14.03.2017 - 10:53

Self-Checkout: Konzepte und Herausforderungen im Überblick

Den Supermarkt ohne Kasse probt nicht nur Amazon in Seattle. Viele Anbieter haben Lösungen, die diese Vision Wirklichkeit werden lassen können. Dabei bedienen sie sich unterschiedlicher Ansätze, begegnen aber demselben Problem.

Der Amazon Go Shop in Seattle sorgte im vergangenen Opens external link in new windowDezember für großes Aufsehen. Denn dort müssen die Kunden nicht an der Kasse Schlange stehen oder an Kassenautomaten alles selbst scannen sondern sie können den Laden einfach verlassen – den Rest erledigt das System von Amazon. Damit der Service funktioniert, muss der Kunde die Amazon Go App auf seinem Smartphone installiert haben und sich mit seinen Kontodaten einloggen. Dann sollen Sensoren an den Regalen registrieren, welche Produkte von welchem Kunden zu welchem Preis herausgenommen werden. Die gewählten Produkte werden in einem digitalen Warenkorb gesammelt und nach dem Verlassen des Shops wird der Einkauf vom Amazon-Konto abgebucht.

Auf der EuroShop Messe in Düsseldorf, die sich selbst als die globale Leitmesse für den stationären Handel tituliert, konnten einige Alternativen zum Konzept von Amazon Go gefunden werden. Sie lassen sich auf verschiedene Arten unterteilen.

Smartphone ja oder nein?

Eine zentrale Frage dabei ist die nach dem Smartphone des Kunden: soll sich ein Händler darauf verlassen, dass die Shopper ein Smartphone besitzen? Und wenn ja, wollen sie dieses dann auch wirklich für das Shopping nutzen? Mit einem klaren „Ja“ beantwortet unter anderem Scansation diese Frage. Das Münchner Start-up bietet eine Lösung zum mobilen Self-Scanning mit dem Smartphone. Die Kunden können mit Scansation ihre Einkäufe selbst abscannen – etwa wenn sie sie in den Einkaufswagen legen – und an der Kasse bezahlen. Hierzu wird ein Zusatzgerät an die Kasse angeschlossen, über das die Daten aus dem Smartphone in die Kasse übertragen werden. Dann kann der Kassenprozess wie gewohnt abgeschlossen werden.

Händler können mit dieser Lösung den Checkout-Vorgang an ihrer Kasse bereits etwas Beschleunigen, zudem erhalten sie über die App einen zusätzlichen Marketingkanal. An die Vision des kassenlosen Supermarktes, die Amazon Go darstellen soll, kommt sie aber noch nicht heran. Dazu fehlt (noch) die Möglichkeit zur Bezahlung über die App.

GK Software wiederum beantwortet die Frage nach dem Smartphone mit einem „vielleicht“. Zwar kann die Lösung des Unternehmens über eine App genutzt werden, zeitgleich bietet sie aber auch mobile Handscanner, die am Eingang mitgenommen werden können. An den Checkout-Terminals werden dann ebenfalls die Daten von Smartphone oder Scanner übertragen, der Kunde kann dort dann auf verschiedene Arten bezahlen. Ein Angestellter kann hier mehrere dieser Terminals betreuen, anstatt nur an einer Kasse zu sitzen.

Automatisches Bezahlen

Bei tarent steht nicht das Smartphone im Mittelpunkt, sondern der Einkaufswagen. Durch ein Display zum „SmartCart“ umgerüstet können die Shopper mit einer daran angebrachten Kamera ihre Waren scannen und in den Wagen legen. Dabei erhalten sie auch Zusatzinformationen und Sonderangebote. Auch eine Wegeleitung zu Produkten im Markt ist dabei. Über Beacons im Laden wird das SmartCart getrackt. Sobald es die Checkout-Zone erreicht, wird automatisch abgerechnet. Hierzu muss sich der Kunde an seinem Einkaufswagen anmelden. Alternativ können sich die Shopper aber auch eine App auf ihr Smartphone laden, die die Aufgaben des SmartCarts übernimmt.

Es geht auch ohne Self-Scanning

Eine Lösung, die auf das selbsttätige Einscannen durch die Kunden verzichtet stellte bereits vor der EuroShop das Unternehmen POS-Tuning aus Bad Salzuflen vor. Hier werden Warenvorschübe genutzt, die selbstständig erkennen, wenn Produkte aus dem Regal genommen werden. Dies wird dann per Beacon gemeldet und ein Algorithmus ordnet die Warenentnahme dem nächstgelegenen Smartphone zu. Passiert der Shopper dann am Ausgang platzierte Beacons wird sein Warenkorb abgerechnet und über das hinterlegte Zahlungsmittel bezahlt.

Kontrolle, Abschreckung oder Prinzip Hoffnung?

Auf der Messe wurde eines der größten Probleme für diese Lösungen durch seine schiere Präsenz in den Hallen deutlich: Ladendiebstahl. Denn die Stände von Sicherheitsanbietern waren auf der EuroShop zahlreich vertreten. Wie können Self-Scanning und Self-Checkout-Systeme aber abgesichert werden?

Scansation setzt hierzu derzeit auf die Ehrlichkeit der Kunden gepaart mit etwas Abschreckung: ein Foto des Warenkorbs soll dem Kassenpersonal zeigen, dass sich nichts darin befindet, was nicht eingescannt wurde. Bei GK Software wiederum werden Kunden zufällig ausgewählt und gebeten, ihren Einkauf ein zweites Mal zu scannen – auch mit Hilfe eines Mitarbeiters – um sicherzugehen, dass nichts „vergessen“ wird. Wird dabei ein Produkt nur beim zweiten Mal gescannt, soll ein Leuchtsignal an der Kasse dem Kunden eine Peinlichkeit bescheren, die er sich in Zukunft ersparen möchte. Tarent wiederum setzt auf einen Algorithmus, der das Vertrauen in den Kunden bestimmt. Erst wenn dieses ein bestimmter Level erreicht, ist der automatische Check-Out für ihn freigegeben. Und wie macht es Amazon in Seattle? Venturebeat vermutet, dass eine Gesichtserkennung zum Einsatz kommt, um normale Kunden von Ladendieben unterscheiden zu können.

Die Frage, die sich nun noch stellt, lautet: erleichtern Self-Scannig und -Checkout Ladendiebstahl? Schließlich kann ein Ladendieb auch in Märkten ohne diese Lösungen klauen – was ja bekanntlich auch geschieht. Schaffen die Lösungen hingegen, dieses Risiko zu senken, werden die Händler wohl aufmerksam – und die Kunden erleben wahrscheinlich einen schnellen Wandel an den Kassen.

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Ressort: Commerce, Business Solutions
Maximilian Feigl

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