Dank Süd und Ost: Europas E-Commerce wächst schneller

Europa entwickelt sich laut aktuellen Daten von ECDB derzeit dynamischer im Onlinehandel als Nord- und Südamerika. Trotz Inflation, steigender Lebenshaltungskosten und geopolitischer Unsicherheiten bleibt der Kontinent im internationalen Vergleich widerstandsfähig.

Europa verzeichnet im Zeitraum 2025 bis 2026 ein E-Commerce-Wachstum von 8,5 Prozent und liegt damit vor Nord- und Südamerika, die zusammen auf 7,7 Prozent kommen. Diese Entwicklung gilt als bemerkenswert, da globale Märkte weiterhin unter Inflation, steigenden Kosten und unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stehen. Entscheidend für die vergleichsweise stabile Entwicklung in Europa sind strukturelle Faktoren wie eine insgesamt stabilere Finanzlage, eine wirksamere Kontrolle der Inflation in wichtigen Volkswirtschaften und eine robuste Beschäftigungssituation. Diese Bedingungen stützen die Kaufkraft und stabilisieren die Nachfrage im Onlinehandel.

Im internationalen Vergleich zeigt sich ein differenziertes Bild. Die USA wachsen mit 7,4 Prozent weiterhin solide, doch steigende Lebenshaltungskosten, hohe Verschuldung privater Haushalte und eine schwächere Dynamik am Arbeitsmarkt bremsen. Gleichzeitig entwickeln sich einzelne lateinamerikanische Märkte dynamischer. Mexiko erreicht beispielsweise ein prognostiziertes Wachstum von 11,3 Prozent, getragen von zunehmender Digitalisierung, besserer Zahlungsinfrastruktur und wachsender Online-Affinität.

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Innerhalb Europas verschiebt sich der Schwerpunkt zunehmend in Richtung östlicher und südlicher Märkte. Länder wie Bulgarien mit 14,2 Prozent, Griechenland mit 11,4 Prozent und Spanien mit 10,6 Prozent zeigen überdurchschnittliche Wachstumsraten. Diese Märkte profitieren von strukturellen Veränderungen, darunter eine starke Nutzung mobiler Endgeräte, alternative Zahlungsmodelle sowie die zunehmende Bedeutung sozialer Plattformen als Vertriebskanal. Gleichzeitig verliert die traditionell starke DACH-Region an Dynamik. Deutschland, Österreich und die Schweiz gehören zwar weiterhin zu den größten E-Commerce-Märkten Europas, wachsen jedoch langsamer als andere Märkte.

Diese Entwicklung bestätigt eine langfristige Verschiebung innerhalb Europas. Während etablierte Märkte eine hohe Marktdurchdringung erreicht haben und stärker unter konjunkturellen Schwankungen leiden, verfügen viele osteuropäische und südeuropäische Länder noch über erhebliches Aufholpotenzial. Investitionen in digitale Infrastruktur, moderne Zahlungssysteme und mobile Anwendungen beschleunigen dort die Verlagerung vom stationären Handel in den Onlinebereich.

Parallel dazu bleibt Europa auch strategisch relevant für globale Handelsplattformen und Händler. Der fragmentierte, aber große Binnenmarkt bietet weiterhin Wachstumsmöglichkeiten, insbesondere durch grenzüberschreitenden Handel. Verbesserte Logistik, EU-weite Regulierung und ein einheitlicher digitaler Binnenmarkt erleichtern die Expansion über nationale Grenzen hinweg.

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