Der chinesische E-Commerce-Konzern JD.com hat seine Beteiligung an der Ceconomy AG deutlich ausgeweitet und hält inzwischen mehr als 70 Prozent der Stimmrechte. Für den endgültigen Erwerb der Unternehmensmehrheit stehen jedoch noch zentrale regulatorische Prüfungen aus.

Ceconomy meldete nach dem Ende der ersten Annahmefrist einen Anteil von 70,9 Prozent, der formell und indirekt JD.com zugerechnet wird. Neben regulär angedienten Aktien umfasst diese Quote auch den 25,4-prozentigen Anteil der Beteiligungsgesellschaft Convergenta der Gründerfamilie Kellerhals, die sich vertraglich verpflichtet hat, künftig im Gleichschritt mit JD.com abzustimmen. Eine zweite Annahmefrist läuft bis Ende November und könnte den Anteil weiter erhöhen. Der Aktienkurs von Ceconomy reagierte zuletzt verhalten und lag leicht im Minus.
Die Übernahme ist jedoch noch nicht final. Das Bundeskartellamt hat den Zusammenschluss bereits freigegeben, entscheidend sind nun die Prüfungen des Bundeswirtschaftsministeriums sowie weiterer EU-Mitgliedstaaten im Rahmen der Regeln für ausländische Direktinvestitionen. Parallel untersucht die EU-Kommission, ob JD.com staatliche Subventionen erhält, die europäischen Wettbewerb verzerren könnten. Diese Prüfung erfolgt im Rahmen des 2023 eingeführten Instruments gegen ausländische Subventionen (Foreign Subsidies Regulation), das große Transaktionen mit möglicher Wettbewerbswirkung im Binnenmarkt genauer untersucht. Die gesamte Übernahme könnte nach derzeitigen Einschätzungen bis Mitte 2026 abgeschlossen werden.
Ceconomy, Mutter der MediaMarktSaturn Retail Group, erzielte im Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatz von 23,1 Milliarden Euro. Bereinigt um Wechselkurse und Portfolioeffekte entspricht dies einem Plus von 5,7 Prozent. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg nach vorläufigen Angaben um rund ein Viertel auf 380 Millionen Euro. Im vierten Quartal lag das Umsatzwachstum bei 7 Prozent, was auf eine leichte Erholung des Geschäfts hindeutet. Die Wurzeln des Konzerns reichen bis 1961 zurück, als die erste Saturn-Filiale in Köln eröffnete, gefolgt vom ersten Mediamarkt 1979. Ceconomy entstand 2017 durch die Abspaltung von Metro und führt heute Europas größte Elektronikfachhandelskette.
JD.com ist dagegen deutlich größer und erzielte 2024 einen Umsatz von rund 159 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen betreibt eines der größten Logistiknetzwerke im chinesischen Onlinehandel und ist seit mehr als einem Jahrzehnt an der Nasdaq notiert. Zu den wichtigsten Wettbewerbern auf dem Heimatmarkt zählen Alibaba und Pinduoduo. In Europa ist JD.com bislang nur in begrenztem Umfang aktiv, unter anderem mit kleineren Onlineshops und Logistikdienstleistungen.















