Navigation treibt Interesse an Augmented Reality-Brillen

Der Digitalverband Bitkom sieht wachsende Offenheit für smarte und Augmented Reality (AR)-Brillen in Deutschland. Eine neue Umfrage zeigt zugleich, welche Funktionen gefragt sind – und wo Vorbehalte dominieren.

Smarte Brillen sind in Deutschland längst kein reines Nischenprodukt mehr, auch wenn die Nutzung noch am Anfang steht. Nach einer repräsentativen Bitkom-Befragung sind 39 Prozent grundsätzlich offen, eine smarte Brille zu tragen, etwa zum Telefonieren, Musikhören oder für Sprachfunktionen. Für Augmented-Reality-Brillen, die virtuelle Inhalte ins Sichtfeld einblenden, liegt die potenzielle Zustimmung niedriger: 26 Prozent können sich demnach vorstellen, künftig eine AR-Brille zu nutzen.

Bei den 16- bis 29-Jährigen liegt die Offenheit für AR-Brillen schon bei 35 Prozent, bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 34 Prozent. In der Gruppe der 50- bis 64-Jährigen sinkt der Anteil auf 23 Prozent, ab 65 Jahren auf 15 Prozent. Der Bitkom ordnet das als Hinweis ein, dass AR-Brillen mit wachsender Alltagstauglichkeit und einem passenden Preis-Leistungs-Verhältnis breiter ankommen könnten. Der Verband verweist dabei auf eine Entwicklung, die sich an der Smartphone-Dynamik orientieren könnte, sobald Komfort, Technik und Kosten zusammenpassen.

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Bei den gewünschten Einsatzfeldern stehen praktische Mehrwerte im Vordergrund. Fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) kann sich smarte Brillen vorstellen, um Informationen zu historischen Gebäuden in der Umgebung zu erhalten. 42 Prozent würden Navigationshinweise per Brille nutzen. Deutlich geringer ist das Interesse an Funktionen, die Informationen zu anderen Menschen in der Umgebung liefern: Das befürworten nur 18 Prozent. Die Zahlen zeichnen ein Bild, das für den Handel und angrenzende Branchen wichtig ist: Akzeptanz entsteht dort, wo Nutzen unmittelbar und unaufdringlich wirkt, während personenbezogene Funktionen eher als Eingriff empfunden werden.

Nutzen trifft Datenschutzbedenken

Gleichzeitig bleibt das Thema Privatsphäre ein zentraler Bremsfaktor. 60 Prozent der Befragten sagen, sie fänden den Gedanken beunruhigend, dass smarte Brillen unbemerkt filmen oder fotografieren könnten. Bitkom verweist darauf, dass Hersteller bei aktuellen Modellen häufig sichtbare Statusanzeigen einsetzen, etwa LEDs, die eine Aufnahme signalisieren. Solche Signale sind ein Versuch, Transparenz herzustellen, sie lösen aber nicht alle Fragen rund um Akzeptanz in öffentlichen Räumen. Für die Marktentwicklung dürfte entscheidend sein, ob technische Schutzmechanismen, klare Regeln und nachvollziehbare Kommunikation zusammenkommen.

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