Rewe startet in Bochum ein Pilotprojekt, bei dem ein hochautomatisiert fahrendes Lieferfahrzeug des Schweizer Anbieters LOXO in den täglichen Betrieb eingebunden wird. Der Testlauf soll zeigen, wie sich autonome Technologien in bestehende Lieferprozesse integrieren lassen und welche Kapazitäten sich damit künftig realisieren lassen.

Der Lebensmittelhändler setzt dabei als erster Anbieter im deutschen Markt ein Fahrzeug ein, das nach Level 4 des autonomen Fahrens operiert. Zum Einsatz kommt ein umgerüsteter VW ID. Buzz, der Lieferstrecken selbstständig bewältigt und lediglich von einer Sicherheitsperson im Cockpit begleitet wird. Die Tourenplanung erfolgt wie gewohnt über die Systeme des Rewe-Lieferservice, sodass Kundinnen und Kunden keine Änderungen im Bestellprozess bemerken. Die Auslieferung an der Haustür übernimmt weiterhin der Sicherheitsfahrer.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich ein technisch autonomer Lieferservice mit hoher Auslastung realisieren lässt. Rewe und LOXO wollen prüfen, welche Kennzahlen im realen Stadtverkehr erreichbar sind – etwa wie zuverlässig das Fahrzeug auf festgelegten Abschnitten selbstständig fährt, wie viele Unterbrechungen durch manuelle Eingriffe entstehen und welche Effizienzgewinne sich durch automatisierte Touren erzielen lassen. Neben technischen Parametern spielt die wirtschaftliche Betrachtung eine zentrale Rolle, da autonome Systeme nur bei belastbaren Kostenstrukturen eine Option für den Regelbetrieb darstellen.
LOXO liefert die für den Pilotbetrieb notwendige Software, die Sensorik und Datenverarbeitung des Fahrzeugs steuert. Die sogenannte „Digital Driver“-Plattform soll Fahrentscheidungen im urbanen Umfeld möglichst präzise treffen und dabei wechselnde Verkehrssituationen berücksichtigen. Obwohl Level-4-Systeme grundsätzlich ohne Personal an Bord fahren könnten, bleibt die Sicherheitsperson in Bochum verpflichtend – ein üblicher Schritt in frühen Erprobungsphasen.
Testumfeld und Einbindung in die Lieferkette
Der Startpunkt der Touren liegt im 2022 eröffneten Fulfillment Center des Rewe-Lieferservice im Westen Bochums. Von dort aus steuert das Fahrzeug umliegende Wohngebiete an, die aufgrund der Entfernungen und Verkehrsführung als geeignete Testumgebung gelten. Die Stadt Bochum unterstützt das Projekt im Rahmen ihrer Aktivitäten zur Mobilitätsforschung und versteht den Einsatz als Beitrag zur Weiterentwicklung urbaner Logistikstrukturen.
Für den Handel ist das Pilotprojekt aus mehreren Gründen relevant: Zum einen steigt der Bedarf an effizienten Lieferlösungen, insbesondere im eng getakteten E-Food-Geschäft. Zum anderen gelten autonome Systeme als langfristige Option, um Kapazitäten besser zu planen und Personal in arbeitsteiligen Prozessen gezielter einzusetzen. Ob sich der Einsatz wirtschaftlich tragen kann, hängt jedoch maßgeblich von stabilen Betriebsparametern, regulatorischen Vorgaben und der Fähigkeit ab, Auslieferungen zuverlässig ohne zusätzliche Ressourcen durchzuführen.
Der Pilot in Bochum soll Aufschluss darüber geben, ob hochautomatisierte Fahrzeuge künftig ein Bestandteil der Lieferlogistik sein können oder ob technische Grenzen, Kostenstrukturen und gesetzliche Rahmenbedingungen den Einsatz vorerst auf Testfelder beschränken.















