Studien: Käufer bleiben Geschäften weiter fern

Die Sorge um die deutschen Innenstädte ist zumindest in den Metropolen berechtigt, wie eine neue PwC-Studie zeigt. Denn die Hälfte der europäischen und 30 Prozent der deutschen Großstädter kaufen heute weniger im stationären Einzelhandel ein als noch vor Beginn der Corona-Krise. Eine Untersuchung von Mood Media bestätigt den Trend für weitere Länder.

Vermutlich durch den hierzulande bisher vergleichsweise glimpflichen Verlauf der Pandemie sind die Deutschen bei Ladengängen weit entspannter als die stark betroffenen Italiener. Von diesen sind laut der PricewaterhouseCoopers-Studie „Lockdown, Shake Up: The New Normal for Shopping in Europe“ nun 62 Prozent weniger oft in Geschäften zu finden. Dies schlug auch auf den Online-Lebensmittelhandel durch: 22 Prozent der befragten Deutschen kauften während der Krise Nahrungsmittel im Netz, bei den Franzosen, Spaniern und Italienern war es rund jeder Dritte.

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Die Hälfte der Deutschen, die diesen Vertriebsweg für sich entdeckt haben, nutzt ihn nun vermehrt. Dr. Christian Wulff, Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei PwC Deutschland, sieht den Online-Lebensmittelhandel deswegen und auch aufgrund des vermehrten Home Office in Deutschland angekommen. Zudem hätten sich Befürchtungen zerstreut, dass online bestellte Lebensmittel qualitativ minderwertig sind.

Technologie als Vorteil

Um zögerliche Kunden trotz der Internetkonkurrenz wieder in die Geschäfte zurückzuholen, sollten die stationären Filialen seiner Ansicht nach vermehrt in Technologie investieren. „Durch die Angst vor einer Ansteckung ist die Nachfrage nach einem kontaktlosen Einkaufserlebnis stark gestiegen. Selbst unter deutschen Verbrauchern, die mobile Angebote im europäischen Vergleich eher zögerlich annehmen, erfreut sich das kontaktlose Bezahlen seit Beginn der Pandemie großer Beliebtheit. Für Händler sind automatisierte Checkouts und ein berührungsloser Bezahlvorgang längst kein Nice-to-have mehr, sondern ein Muss“, resümiert Wulff.

Gesundheitsbewusst und sparsam

Rund zwei Drittel der Stadtbewohner möchten sich nun vermehrt auf Gesundheit, Fitness und Ernährung konzentrieren, worauf sich Händler natürlich nicht nur mit ihrem Sortiment, sondern zusätzlich bei Marketingaktionen einstellen sollten. Gleichzeitig wird bewusster konsumiert, da es in vielen Haushalten zu finanziellen Einbußen kam. In Deutschland verdienten rund ein Drittel der Befragten weniger Geld, rund ein Viertel spart deshalb Ausgaben ein.

Mood Media hat sich derweil die Stimmung der Verbraucher in Großbritannien, den USA, China und Frankreich einmal näher angeschaut. Insgesamt 31 Prozent geben demnach nun weniger Geld in stationären Geschäften aus und schauen seltener dort vorbei. Weitere 21 Prozent schränken sich bei ihren Offline-Käufen zwar nicht finanziell ein, verkürzen aber ihre Verweildauer. Nur drei Prozent investieren mehr Geld und Zeit als vor dem großflächigen Ausbruch von Covid-19.

Potentieller Infektionsherd

Als Gründe für den Verzicht gab ein Fünftel ökonomische Einschränkungen an, wobei die Gruppe der Millennials am härtesten betroffen war. Je 38 Prozent erklärten, dass sie ihre Einkäufe online erledigen und/oder zu nervös seien, um ein nicht-essentielles Geschäft zu betreten. Dabei erkennen viele durchaus die Vorteile stationärer Läden wie die direkte Testmöglichkeit für ein Produkt und die sofortige Mitnahme der Waren. Allerdings fürchtet fast die Hälfte, in einem Laden mit dem Coronavirus infiziert zu werden – auch wenn sich 80 Prozent durch Masken und andere Sicherheitsmaßnahmen dort eigentlich gut aufgehoben fühlen.

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