Die European Payments Initiative (EPI), Betreiber des Bezahldienstes Wero, plant gemeinsam mit mehreren nationalen Zahlungssystemen eine europaweite Vernetzung digitaler Zahlungen. Ziel ist es, bis 2027 grenzüberschreitende Zahlungen zwischen bestehenden europäischen Wallet-Systemen im Alltag nutzbar zu machen.

Die Kooperation umfasst neben Wero auch etablierte Systeme aus Südeuropa und Skandinavien. Dazu zählen Bancomat aus Italien, Bizum aus Spanien, SIBS aus Portugal sowie Vipps MobilePay aus den nordischen Ländern. Die Anbieter wollen ihre Systeme technisch miteinander verbinden, sodass Nutzer künftig in anderen europäischen Ländern mit ihrer gewohnten Wallet bezahlen können. Der Ausbau soll stufenweise erfolgen. Ab 2026 sind grenzüberschreitende Handy-zu-Handy-Zahlungen geplant. Ab 2027 soll die Nutzung im Onlinehandel und an Ladenkassen folgen.
Hinter dem Projekt steht ein strategisches Ziel. Große Teile digitaler Zahlungen in Europa laufen aktuell über US-Systeme. Bei Kartenzahlungen entfallen in der Eurozone rund zwei Drittel der Transaktionen auf internationale Anbieter. Gleichzeitig dominiert PayPal in vielen europäischen Online-Märkten weiterhin den Checkout bei Wallet-Zahlungen. Europäische Banken sehen darin ein strukturelles Abhängigkeitsrisiko. Neben wirtschaftlichen Faktoren spielt auch geopolitische Stabilität eine Rolle.
Für den Handel bleibt die Bedeutung kurzfristig begrenzt, da Wero aktuell nur bei wenigen Händlern integriert ist und große Plattformen noch fehlen. Mittelfristig könnte sich die Situation jedoch deutlich verändern, falls nationale Wallets technisch zusammenwachsen. Dann würde erstmals ein zusammenhängender europäischer Wallet-Raum entstehen, ohne dass Kunden neue Apps installieren müssen.
Langfristig könnte sich vor allem die Verhandlungsposition europäischer Marktteilnehmer verändern. Wenn mehrere große EU-Wallets interoperabel werden, entsteht erstmals eine ernsthafte Alternative zu internationalen Zahlungsnetzwerken. Gleichzeitig steigt die Wahrscheinlichkeit, dass europäische Payment-Optionen regulatorisch stärker gefördert werden.
Realistisch betrachtet wird Wero bestehende Systeme nicht kurzfristig ersetzen. Wahrscheinlicher ist ein zusätzlicher Payment-Standard, der sich schrittweise etabliert. Für Händler bedeutet das vor allem steigende Komplexität im Checkout, aber auch neue Möglichkeiten bei Gebührenstruktur, Kundenzugang und regionaler Markterschließung. Entscheidend wird sein, wie schnell Banken, Zahlungsdienstleister und große Handelsplattformen die Systeme technisch integrieren.















