JD.com vor Übernahme von MediaMarkt und Saturn?

Der chinesische Konzern JD.com will offenbar in großem Stil in den europäischen Einzelhandel einsteigen. Die Ceconomy AG bestätigt entsprechende Gespräche über eine mögliche Übernahme.

(Bild: Ceconomy)

Die Muttergesellschaft von MediaMarkt und Saturn, Ceconomy, steht in konkreten Verhandlungen mit dem chinesischen Handelskonzern JD.com. Ziel ist ein möglicher Verkauf großer Unternehmensanteile. Bereits seit 2023 kursieren entsprechende Gerüchte. Jetzt sind sie erstmals offiziell bestätigt worden. Ein Angebotspreis von rund 4,60 Euro je Aktie steht im Raum. Das würde Ceconomy mit mehr als zwei Milliarden Euro bewerten.

Auffällig ist der Zeitpunkt: Erst vor wenigen Monaten wechselte der bisherige Ceconomy-Chef Karsten Wildberger überraschend in die Politik und übernahm das Amt des Bundesdigitalministers im Kabinett von Friedrich Merz. Seine Stelle wurde seither nicht neu besetzt. Übergangsweise hat der Finanzvorstand die operative Leitung übernommen. Auch der Aufsichtsrat wurde neu aufgestellt. Beobachter werten beides als Zeichen für größere Umstrukturierungen im Hintergrund.

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Mehrheitseigner müssen zustimmen

Rund 50.000 Beschäftigte an über 1000 Standorten wären von einem Verkauf betroffen. Der Großteil der Märkte befindet sich inzwischen im europäischen Ausland. In den vergangenen Monaten wurden zudem viele Saturn-Filialen in MediaMärkte umgewandelt. Die Marke soll laut Branchenexperten dennoch erhalten bleiben.

Noch ist offen, ob es ein offizielles Übernahmeangebot an die freien Minderheitsaktionäre geben wird. Deren Anteile belaufen sich auf rund 27 Prozent und werden an der Börse gehandelt. Eine feindliche Übernahme ist ausgeschlossen, da die Mehrheit bei sechs Großaktionären liegt. Dazu zählen die Familien Kellerhals und Haniel, die Meridian Stiftung, Freenet, Beisheim und Exor. In der Vergangenheit kam es innerhalb dieser Gruppe immer wieder zu Spannungen, insbesondere während der Ceconomy-Abspaltung vom Metro-Konzern.

JD.com verfolgt ein anderes Modell als chinesische Konkurrenten wie Shein oder Temu. Der Konzern setzt auf stationären Einzelhandel, hochwertige Produkte und lokale Beratung. In China betreibt JD.com selbst zahlreiche Märkte mit starker Markenbindung. Gründer Richard Liu will diese Strategie auch in Europa umsetzen und sich bewusst vom Billig-Image anderer Anbieter abgrenzen.

Ob es zum Verkauf kommt, hängt maßgeblich vom Willen der deutschen Hauptaktionäre ab. Die Entscheidung dürfte in den kommenden Monaten fallen.

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