Amazon ordnet sein Lebensmittelgeschäft in den USA neu und beendet zwei zentrale stationäre Konzepte. Künftig konzentriert sich der Konzern auf den Onlinevertrieb von Lebensmitteln sowie auf den Ausbau der Supermarktkette Whole Foods Market.

Amazon schließt alle verbliebenen Geschäfte unter den Marken Amazon Fresh und Amazon Go. Insgesamt betrifft die Entscheidung 72 Standorte in den USA. Die meisten Filialen stellen den Betrieb Anfang Februar 2026 ein, einzelne folgen später aufgrund arbeitsrechtlicher Vorgaben. Ein Teil der Flächen soll in Whole-Foods-Märkte umgewandelt werden. Lebensmittel werden bei Amazon damit künftig entweder online oder über das etablierte Bio-Supermarktformat verkauft.
Stationäre Konzepte ohne Skalierung
Mit der Entscheidung endet ein jahrelanger Versuch, technologiegetriebene Nahversorgungsmodelle im großen Stil zu etablieren. Amazon Go war 2018 mit dem Anspruch gestartet, den Einkauf durch kassenloses Bezahlen grundlegend zu verändern. Amazon Fresh sollte dieses Prinzip auf größere Supermärkte übertragen. Beide Formate verbanden klassische Sortimente mit hohem Technologieeinsatz, erreichten jedoch keine wirtschaftliche Skalierung.
Bereits in den vergangenen Jahren hatte Amazon einzelne Standorte geschlossen und weitere stationäre Handelsformate aufgegeben. Innerhalb des Konzerns setzte sich zunehmend die Einschätzung durch, dass sich die Ladenkonzepte weder klar vom Wettbewerb abgrenzen noch mit stabilen Kostenstrukturen betreiben lassen. Die aktuellen Schließungen gelten daher als Teil einer länger angelegten Konsolidierung im stationären Geschäft.
Online und Whole Foods im Fokus
Anders entwickelt sich das Geschäft mit Whole Foods Market. Die 2017 übernommene Supermarktkette verfügt inzwischen über mehr als 550 Standorte und wächst weiter. Amazon investiert in neue Filialen sowie kleinere Ableger für urbane Lagen und bewertet das Format als belastbar und wirtschaftlich kalkulierbar.
Parallel dazu rückt der Onlinehandel mit Lebensmitteln in den Mittelpunkt. Amazon liefert frische Produkte inzwischen in mehreren tausend Städten in den USA, vielerorts auch am Tag der Bestellung. Dieses Geschäft verzeichnet starkes Wachstum und stützt sich auf bestehende Logistiknetze, Prime-Bindung und eine hohe Akzeptanz digitaler Bestellprozesse.
Die bei Amazon Go entwickelte Technologie für kassenloses Bezahlen bleibt von den Ladenschließungen unberührt. Das System wird weiterhin an Drittanbieter lizenziert und kommt unter anderem in Stadien, Kantinen, Krankenhäusern sowie in internen Einrichtungen von Amazon zum Einsatz. Der Konzern trennt damit klar zwischen Technologieentwicklung und eigenem stationären Betrieb.
Zur Zahl der betroffenen Mitarbeiter macht Amazon keine detaillierten Angaben. Nach US-Medienberichten sollen Beschäftigten alternative Stellen innerhalb des Unternehmens angeboten werden, zusätzlich sind Abfindungsregelungen vorgesehen. Die Umstellung erfolgt kurzfristig und zählt zu den deutlichsten Einschnitten im stationären Lebensmittelhandel von Amazon seit dem Markteintritt.
Mit dem Aus für Amazon Fresh und Amazon Go bündelt Amazon seine Aktivitäten im Lebensmittelbereich auf zwei Säulen: skalierbaren Onlinevertrieb und ein etabliertes stationäres Format. Der Konzern verabschiedet sich damit von eigenen Nahversorgungsmodellen, die trotz hoher technologischer Ambitionen keinen nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg erreicht haben.













