Refurbished-Produkte wachsen schneller als Neugeräte

Das Marktforschungsunternehmen NIQ sieht im Refurbished-Segment einen der dynamischsten Wachstumstreiber im Elektronikmarkt. Während der Absatz neuer Geräte stagniert oder sinkt, gewinnen wiederaufbereitete Produkte deutlich an Marktanteilen.

Der Markt für refurbished Smartphones, Tablets, Wearables und Notebooks wächst seit Jahren schneller als das klassische Neugeschäft. 2025 legten Absatz und Umsatz in allen relevanten Kategorien um mehr als 30 Prozent zu. Besonders stark entwickelte sich das Smartphone-Segment: Während der Absatz neuer Geräte um 5 Prozent zurückging, stieg der Absatz refurbished Smartphones um 38 Prozent. Auch 2026 setzt sich dieser Trend fort, im ersten Quartal lagen die Verkäufe erneut deutlich über dem Vorjahr.

Damit verschieben sich die Kräfteverhältnisse im Markt. Refurbished-Geräte gewinnen innerhalb der Kategorien kontinuierlich an Bedeutung. Bei Smartphones stieg ihr Anteil am Gesamtmarkt 2025 von rund 7 auf etwa 10 Prozent. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich bei Tablets, Laptops und Wearables, wenn auch auf niedrigerem Niveau.

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Ein zentraler Treiber bleibt der Zugang zu hochwertiger Technik zu niedrigeren Preisen. Refurbished-Produkte kosten im Schnitt 15 bis 25 Prozent weniger als vergleichbare Neugeräte. Besonders gefragt sind ehemalige Flaggschiff-Modelle. Im Smartphone-Bereich entfällt mehr als die Hälfte der Nachfrage auf Geräte im Preisbereich zwischen 200 und 400 Euro. Gleichzeitig zeigt sich bei Tablets, dass Kunden gezielt höherwertige Geräte nachfragen. Hier lag der Durchschnittspreis refurbished Ware zuletzt sogar über dem von Neugeräten.

Neben Preis und Qualität spielen auch regulatorische Entwicklungen eine Rolle. Mit der EU-Richtlinie zum „Right to Repair“, die 2026 in nationales Recht überführt wird, verbessern sich die Rahmenbedingungen für Reparatur und Wiederaufbereitung. Hersteller müssen Ersatzteile länger vorhalten und Informationen zur Reparierbarkeit bereitstellen. Das erleichtert die Wiederverwertung und stärkt das Angebot im Refurbished-Markt.

Der Vertrieb erfolgt bislang überwiegend online. Rund 90 Prozent der Käufe werden über digitale Kanäle abgewickelt. Gleichzeitig zeigen sich erste Verschiebungen im stationären Handel. Im Notebook-Segment hat sich der Absatz über physische Verkaufsstellen zuletzt deutlich erhöht, wenn auch von niedrigem Niveau aus.

Trotz des starken Wachstums bleibt ein limitierender Faktor bestehen: die Verfügbarkeit geeigneter Gebrauchtgeräte. Längere Nutzungszyklen reduzieren das Angebot an aktuellen Modellen, die sich besonders gut wiederaufbereiten lassen. Damit wird die Beschaffung zunehmend zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

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