UK: Amazon baut klimaneutrales Logistikzentrum

Amazon investiert 40 Millionen Pfund in ein neues Logistikzentrum im britischen Stockton-on-Tees. Die Anlage soll erstmals nach einem neuen Zero-Carbon-Standard zertifiziert werden und dient als Modell für künftige Standorte in Europa.

(Bild: Amazon)

Der Bau markiert einen strategischen Schritt, da der Konzern neue Bauweisen, Materialien und digitale Technologien kombiniert, um Emissionen bereits während der Errichtung und im Betrieb messbar zu senken. Die Anlage soll im Herbst 2026 eröffnen und rund 100 Arbeitsplätze schaffen.

Das rund 10.800 Quadratmeter große Zustellzentrum wird Pakete für Kunden in Nordengland sortieren und an regionale Zusteller übergeben. Entscheidender Unterschied zu bisherigen Gebäuden ist die konsequente Ausrichtung auf eine nahezu klimaneutrale Bau- und Betriebsweise. Amazon ersetzt klassische Baustoffe durch Holzträger, recycelten Stahl und Beton mit reduziertem CO₂-Fußabdruck. Zudem kommen Baustoffe zum Einsatz, die gebundenes CO₂ enthalten und damit aktiv zur Emissionsreduktion beitragen.

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Digitale Systeme spielen dabei eine zentrale Rolle. Eine Software analysiert mithilfe von KI den CO₂-Ausstoß einzelner Komponenten wie Leitungen oder Sanitäranlagen und ermöglicht gezielte Optimierungen. Gleichzeitig dokumentiert eine bildbasierte Materialerfassung alle gelieferten und entsorgten Materialien in Echtzeit. Dadurch entsteht eine deutlich genauere Datenbasis als bei bisherigen Bauprojekten, die meist erst nach Abschluss ausgewertet werden. Nach Angaben des Unternehmens sollen die CO₂-Emissionen beim Bau dadurch um mindestens 20 Prozent unter den bisherigen eigenen Standards liegen und auch branchenübliche Werte unterschreiten.

Im Betrieb ist das Gebäude ebenfalls vollständig auf Energieeffizienz ausgelegt. Mehr als 1.400 Quadratmeter Solarmodule auf dem Dach liefern Strom für den Tagesbetrieb. Heizung und Kühlung erfolgen rein elektrisch, während wassersparende Systeme den Verbrauch um etwa 20 Prozent reduzieren sollen. Voraussetzung für die angestrebte Zertifizierung ist eine vollständige Betriebsanalyse über ein Jahr hinweg. Erst danach kann eine unabhängige Organisation die Einhaltung der Anforderungen bestätigen. Die Zertifizierung ist frühestens 2027 möglich.

Der neue Standort ist Teil eines größeren Investitionsprogramms. Amazon plant zwischen 2025 und 2027 Investitionen von insgesamt 40 Milliarden Pfund in Großbritannien, unter anderem in Logistik, Cloud-Infrastruktur und KI-Technologien. Nachhaltigere Gebäude spielen dabei eine zentrale Rolle, da Logistikzentren zu den energieintensivsten Bestandteilen der Lieferkette gehören. In den USA betreibt Amazon bereits erste Logistikstandorte mit vergleichbarer Zero-Carbon-Zertifizierung, etwa in Kalifornien.