Bitkom: Dark Patterns mit wenig Einfluss

Der Digitalverband Bitkom sieht manipulative Designelemente im Online-Handel (sogenannte Dark Pattern) weiterhin als verbreitetes Phänomen. Eine aktuelle Umfrage zeigt jedoch, dass viele Kunden solche Kaufanreize zwar wahrnehmen, sich davon aber oft nicht beeinflussen lassen.

Nahezu alle Online-Shopper haben laut Bitkom bereits mindestens ein typisches Dark-Pattern-Element wahrgenommen. Grundlage ist eine repräsentative Befragung von 1.263 Personen ab 16 Jahren in Deutschland, darunter 1.045 Online-Käufer. Besonders häufig werden Hinweise auf begrenzte Lagerbestände registriert. 84 Prozent nehmen solche Hinweise wahr, davon 60 Prozent regelmäßig oder häufig.

Hinweise auf aktuelle Nachfrage, etwa die Anzeige anderer Nutzer im Warenkorb oder auf Produktseiten, sehen 83 Prozent der Online-Shopper. Ebenfalls 83 Prozent begegnen Countdown-Timern. Spielerische Elemente wie Glücksräder oder vergleichbare Mechaniken werden ebenfalls von 83 Prozent registriert.

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Trotz dieser hohen Sichtbarkeit bleibt die tatsächliche Wirkung begrenzt. Bei Nachfragehinweisen geben 64 Prozent an, dass sie ihr Kaufverhalten nicht verändern. Nur 6 Prozent kaufen schneller oder sofort, während 12 Prozent den Kauf abbrechen. Bei Lagerbestandsanzeigen entscheiden 53 Prozent wie gewohnt. 16 Prozent beschleunigen den Kauf, 14 Prozent beenden ihn. Countdown-Timer führen bei 19 Prozent zu Kaufabbrüchen, spielerische Elemente sogar bei 21 Prozent.

Ein Teil der Kunden prüft Anbieter aktiv vor dem Kauf. 42 Prozent sehen sich bei unbekannten Shops vorab Impressum oder Anbieterinformationen an. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Medienkompetenz die Wirkung manipulativer Gestaltung begrenzt.

Unabhängig davon bleibt das Sicherheitsgefühl beim Online-Einkauf hoch. 90 Prozent fühlen sich beim Einkauf im Internet regelmäßig oder häufig sicher. Im stationären Handel liegt dieser Wert bei 79 Prozent. Auch bei Komfort und Einkaufserlebnis schneidet Online-Shopping besser ab. 91 Prozent haben nach eigener Aussage grundsätzlich Spaß am Online-Einkauf, 88 Prozent empfinden ihn als bequem. Beim Einkauf vor Ort liegen diese Werte deutlich niedriger. Auch die Vergleichbarkeit von Angeboten wird im Online-Handel deutlich positiver bewertet. 85 Prozent geben an, Angebote online gut vergleichen zu können. Im stationären Handel sagen das nur 47 Prozent.

Aus regulatorischer Sicht existieren bereits umfangreiche Vorgaben gegen missbräuchliche digitale Gestaltung. Laut Bitkom fehlt es weniger an Regeln als an deren konsequenter Durchsetzung. Für Händler gewinnt damit die rechtssichere Gestaltung von Shop-Oberflächen weiter an Bedeutung. Gleichzeitig bleibt Vertrauen ein zentraler Wettbewerbsfaktor, da Kunden manipulative Gestaltung zunehmend erkennen.

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