15.02.2016 - 10:15

„Die Digitalisierung an Nerds outzusourcen macht keinen Sinn“

Stationäre Händler in Deutschland passen sich zu langsam an den technologischen Fortschritt an. Wolfgang Lux, Eigentümer der LUX Unternehmensberatung, erklärt im Interview, woran das liegt und wie Unternehmen handeln müssen.
Wolfgang Lux ist Eigentümer der Lux Unternehmensberatung und beschäftigt sich bereits seit 1986 mit digitalen Fragestellungen. Dabei führte ihn sein Weg unter anderem zu IBM Deutschland, Media Saturn und Drogerie Müller.

Herr Lux, traditionelle Händler stehen immer stärker unter dem Druck ihrer Online-Konkurrenz. Und obwohl es dank der Verbreitung mobiler Technologien wie Smartphones diverse Möglichkeiten gibt, diesem Druck zu begegnen, bewegt sich der stationäre Handel nur äußerst langsam. Wie erklären Sie sich das?

Wolfgang Lux: Das hat gerade in Deutschland viele Gründe. Aber wie in anderen Branchen auch ist die Veränderungsgeschwindigkeit gemessen am technologischen Fortschritt und der Entwicklung der Online-Wettbewerber deutlich zu langsam. Die Händler haben sich lange Zeit auf ihren Webshop konzentriert und übersehen, dass die Kunden bereits viel weiter denken und neben der selbstverständlichen Omichannelvernetzung jetzt auch die Digitalisierung des stationären Handels erwarten.

Besonders große Händler gehen die digitale Transformation immer mutiger an, während kleine Läden weiter offline bleiben. Sind die Strategien zur Digitalisierung nicht skalierbar genug?

Wolfgang Lux: Ich bin gar nicht der Meinung, dass das zwangsläufig so ist. Es gibt viele Beispiele kleinerer Händler, die sehr wohl viel in die digitale Richtung unternehmen während der eine oder andere Große da unbeweglicher erscheint. Aber natürlich ist es nicht einfach, die digitale Transformation voranzutreiben und die anfallenden Kosten sind enorm und führen nicht unmittelbar zu zusätzlichem Umsatz. Das schreckt viele traditionelle Händler ab, egal ob groß oder klein.

Was muss ein Händler – egal ob weltweit oder lokal – bei der digitalen Transformation beachten?

Wolfgang Lux: Vor allem muss er eine Mannschaft aus internen und externen Menschen haben, die die Veränderung wirklich vorantreiben wollen und das Top-Management muss überzeugt sein und keine - wie leider in der Vergangenheit so oft passiert - Lippenbekenntnisse abgeben. Nur im eigenen Saft zu schmoren macht genauso wenig Sinn wie die Digitalisierung an "Nerds" outzusourcen, die dann in Start-up Mentalität parallel zur realen Händlerwelt existieren.

Sie bieten nun gemeinsam mit dem Location Inkubator LOC-Place einen Workshop zu dem Thema digitale Transformation an. Was hat Sie zu dieser Kooperation bewogen?

 

Wolfgang Lux: Ich bin von dem Ansatz von LOC-Place total überzeugt. Endlich mal eine Initiative jenseits von PowerPoint und Laboren. Hier geht es um "echten und realen" Handel und die konkreten Möglichkeiten, die sich heute und in naher Zukunft bieten. Ich hoffe, dass ich das Knowhow gut ergänzen kann, weil ich sowohl den klassischen Handel und die Denkweise kenne als auch mit vielen Start-ups arbeite und weiß, was am Markt passiert.

Was können Besucher dieses Workshops erwarten?

Wolfgang Lux: Einen sehr spannenden Tag auf jeden Fall. Wir werden versuchen, sehr individuell auf die jeweilige Situation der Teilnehmer einzugehen. Das Ganze soll erlebbar sein und als Ziel soll der Kunde mit einer Reihe von Ideen den LOC-Place verlassen, wie er die Herausforderung der digitalen Transformation in seinem Unternehmen angehen kann.

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