30.05.2017 - 13:39

Innovation im Mobilitätssektor durch standortbasierte Dienste

Nicht nur die Deutsche Bahn verbessert mit Location-based Services ihr Angebot. Viele traditionelle Mobilitätsdienstleister entdecken die Möglichkeiten der Digitalisierung für sich – und wollen Uber nicht mehr das Feld überlassen.

Die Digitalisierung berührt inzwischen alle Lebensbereiche und ist so weit fortgeschritten, dass laut Gartner bereits über 8,4 Milliarden Geräte über das Internet vernetzt sind. Die Tendenz ist stark steigend. Sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen bietet diese Entwicklung zahlreiche Chancen. Trotzdem schöpfen viele Unternehmen die Möglichkeiten von Apps und Mobile Engagement zur Kontaktaufnahme sowie Kundenbindung nicht aus. Wie mit Location-Based Services (LBS) Relevanz und Mehrwert einer Kunden-App gesteigert werden können, entdecken nun auch traditionelle Unternehmen im Mobilitätssektor.

„Gewöhnlich sind vor allem die Deutschen hinsichtlich der Einführung von technologischen Neuerungen zaghaft. Allerdings zeigt eine aktuelle Studie der LBMA, dass auch deutsche Unternehmen standortbasierte Technologie als wichtigen Teil der Unternehmensstrategie sehen. Daraus resultierend investieren sie auch in diese Services“, sagt Carsten Szameitat, Vorstandsvorsitzender & Region Director DACH bei LBMA e.V. Der Verbraucher nimmt diese Technologien außerhalb von Marketing-Maßnahmen bisweilen kaum wahr – auch weil viele Gelegenheiten noch ungenutzt bleiben. Es sind jedoch vor allem deutsche Unternehmen, die nun große Schritte in Richtung LBS tätigen und zeigen, dass mit diesen noch weitaus mehr möglich ist als den Kunden zur passenden Zeit und Ort zu erreichen.

Ticketlos bei der Bahn

„Man wird in Zukunft kein Ticket mehr für die Bahn brauchen. Der Zug kann dann über das Handy eines Passagiers erkennen, dass er eingestiegen ist“, sagte Bahnchef Richard Lutz der Bild am Sonntag. „Je nachdem, wo er aussteigt, wird die Fahrt automatisch abgerechnet werden. Das System funktioniert mithilfe einer App, die die Position des Reisenden jederzeit feststellen kann.“

Die Aussage des Vorsitzenden der Deutschen Bahn macht deutlich: Auch traditionelle Unternehmen im Mobilitätssektor haben das Potenzial der Location-Based Services erkannt. Dabei ist die Erfassung des Standorts des Reisenden durch eine mobile App nur der erste Schritt. Eine vollkommen neue Dimension der Kundeninteraktion entsteht erst, indem dem Reisenden ein Bündel von mobilen Diensten angeboten wird – jeweils individuell angepasst auf Reiseroute und Transportmittel, aktuelle Situation, Standort und Bedürfnisse. Mit LBS modernisieren Unternehmen also nicht nur ihren Service. Sie lernen ihre Kunden besser kennen, optimieren das Fahrerlebnis und schaffen so Mehrwert für die Reisenden.

Uber als Benchmark

Im internationalen Umfeld setzen bereits erste innovative Mobilitätsdienstleister LBS gezielt ein. Ein Vorreiter ist der Mobilitätsanbieter Uber, der demonstriert, wie über eine App kontinuierlich Reichweite ausgebaut und gleichzeitig neue Erlösquellen geschaffen werden. Uber setzt auf Intensivierung des Kundenerlebnisses und verwandelt seine App zu einem mobilen Marktplatz, den der Kunde nicht mehr verlassen muss. Während der Fahrt werden dem Fahrgast innerhalb der App von Uber über Content-Partner sowohl Informationen zum derzeitigen Ort, Entertainment-Angebote und Informationen zum Zielort zugespielt, als auch weitere externe mobile Dienste bereitgestellt. Uber sieht den Markplatz neben seinem Kerngeschäft – den Fahrten – als einer der wichtigsten Bereiche für das eigene Geschäftswachstum.

Einsatzszenarien in den Niederlanden und der Schweiz

Auch im öffentlichen Sektor werden Projekte erfolgreich umgesetzt. Ein Beispiel ist die Schweizer Bundesbahn, die seit Januar 2015 die App „Mein Bahnhof“ mit LBS anbietet. Dem Fahrgast, der diese Kunden-App nutzt, stehen Indoor-Navigation sowie mobiles Bezahlen zur Verfügung. Auch Informationen über geänderte Abfahrts- oder Umsteigezeiten sowie lokale Shopping-Angebote werden Nutzern am jeweiligen Standort unmittelbar über das Smartphone zugespielt.

Wie clever LBS eingesetzt werden kann, beispielsweise um Reisende über Stoßzeiten hinweg optimal zu verteilen, zeigt das niederländische Nahverkehrsunternehmen Syntus. Denn neben mobilem Ticketing führte Syntus auch ein Loyalty-Programm ein, mit dem App-Nutzern für Fahrten Punkte gutgeschrieben werden. Für Reisen außerhalb der Stoßzeiten erhalten Kunden als Anreiz mehr Punkte. Verspätungen entschädigt Syntus auf die gleiche Art und ermöglicht so eine höhere Kundenbindung und -zufriedenheit. Zusätzlich können über die App mit integrierten LBS wertvolle Insides zum Fahrgastverhalten gewonnen werden.

„Das Thema LBS wird meist noch mit Lösungen von Startups in Verbindung gebracht. Dabei gibt es bereits etablierte Anbieter, die Innovationen in den Bereichen Kundenbindung und Skalierbarkeit sowie die nötige Expertise bieten. Unternehmen sollten mit den richtigen Partnern LBS für sich erschließen und gemeinsam intelligente Einsatzmöglichkeiten entwickeln“, so Szameitat. Vor allem im Mobilitätssektor ist die Zeit für kleine Pilotprojekte vorbei – hier gilt es nun Digitalisierung auf allen Kanälen zu realisieren, um den Kundenerwartungen gerecht zu werden und sich dadurch Marktanteile zu sichern.

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Ressort: Location Based Services , Topnews
Maximilian Feigl

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