Die Landeshauptstadt Wiesbaden baut ihr Konzept der „Stillen Stunde“ weiter aus, bei dem Geschäfte zeitweise Licht, Geräusche und Abläufe gezielt reduzieren. Mehr als 40 Geschäfte und Einrichtungen beteiligen sich inzwischen an dem Angebot. Wiesbaden gilt als erste Kommune in Deutschland, die dieses Modell in dieser Breite eingeführt hat.

Mit einem Vernetzungstreffen im Museum Reinhard Ernst hat Wiesbaden Mitte April den nächsten Schritt eingeleitet. Ziel ist es, bestehende Betriebe enger zusammenzubringen und weitere Partner aus Handel und öffentlichen Einrichtungen zu gewinnen. Der Austausch soll die Umsetzung im Betrieb verbessern und neue Teilnehmer einbinden. Dabei wurden praktische Ansätze diskutiert und Erfahrungen geteilt. Dabei ging es nicht nur um organisatorische Fragen, sondern auch um den Umgang mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Ergänzend wurde deutlich, dass Raumgestaltung und klare Abläufe entscheidend sein können, um das Konzept wirksam umzusetzen.
Seit dem Start im Juli 2025 ist die Zahl der beteiligten Betriebe kontinuierlich gestiegen. Neben klassischen Einzelhändlern machen inzwischen auch kulturelle Einrichtungen mit. Neu hinzugekommen sind unter anderem ein Café sowie ein Museum, ein weiteres Stadtmuseum will im Mai folgen. Die wachsende Beteiligung zeigt, dass sich der Ansatz nicht auf den Handel beschränkt, sondern auf verschiedene öffentliche Räume übertragen lässt.
Inklusion für sensorisch Empfindliche
Zentral sind dabei konkrete Maßnahmen zur Reduzierung von Reizen. Dazu zählen gedimmtes Licht, geringere Geräuschkulissen und angepasste Abläufe im Betrieb. Die Maßnahmen sollen Menschen mit sensorischen Empfindlichkeiten einen selbstbestimmteren Zugang zu Einkauf und Freizeit ermöglichen. Rückmeldungen aus Wiesbaden zeigen, dass sich die Anpassungen vergleichsweise einfach umsetzen lassen und von Kunden wie Mitarbeitern überwiegend positiv aufgenommen werden.
Politisch wird die Initiative auf Landes- und kommunaler Ebene unterstützt. Vertreter aus Regierung und Stadtverwaltung betonen die Bedeutung für mehr Teilhabe im öffentlichen Leben. Parallel wächst das Interesse über Wiesbaden hinaus. Das Modell soll auch in anderen Städten übernommen werden können.
Ob das Konzept weiter wächst, hängt davon ab, ob zusätzliche Partner gewonnen werden und ob es sich im Alltag dauerhaft etabliert. Die bisherigen Erfahrungen deuten darauf hin, dass der Ansatz auch über die ursprüngliche Zielgruppe hinaus Wirkung entfalten kann.















