Marketingverantwortliche stehen weltweit unter wachsendem Druck. Trotz steigender Anforderungen fehlt es vielen CMOs an Budget, technologischem Zugriff und strategischer Kontrolle, um KI-gestützte Prozesse effektiv umzusetzen, so der aktuelle Capgemini Research Institute-Report.

Nur wenige Marketingabteilungen sehen sich derzeit in der Lage, hochwirksame Arbeit zu leisten. Laut Capgemini stimmen nur 15 Prozent der Marketingverantwortlichen der Aussage zu, dass ihr aktuelles Setup genügend Freiraum für wertschöpfende Aufgaben bietet. Gleichzeitig setzen rund 70 Prozent der Unternehmen bereits generative KI im Marketing ein, doch nur sieben Prozent erkennen spürbare Verbesserungen der Marketingeffektivität.
Der Bericht erläutert, dass zentrale Aufgabenfelder der CMOs weiter wachsen, während ihre Gestaltungsmöglichkeiten abnehmen. Marketingbudgets liegen im Durchschnitt nur noch bei fünf Prozent des Unternehmensumsatzes und haben sich damit innerhalb von zwei Jahren spürbar verengt. Parallel ist der Anteil der CMOs, die bei wichtigen Unternehmensentscheidungen eingebunden werden, von 70 auf 55 Prozent gefallen. Diese Entwicklung erschwert es, strategische Impulse zu setzen und KI-gestützte Projekte zielgerichtet auszurichten.
Die operative Belastung bleibt trotz Automatisierungsversprechen hoch: Nur 15 Prozent der Marketingverantwortlichen geben an, dass wiederkehrende Aufgaben weitgehend automatisiert sind. Die Mehrheit arbeitet weiterhin mit manuellen Prozessen. GenAI wird zwar breit eingesetzt – insbesondere für Content, Segmentierung und Kampagnenabläufe –, erzielt aber ohne abgestimmte Datenstrategien oft keinen messbaren Effekt. So stimmen nur 18 Prozent der Marketers der Aussage zu, dass sie Kundenerlebnisse mithilfe von KI erfolgreich personalisieren.
Fragmentierung als Problem
Ein strukturelles Problem liegt in der budgetären und technischen Fragmentierung. Weniger als 40 Prozent der CMOs kontrollieren ihre martech-Budgets eigenständig. 55 Prozent der KI-Initiativen werden laut Capgemini durch die IT finanziert, wodurch Marketingteams nur begrenzten Zugriff auf Systeme und Daten erhalten. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit einer engeren CIO-CMO-Kooperation, damit Technologie und Kundenstrategie zusammengeführt werden.
Gleichzeitig bleibt der Einsatz fortgeschrittener KI-Modelle wie agentischer Systeme hinter den Erwartungen zurück. Zwar sind rund 70 Prozent der Führungskräfte überzeugt, dass autonome oder multi-agentische KI im Marketing einsetzbar wäre, doch nur wenige Unternehmen testen entsprechende Lösungen. Gründe sind fehlende Kompetenzen, Datenschutzfragen, Sicherheitsrisiken und ein geringes Vertrauen in autonome Entscheidungen. Sieben von zehn Marketingverantwortlichen sehen zudem dringenden Weiterbildungsbedarf in den Bereichen KI, Ethik und strategische Analyse.
Capgemini betont in dem Bericht die Notwendigkeit, operative Modelle grundlegend zu überarbeiten. Marketing müsse entlang der gesamten Wertschöpfungskette neu ausgerichtet werden, mit klaren Verantwortlichkeiten, geteilten KPIs in Vertrieb und Marketing sowie einer stärkeren Verzahnung von Daten- und Technologieteams. Ziel sei ein Marketing, das menschzentrierte Ansätze mit KI-gestützten Prozessen kombiniert, um sowohl Effizienz als auch Kundenerlebnis messbar zu verbessern.













