Verbände fordern schärfere Regeln für E-Commerce-Plattformen

Eine Koalition aus 88 europäischen Industrie-, Verbraucher- und Umweltorganisationen fordert von der EU-Kommission strengere Regeln für Produkte, die über E-Commerce-Plattformen verkauft werden. Der gemeinsame Brief richtet sich an Kommissionsvizepräsident Stéphane Séjourné. Er soll die anstehende europäische Produktgesetzgebung nutzen, um Lücken bei der Plattformverantwortung zu schließen.

Die Organisationen verweisen auf die hohe Zahl kleinteiliger Importe in die EU. Allein 2025 seien geschätzt 5,9 Milliarden niedrigwertige Sendungen aus Drittstaaten in die Union gelangt. Viele dieser Produkte verstießen nach Ansicht der Unterzeichner gegen EU-Vorgaben zu Produktsicherheit, Ökodesign, Energiekennzeichnung, geistigem Eigentum oder erweiterter Herstellerverantwortung.

Der Kern der Forderung ist ein klarer verantwortlicher Wirtschaftsakteur in der EU oder im Europäischen Wirtschaftsraum. Jedes Produkt, das auf dem EU-Markt angeboten wird, soll eine eindeutig benannte Stelle haben, die rechtlich für Konformität verantwortlich ist. Gibt es eine solche Stelle nicht, sollen Online-Plattformen selbst als verantwortlicher Wirtschaftsakteur gelten.

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Damit würde sich die Verantwortung großer Marktplätze deutlich verschieben. Plattformen könnten sich nicht allein darauf berufen, nur Vermittler zwischen Verkäufern und Kunden zu sein. Sie müssten stärker sicherstellen, dass Produkte die europäischen Vorgaben erfüllen, wenn kein anderer verantwortlicher Akteur greifbar ist.

Die Forderung zielt vor allem auf grenzüberschreitende Plattformmodelle mit Direktimporten. Für europäische Händler ist das Thema wettbewerbsrelevant. Wer innerhalb der EU verkauft, muss Produktsicherheit, Kennzeichnung und Rücknahmevorgaben einhalten. Wenn Plattformanbieter aus Drittstaaten diese Pflichten umgehen können, entsteht ein struktureller Nachteil.

Der Brief reiht sich in eine breitere EU-Debatte über Plattformökonomie, Produktsicherheit und Zollkontrolle ein. Die anstehende Produktgesetzgebung könnte entscheiden, wie stark Marktplätze künftig in die Pflicht genommen werden.

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