31.01.2017 - 10:50

Studie: Die Läden sterben langsamer als erwartet

Die Verdrängung der stationären Läden durch den Online-Handel findet laut einer Studie des Instituts für Handelsforschung (IFH) Köln langsamer statt als erwartet. Trotzdem sollten die Läden nicht auf eine Trendwende hoffen.
Unter den Großstädten hat Leipzig die beste Bewertung in der Umfrage des IFH erhalten. Im Bild: der Blumenmarkt in Leipzig.

Der Gedankengang an sich ist einfach und lange bekannt: je mehr Leute online einkaufen, desto weniger Menschen gehen in die Geschäfte. Die Folge: die Geschäfte müssen schließen, wenn die Kundschaft ausbleibt. Im Jahr 2014 hat deswegen das Institut für Handelsforschung (IFH) Köln bekannt gegeben, dass bis 2020 etwa 45.000 stationäre Händler ihre Läden aufgeben werden, gut jedes zehnte Geschäft in Deutschland.

Nun korrigiert das IFH diese Prognose. Da der Einzelhandel in den letzten Jahren eine gute Nachfrageentwicklung verzeichnen konnte, werde sich dieser Prozess etwas verlangsamen. Am Grundproblem ändere dies jedoch nichts. In einer Umfrage des IFH unter fast 58.000 Innenstadtbesuchern gaben knapp 20 Prozent an, seltener in die Innenstädte zu fahren als früher. Sie erledigen immer mehr Einkäufe online. Die Umfrage ist Teil der zum zweiten Mal durchgeführten bundesweiten Studie „Vitale Innenstädte“ und wurde im Herbst 2016 durchgeführt.

Gegenmaßnahmen der Händler

Die stationären Händler versuchen hier natürlich gegenzusteuern. Mit diversen Methoden – von Push-Nachrichten direkt auf das Smartphone über Pop-up Stores bis hin zu Virtual Reality Erlebnissen - wollen sie die Kunden weiter in die Läden locken. Selbst die Personalisierung der Produkte, wie sie Adidas derzeit in Berlin anbietet, wird immer verbreiteter. Ziel dieser Maßnahmen ist die Verbindung der stationären Flächen mit der dem Verbraucher bekannten und lieb gewonnen online Welt. Wie erfolgreich diese Methoden tatsächlich sind und welche neuen Ansätze es gibt zeigt auch die Opens external link in new windowLOCA Conference, die am 15. und 16. Februar in München stattfindet. Dort treffen sich Marketer mit Händlern und Logistik-Experten, um branchenübergreifend über die Verbindung von offline und online zu diskutieren.

Unzufriedenen Verbraucher

Das Problem dabei: die Maßnahmen der Händler alleine könnten zu wenig sein. Wie das IFH erklärt, scheitern die Innenstädte daran, ihre Attraktivität zu steigern. So bewerteten in einer Umfrage in über 120 Städten die Verbraucher die Stadtzentren nur mit der Schulnote drei plus. Diese Bewertung hatten sie sich allerdings schon geholt. Eine Verbesserung hat somit in den Augen der Verbraucher kaum stattgefunden. Lediglich Städte mit mehr als 500.000 Einwohnern konnten ihre Bewertung im leicht verbessern.

„Mit einer drei plus als Schulnote können Städte, die sich für die Zukunft aufstellen möchten, nicht zufrieden sein. An jedem Standort stellt sich die Frage nach Lösungen, um drohenden Bedeutungsverlust zu vermeiden. Dies ist unabhängig von der Stadtgröße“, so Boris Hedde, Geschäftsführer des IFH Köln. Die Untersuchung zeigt dann auch, dass digitale Lösungen kein Allheilmittel sind. So punkten bei den Verbrauchern besonders Stadtkerne mit viel Grün und historischen Häuserzeilen. Auch Vielfalt und Individualität im Angebot spielen eine große Rolle.

Online-Handel nicht das einzige Problem

Die Online-Händler sind dabei nicht einmal immer die größte Konkurrenz zu den Stadtzentren. Eine genaue Betrachtung einzelner Sortimente zeigt, dass der stärkere Wettbewerb zwischen einzelnen stationären Standorten stattfindet. So wandern Konsumenten zum Beispiel bei Bekleidung, Wohnartikeln, Schreibwaren oder bei Optikern eher in andere Städte ab, anstatt online zu gehen. Bei Telekommunikation oder Consumer Electronics hingegen ist der Onlinekanal schon heute bei jedem fünften der präferierte Einkaufsort.

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Ressort: Commerce, Studie
Maximilian Feigl

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