte mit anderen Nutzungen entstehen.

Ähnliche Fragen stellen sich auch außerhalb der USA. In Großbritannien fahren Lieferroboter etwa in Milton Keynes schon seit Jahren; zugleich wird über eine klarere gesetzliche Grundlage für den Einsatz auf Gehwegen diskutiert. Toronto hat autonome Lieferroboter auf Gehwegen und Radwegen bereits 2021 untersagt. Die Beispiele zeigen, dass sich Lieferrobotik im öffentlichen Raum deutlich schwerer skalieren lässt als Automatisierung im Lager.

Beschäftigung rückt in den Fokus

Wie weit die Automatisierungspläne international reichen können, zeigt der chinesische Onlinehändler JD.com. Gründer Richard Liu geht davon aus, dass Roboter die Arbeit der rund 700.000 Lieferfahrer des Unternehmens langfristig übernehmen werden. Zugleich verweist JD.com auf Umschulungsprogramme: Beschäftigte sollen künftig unter anderem in Wartung, Reparatur und Betreuung automatisierter Systeme eingesetzt werden. Dafür hat das Unternehmen laut Berichten Vereinbarungen mit rund 120 Bildungseinrichtungen geschlossen.

Für die Handelslogistik entsteht damit ein zweigeteilter Wandel. In Lagern und Verteilzentren kann Automatisierung Prozesse beschleunigen, Fehler reduzieren und Personalmangel abfedern. Auf der letzten Meile hängen Effizienzgewinne dagegen stärker davon ab, ob Kommunen, Anwohner und andere Nutzer des öffentlichen Raums die Systeme akzeptieren. Zusätzlich wird die Frage wichtiger, welche Aufgaben Beschäftigte übernehmen, wenn Liefer- und Lagerprozesse stärker automatisiert werden.

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