Zukunft des Einzelhandels: Erlebniscenter mit Netflix-Anschluss?

In einer neuen Studie hat der Shoppingcenter-Betreiber Unibail-Rodamco-Westfield Trends identifiziert, die den Einzelhandel bis 2029 voraussichtlich prägen. Dabei wurden die Wünsche und Erwartungen von insgesamt 15.700 Verbrauchern aus zehn europäischen Ländern berücksichtigt.

The Void kommt mit seinen VR-Erlebnissen bald ins Centro Oberhausen

Upside-Down Retail

Viele von ihnen sind demnach bereits auf die bevorstehenden Veränderungen in der Einzelhandelslandschaft vorbereitet. So gingen 59 Prozent der Befragten davon aus, dass schon 2025 über die Hälfte der verfügbaren Ladenflächen bestimmten Erlebnissen und nicht mehr direkt Produkten gewidmet sind. Und ganze 75 Prozent glauben, dass dies spätestens 2027 Realität wird. Am häufigsten werden In-Store-Aktivitäten nachgefragt, die die Kreativität fördern und Bezug zu Gesundheits- oder Spielethemen haben.

Anzeige

Unibail-Rodamco-Westfield selbst demonstriert einige Ansätze davon unter anderem in seinem Shopping- und Erlebniszentrum Centro in Oberhausen, das neben 250 Läden verschiedene Gastronomie-Konzepte, eine Multifunktionshalle, ein Kino und das Legoland Discovery Centre vereint. In diesem Jahr eröffnet dort neben einer Expohalle zudem die erste The Void-Spielhalle Deutschland. Der US-amerikanische Anbieter schickt Besucher zur Kurzausflügen in die virtuelle Realität, wo sie ihre Helden aus „Jumanji“, „Star Wars“, „Marvel’s Avengers“ oder „Ghostbusters“ dank modernster Technik so begleiten können, als würden sie wirklich live vor Ort sein – was von der US-amerikanischen Öffentlichkeit und Kritik begeistert gefeiert wird.

Stationäre Präsenz erwünscht

Die teils sehr ungenauen Empfehlungen des Onlinehandels enttäuschen dagegen mittlerweile 56 Prozent der europäischen Verbraucher – stationäre Händler sollten hier also besser arbeiten und die Bedürfnisse ihrer Kunden genauer kennen, um sich von diesen abheben zu können. Dabei greift ihnen die Wissenschaft stark unter die Arme. Ob für bessere Produktempfehlungen allerdings wirklich die DNA analysiert werden sollte, ist eher fraglich. Aber immerhin über ein Drittel der Kunden würde sie zu diesem Zweck laut eigener Aussage zur Verfügung stellen.

Fast 60 Prozent aller Befragten möchten zudem bei ihren Recherchen nicht auf eine Vorauswahl bestimmter Produkte beschränkt sein, sondern gern das gesamte Sortiment der Filiale durchsuchen können. Eine gelungene Verknüpfung von Online- mit Ladenpräsenz kann deshalb hier wahre Wunder bewirken. Eine steigende Anzahl von Verbrauchern möchte zudem künftig auch in Geschäften mit den favorisierten Online-Marken interagieren. Derzeit stehen dabei vor allem Netflix, Spotify und Tinder hoch im Kurs.

Umweltbelastung reduzieren, Gemeinschaftsgefühl steigern

Mit dem Verzicht auf unnötiges Plastik oder dem Einsatz recyclebarer Kassenbons versuchen Händler bereits, dem gestiegenen Umweltbewusstsein Rechnung zu tragen. Dennoch ist die für 76 Prozent der Europäer noch nicht genug: Sie möchtern gern, dass der Einzelhandel mehr für die Umwelt tut. Dazu zählt auch, dass bestimmte Produkte künftig möglichst direkt in den Läden hergestellt werden sollen. Diese Ansicht teilen immerhin 71 Prozent der Konsumenten.

Unibail-Rodamco-Westfield geht davon aus, dass sich die die Einzelhandelsflächen von heute künftig zu Gemeinschaftsflächen entwickeln. Dabei wünschen sich 70 Prozent der Verbraucher, dass diese die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung widerspiegeln. Der örtliche Faktor spielt auch bei der Markenauswahl eine große Rolle: 51 Prozent erklärten, dass sie regional produzierte Produkte bekannten Brands vorziehen.

STARTSEITE