Die Europäische Union führt ab Juli 2026 eine neue Abgabe auf kleine Warensendungen ein. Ziel ist es, den stark wachsenden Import günstiger E-Commerce-Pakete besser zu regulieren und Wettbewerbsverzerrungen im Binnenmarkt zu begrenzen.

Ab dem 1. Juli 2026 sollen für alle Pakete mit einem Warenwert unter 150 Euro, die aus Drittstaaten in die EU eingeführt werden, pauschal drei Euro fällig werden. Die Regelung gilt pro Sendung und nicht pro Artikel. Werden mehrere Produkte gemeinsam in einem Paket verschickt, fällt die Abgabe einmal an; erfolgen getrennte Lieferungen, wird sie entsprechend mehrfach erhoben.
Hintergrund der Entscheidung ist der stark gestiegene Zustrom kleiner E-Commerce-Sendungen, vor allem aus China. Nach Angaben der Europäischen Kommission wurden im Jahr 2024 rund 4,6 Milliarden Warensendungen mit einem Wert unter 150 Euro in die EU importiert. Das entspricht durchschnittlich etwa zwölf Millionen Paketen pro Tag. Zum Vergleich: 2023 lag das Volumen noch bei rund 2,3 Milliarden Sendungen, 2022 bei etwa 1,4 Milliarden. Besonders Plattformen wie Temu und Shein, die auf sehr günstige Einzelbestellungen setzen, dürften von der neuen Regelung betroffen sein.
EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič begründet den Schritt mit der rasanten Entwicklung des Onlinehandels. Der bestehende Ordnungsrahmen müsse an die veränderten Marktbedingungen angepasst werden, um faire Wettbewerbsbedingungen an den EU-Grenzen sicherzustellen. Zugleich soll die Abgabe dazu beitragen, die Zollabfertigung zu vereinfachen und Behörden zu entlasten, die angesichts der hohen Paketmengen zunehmend unter Druck stehen.
Rechtlich knüpft die Maßnahme an eine bereits beschlossene Reform an. Bislang galten für Sendungen unter 150 Euro weitreichende Erleichterungen bei Zöllen, die den grenzüberschreitenden Onlinehandel begünstigten. Diese Schwelle will die EU schrittweise abschaffen. Die nun beschlossene Pauschale ist als Übergangslösung vorgesehen, bis ein dauerhaftes System für die Besteuerung und Verzollung kleiner E-Commerce-Sendungen eingeführt ist.
Für den europäischen Handel könnte der Schritt eine Entlastung gegenüber außereuropäischen Anbietern bedeuten, die bislang von niedrigen Abgaben und hohen Versandvolumina profitierten. Gleichzeitig dürfte die Regelung bestehende Logistikmodelle verändern, etwa durch stärkere Bündelung von Sendungen oder den Ausbau europäischer Lagerstrukturen. Welche Auswirkungen dies auf Preise, Lieferzeiten und das Bestellverhalten hat, dürfte sich erst nach Inkrafttreten zeigen.















