Schneller durch den Zoll? DHL erkennt Sendungsinhalt per KI

DHL Express integriert eine KI-gestützte Bilderkennung in den internationalen Versandprozess. Die neue Funktion erstellt aus einem Foto automatisch eine zollkonforme Beschreibung des Sendungsinhalts.

(Bild: DHL)

Für die Nutzung fotografieren Versender den Artikel mit einem Smartphone oder einem anderen verbundenen Gerät. Anschließend analysiert ein serverseitiges Computer-Vision-System das Bild und erzeugt innerhalb weniger Sekunden einen Beschreibungsvorschlag für die Zollabwicklung. Dieser kann vor dem Abschluss der Sendung geprüft, angepasst oder überschrieben werden.

Die Funktion ist bereits in Deutschland sowie in Kanada, Hongkong, den Niederlanden, Singapur, Südafrika, Spanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten verfügbar. DHL Express plant nach eigenen Angaben eine schrittweise weltweite Einführung im Laufe des Jahres 2026.

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Mit der Lösung adressiert DHL ein häufiges Problem im internationalen Versand. Unklare oder zu allgemeine Warenbeschreibungen führen regelmäßig zu Rückfragen, Verzögerungen oder Problemen bei der Zollabfertigung. Gerade kleinere Versender oder Unternehmen ohne stark automatisierte Exportprozesse tun sich oft schwer damit, passende Beschreibungen für internationale Sendungen zu formulieren.

Die KI soll diesen Schritt vereinfachen und die Datenqualität bereits bei der Erstellung der Sendung verbessern. DHL sieht darin Vorteile für die weitere Verarbeitung, etwa bei Zollprüfungen oder der digitalen Erfassung von Versanddaten. Gleichzeitig bleibt die Verantwortung für korrekte Angaben weiterhin beim Versender. Die Bilderkennung kann einen Gegenstand identifizieren, kennt aber nicht automatisch alle zollrelevanten Informationen wie Material, Warenwert oder Ursprungsland.

Für Händler mit bestehenden Warenwirtschafts- und Exportprozessen dürfte die Entlastung begrenzt sein, da dort viele Daten bereits strukturiert vorliegen. Interessanter könnte die Funktion für kleinere Händler, Einzelversender oder wechselnde Produktsortimente sein, bei denen Inhalte bislang manuell beschrieben werden müssen.

DHL bezeichnet die direkte Integration der Bilderkennung in einen live verfügbaren Buchungsprozess als Novum im internationalen Expressversand. Der Schritt zeigt, dass KI in der Logistik zunehmend an den Stellen eingesetzt wird, an denen Versanddaten entstehen. Fehler sollen damit nicht erst später erkannt, sondern bereits beim Erstellen der Sendung reduziert werden.

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