04.09.2018 - 11:53

IoT wird für den stationären Handel zum "Game Changer"

Bis 2020 werden laut Gartner 7,6 Milliarden Geräte in Firmen vernetzt sein. Die globalen Unternehmensausgaben im Internet of Things erreichen dann 1,4 Billionen US-Dollar. Auch der Handel wird sich durch diese Entwicklung verändern.

In der durch die Digitalisierung des Kunden und seiner Verhaltensweisen geprägten Ära "Retail 4.0" ermöglicht das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) neue Wege, um mit dem Konsumenten in Interaktion zu treten. Die Vorteile des Online-Handels lassen sich künftig auch im stationären Handel mit dem Smartphone als zentralem "Connector" zwischen Kunde und Händler realisieren. In einer Analyse widmen sich das IIHD-Institut der Hochschule Worms und die Management- und Technologieberatung BearingPoint dem Thema.

Neue Produkte und Dienstleistungen entstehen, indem die Geräte die Verhaltensweisen und Bedürfnisse der Konsumenten lernen, Problemlösungen entwickeln und diese schnell an die Konsumenten zurückspielen. Damit geht eine Verlagerung der Informationsverarbeitung vom Back- zum Front-End einher, so die Analysten. Daten werden direkt beim Konsumenten verarbeitet und Entscheidungen und Handlungen initiiert, was sich in einer deutlich höheren Handlungsgeschwindigkeit widerspiegelt. Routinekäufe des Konsumenten werden in letzter Konsequenz sogar von den Geräten eigenständig übernommen und lösen beim Händler eine automatisierte Bestellung sowie den Warenversand aus.

IoT in der Handelslandschaft

Aktuell beobachten das IIHD und BearingPoint, dass das Internet of Things in vielfältigen Konzepten durch namhafte Anbieter sowie Technologie-Start-ups Anwendung findet. Lösungsansätze basieren jedoch meist noch auf einzelnen, isolierten Anwendungen – ganzheitliche IoT-Konzepte sind in der heutigen Handelslandschaft bisher kaum existent.

Echtzeitbestände sind für Handelsunternehmen in einer hochdynamischen Wettbewerbslandschaft ein zentrales Erfolgskriterium – die Realisierung stellt sie jedoch vor große Herausforderungen. IoT bietet die Möglichkeit einer exakten Echtzeit-Bestandsübersicht. So hat zum Beispiel das US-amerikanische Mode-Label Levi's in Kooperation mit Intel alle im jeweiligen Store befindlichen Produkte mit RFID-Tags ausgestattet, die durch einen zentralen Empfänger kontinuierlich überwacht werden. Im Falle von niedrigen Beständen wird dann automatisch eine Meldung ausgelöst und die fehlenden Produkte im Zentrallager nachgeordert.

Personalisierung dank IoT

Die Analyse und Adjustierung von Sortimenten entlang der Kundenbedürfnisse ist eine zentrale Erfolgsprämisse, so die Analysten. Um nachhaltig erfolgreich zu sein, müssen Sortimentsanpassungen schneller erfolgen als bei den Wettbewerbern – idealerweise automatisiert. Durch IoT sind Sortimentsauswertungen nun direkt am Point of Sale möglich. Die Konsequenz: Validere und differenziertere Entscheidungen in einer höheren Geschwindigkeit. Beim Besuch der deutschen Filiale von BASF Wein erhalten Kunden zum Beispiel eine individualisierte Sortimentsauswahl in einem digitalen Regal präsentiert, abgestimmt auf ihre Vorlieben und Geschmackspräferenzen, die im Kundenprofil hinterlegt sind. Wichtige Konsumenten-Daten können erfasst und Sortimente besser individuell abgestimmt werden.

Personalisierte Angebote und Produktempfehlungen sind im Online-Handel ein etabliertes Mittel der Kundenkommunikation, das dem stationären Handel insbesondere aufgrund fehlender Lösungen zur Identifikation des einzelnen Kunden bisher verwehrt war. Die persönliche Kundenkommunikation wird durch IoT und die Verknüpfung mit dem Smartphone des Kunden als Empfängermedium nun möglich. Beispielsweise sendet die Kaffeehauskette Starbucks ihren Kunden automatisiert personalisierte Angebote auf deren Smartphones, wenn sie sich in der Nähe einer Filiale befinden. In den USA verschickt das Unternehmen aktuell sechs Millionen mobile Promotions pro Woche.

Filialen werden durch IoT zu "Smart Stores"

Durch die Verknüpfung der Vertriebskanäle und ihrer individuellen Vorteile gewinnen die Filialen als zentrale Interaktionspunkte wieder stärker an Bedeutung und werden zu "Smart Stores". „Wichtig ist jedoch, dass die Anwendung von IoT-Technologien keinen Selbstzweck erfüllt, sondern einen konkreten Mehrwert für den Kunden darstellen muss. Die Ausgestaltung des Smart Store sollte demnach auf die Problemlösung des Konsumenten abzielen. Um dies zu gewährleisten, führt IoT zu einer Neuausrichtung zentraler Handelsprozesse wie der Sortimentierung und dem Bestandsmanagement, dem Store Design, den Store Operations und auch der Kundenkommunikation", kommentiert Prof. Dr. Jörg Funder, Geschäftsführender Direktor IIHD Institut.

„Die IoT-Technologie ist heutzutage erstmals realistisch mit überschaubarem Kosten- und Technologie-Aufwand in Filialen oder Zwischenlagern einsetz- und skalierbar. Bei der Umsetzung von IoT- und Smart Store-Konzepten befindet sich der deutsche Handel aktuell noch inmitten einer Konzeptionsphase – der Automatisierungsgrad ist Stand heute noch sehr gering. Eine der zentralen Hürden für die Implementierung von IoT sind die Skalierbarkeit von IT-Strukturen sowie die Notwendigkeit hoher Investitionen. Handelsunternehmen sollten jedoch bereits frühzeitig die Grundlagen schaffen, um das volle Potenzial von IoT realisieren zu können", so Kay Manke, Partner bei BearingPoint.

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Ressort: Commerce, Business Solutions
Maximilian Feigl

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