07.07.2015 - 12:53

„Eine neue Käufergeneration wächst heran“

Das Online-Shopping hat die Ansprüche der Kunden an Ladengeschäfte verändert. Christine Bauer, Leitung Vertrieb & Marketing bei dem Paymentdienstleister CCV, erklärt, worauf es in Zukunft am Kassenplatz ankommt.
CCV Deutschland bietet Lösungen im Bereich elektronischer Transaktionsverarbeitung mit Zulassungen gemäß internationalen und nationalen Standards. Durch seine intensive Vernetzung mit dem Handel hat das Unternehmen tiefe Einblicke in die dortigen Entwicklungen. Christine Bauer ist Leitung Vertrieb & Marketing bei CCV.

Frau Bauer, derzeit wird viel darüber berichtet, was mit neuen Technologien am Point of Sale alles möglich sein wird. Kommen Marken und Händler damit den Wünschen der Kunden tatsächlich entgegen?

Christine Bauer: Grundsätzlich ist es ja so, dass neue Technologien nicht immer aufgrund von Bedürfnissen der breiten Masse entstanden sind. Hätten Sie vor 10 Jahren den Kunden gefragt, ob er ein iPad braucht, die Antwort wäre wohl ein klares „Nein“ gewesen.

Die aktuell bereits flächendeckend verfügbaren Technologien am Point-of-Sales haben zwei Themen im Mittelpunkt: „Kontaktloses Bezahlen“ und „Self-Checkout“. Beide stehen für Zeitersparnis und den Wegfall langer Schlangen an den Kassen. Kontaktloses Bezahlen bietet eine echte Alternative zum Kleingeld. Diese Technologien sind Antworten auf Kundenwünsche beziehungsweise Problematiken aus dem Alltag, denen jeder von uns bereits gegenüber stand, sowohl aus Händler- als auch aus Konsumentensicht.

Werden hier nicht Probleme gelöst, von denen der User gar nicht weiß, dass er sie hat?

Christine Bauer: Die besten Entwicklungen sind doch die, die das Leben einfacher und schöner machen. Ob dadurch ein konkretes Problem gelöst wurde, ist für den Kunden in dem Moment unerheblich. Beispielsweise gibt es Bedenken, dass die neuen Self-Checkout-Kassen zu einem Arbeitsplatzverlust der Kassierer führen. Die tatsächliche Entwicklung geht allerdings in eine andere Richtung: Ein Self-Checkout Kassenplatz kann es an Schnelligkeit und Effizienz niemals mit einem bedienten Kassenplatz aufnehmen. Aber er bedeutet Entlastung für das Personal in Stoßzeiten, das dadurch wiederum mehr Kapazitäten für Serviceleistungen wie zum Beispiel Beratungsgespräche frei hat. Hier wurde indirekt ein Defizit – der mangelnde Service im Handel – ausgeglichen, auf eine Weise, die sich dem Kunden nicht auf den ersten Blick erschließt.

Welche Entwicklungen sind denn die drängendsten, denen sich Händler derzeit annehmen sollten?

Christine Bauer: Eine neue Käufergeneration wächst heran, für die vernetztes Handeln und Einkaufen vollkommen selbstverständlich sind. Diese Generation benutzt zu einem hohen Grad virtuelle Informationskanäle und sieht beim Einkauf auch den Erlebniswert im Vordergrund. Das heißt der Händler muss sich sowohl auf stationärer Ebene als auch online mit diesem neuen Käuferverhalten auseinandersetzen. Die Verquickung von Onlineangebot und Ladengeschäft ist eine Herausforderung, die auch durch das Thema „Mobile Payment/ m-Commerce“ befeuert wird. Die neuen Apps für iPad und Tablet sind ein erster Schritt in diese Richtung, viele Händler ergänzen auf diese Weise ihr stationäres Sortiment mit ihrem virtuellen Angebot. Wir als Paymentdienstleister sind nun verstärkt gefragt, den Händler mit seinen neuen Anforderungen zu verstehen, mit den richtigen Lösungen auszustatten und auch ein Stück weit zukunftstauglich zu machen. Unser Omnichannel-Angebot, das neben der Terminalschiene nun auch Webshops und virtuelle Kassen umfasst, trägt dieser Entwicklung Rechnung.

Wie wird sich der POS langfristig entwickeln?

Christine Bauer: Der ehemals sehr starr ausgelegte Point-of-Sale als reiner Kassenplatz ist ein Auslaufmodell. Im Laden selbst werden die mobilen Geräte auch als Informationstool immer beliebter. Wir werden weiterhin bar bezahlen, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass ApplePay als digitale Wallet dem bargeldlosen Zahlungsverkehr zu noch mehr Popularität verhilft. Auf einer Kundenveranstaltung unserer niederländischen Muttergesellschaft in Amsterdam wurde – bei einer großen Bankenmehrheit im Auditorium – die fast schon ketzerische Frage aufgeworfen, ob eine nahe Zukunft ohne Kartenzahlung realistisch wäre. Erstaunlich viele bejahten diese Frage. Auch international erobern sich die Wallets der Netzbetreiber immer mehr Nutzer.

Spielen aus Ihrer Sicht Wearables wie Smartwatches am POS eine große Rolle oder werden sie bei der breiten Masse nicht ankommen?

Christine Bauer: Apple Entwicklungen haben eine große Eigendynamik und entwickeln sich zum Trend wo andere scheitern würden. Wir haben die Apple Watch im Haus, da solche Geräte nicht vernachlässigt werden dürfen. Inwieweit diese Systeme dann tatsächlich am Point-of-Sales zum Einsatz kommen können, wird sich zeigen.

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Ressort: Commerce, Location Based Services
Maximilian Feigl

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