KI in Unternehmen: Zwischen Aufbruch und Zweifel

In der deutschen Wirtschaft wächst das Interesse an Künstlicher Intelligenz spürbar. Laut einer aktuellen Befragung des Digitalverbands Bitkom nutzen inzwischen 36 Prozent der Unternehmen entsprechende Technologien – fast doppelt so viele wie noch im Vorjahr. Weitere 47 Prozent planen den Einsatz oder diskutieren ihn. Nur noch 17 Prozent schließen KI aktuell aus.

Zum Einsatz kommt KI vor allem im Kundenkontakt (88 Prozent) und in der Kommunikation (57 Prozent). In IT, Vertrieb oder Management bleibt sie dagegen weitgehend außen vor. Häufig beschränkt sich die Nutzung auf einzelne Anwendungen. Nur zwei Prozent der Unternehmen setzen fünf oder mehr KI-Lösungen ein. Schulungsangebote für die Belegschaft sind noch selten, und gezielte Fachkräftegewinnung steht bei vielen nicht auf der Agenda.

Trotz zahlreicher Einstiegshürden überwiegt in Deutschland der Optimismus: 83 Prozent der Unternehmen sehen in KI eine Chance, 81 Prozent halten sie für die wichtigste Zukunftstechnologie. Zugleich beklagen viele rechtliche Unsicherheiten, fehlendes Know-how und technische Defizite. Auch der Datenschutz und die teils schwer nachvollziehbaren Ergebnisse gelten als Hemmnisse.

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In den USA zeigt sich ein differenzierteres Bild. Eine Auswertung der Apollo Technical Academy in Verbindung mit dem US Census Bureau deutet darauf hin, dass die KI-Nutzung unter Großunternehmen nach anfänglichem Wachstum zuletzt leicht zurückgegangen ist. Eine mögliche Erklärung liefert eine aktuelle Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT): Laut dem Report The GenAI Divide sehen 95 Prozent der US-Unternehmen bislang keinen finanziell messbaren Nutzen durch ihre generativen KI-Investitionen. Nur fünf Prozent der Pilotprojekte führten zu einem produktiven Einsatz mit erkennbarem Geschäftseffekt. Der Mangel an konkretem Mehrwert, fehlende Integration in alltägliche Prozesse und ein zu stark experimenteller Umgang mit der Technologie gelten als Hauptgründe.

Auch in Europa sorgen regulatorische Vorgaben für Zurückhaltung. 56 Prozent der deutschen Unternehmen sehen im europäischen AI Act mehr Nachteile als Vorteile. Besonders bei Anwendungen, die als Hochrisiko-KI eingestuft werden, befürchten viele zusätzlichen Aufwand. Bitkom fordert deshalb mehr Klarheit in der Umsetzung sowie längere Übergangsfristen.

Trotz aller Herausforderungen wollen 29 Prozent der Unternehmen ihre Investitionen in KI erhöhen. Ob daraus langfristig ein strategischer Vorteil entsteht, hängt jedoch entscheidend davon ab, ob die Technik über punktuelle Anwendungen hinaus produktiv eingebunden wird.

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