27.02.2018 - 19:56

Connected Commerce: Das Internet der Dinge im Handel

Gemeinsam mit T-Systems hat Wirecard einen Concept Store entwickelt, um Technologien zu testen, die die Stärken des stationären Handels nutzen und die Kundenzufriedenheit steigern. 2018 könnte der Durchbruch für den Connected Store sein.

Es ist sicherlich nicht neu, dass der klassische stationäre Handel seit dem scheinbar unaufhaltbaren Erfolg des E-Commerce vor vielen Herausforderungen steht. Dabei wird oft von der Frustration beim Einkaufen im Ladengeschäft gesprochen. Wer also neue Technologien nutzen möchte, um diesen Problempunkt anzugreifen, muss sich zunächst darüber im Klaren sein, worum es dabei eigentlich geht.

Als größtes Hindernis für ein verbessertes Einkaufserlebnis im Laden gilt die Warteschlange: Der Kunde hat das richtige Produkt gefunden, er hält es in Händen – und muss dann warten. Deshalb ist die Kaufannullierung nicht nur ein Phänomen der Online-Welt. Auch offline legen viele Kunden Waren wieder zurück, weil sie nicht anstehen möchten. Aber auch andere Punkte beschäftigen den Handel: Nicht verfügbare Artikel, zu wenige Ladenangestellte für eine Beratung und persönliche falsche Entscheidungen sorgen bei Verbrauchern für Missmut. Trotz allem werden nach Angaben von IBM Watson immer noch 92 Prozent der gesamten Einzelhandelsumsätze in Offline-Stores getätigt.

Der Blick auf die drei großen Stärken von stationären Läden verrät den Grund für den anhaltenden Erfolg: Die Kunden erhalten beim Einkauf im Laden ihre Produkte sofort und der Service ist direkter und persönlicher. Zudem ist Einkaufen mehr als nur kaufen, es kann Spaß machen und ein echtes Erlebnis sein. Der Grillhersteller Weber etwa lädt seine Kunden ein, der Weber Grill Academy beizutreten, um sich über ihre Neuanschaffung zu informieren, Gleichgesinnte zu treffen und Spaß zu haben. Ein Connected Store hat nun zwei Aufgaben: Zum einen sollen die Stärken des stationären Handels genutzt und ausgebaut, zum anderen gleichzeitig die wichtigsten Ärgernisse abgebaut werden.

Neue Technologien, neue Möglichkeiten

Für den Shop der Zukunft setzen Wirecard und T-Systems in ihrem Connected Store auf verschiedene Sensoren, intelligente Waagen und Infrarotkameras, die die Bewegungen der Kunden im Laden verfolgen – also hauptsächlich auf Internet of Things (IoT)-Technologie, verbunden mit intelligenten Datenanalysewerkzeugen und künstlicher Intelligenz. Dabei stellt Wirecard die App zur Verfügung, die mit der Hardware interagiert, eine „unsichtbare“ Bezahlung beim Check-out ermöglicht, verschiedene Bezahlverfahren integriert, biometrische Daten wie Fingerabdrücke und Gesichtserkennung nutzt sowie Datenanalysetechnologie verwendet, um zum Beispiel dynamische Einkaufslisten zu ermöglichen. Das Ergebnis ist ein schnelles, Warenkorb-freies und kontextbezogenes Einkaufserlebnis.

Für den Kunden sieht der neue Einkaufsprozess dann so aus: Zunächst registriert und identifiziert er sich mit seinem Smartphone, anschließend betritt er den Shop. Jeder Artikel, den er nun aus einem Regal nimmt, wird automatisch registriert und seinem virtuellen Warenkorb hinzugefügt. Anstatt die Dinge nun in den Einkaufswagen zu legen, kann der Kunde sie sofort in seine Tasche oder den Rucksack packen und einfach aus dem Laden gehen. Somit gibt es keine Warteschlangen, die Zahlung erfolgt automatisch im Hintergrund.

Vorteile für Händler und Kunden

Daneben bietet ein Connected Store noch weitere Vorteile für Händler ebenso wie für Kunden. So können persönliche Kaufanreize gesetzt werden, zum Beispiel in Form eines über das Smartphone-Display angebotenen Rabattes für ein Produkt, das der Kunde nach der Begutachtung wieder in das Regal gelegt hat. Mit Intelligenten Einkaufslisten und Cross-Selling-Empfehlungen wiederum kann das Einkaufserlebnis deutlich verbessert werden. „Wenn beispielsweise Ihre Stammkundin Lisa in Ihrem Geschäft einkauft, sind 80 Prozent ihrer Einkaufsliste immer gleich“, erklärt Alexander Hahn, Vice President POS Retail Solutions bei Wirecard, das Konzept. „Wenn sie nun zum Beispiel vergisst, Milch zu kaufen, wenn sie ihr Müsli einpackt, kann sie der Connected Store automatisch daran erinnern. Und wenn sie Zucker und Mehl wählt, warum ihr nicht ein tolles Rezept für einen leckeren Kuchen zeigen, den sie mit diesen und ein paar weiteren Zutaten machen kann?“

Gerade im Service-Bereich ist hier noch mehr denkbar: So kann das System einen Kunden, von dem es aufgrund seiner Einkaufshistorie weiß, dass er laktoseintolerant ist oder allergisch auf Nüsse reagiert, auf spezielle Produkte hinweisen oder ihm ein ungeeignetes Produkt in seinem Einkaufskorb zeigen. Bei unbekannten Produkten lassen sich weitere Informationen auf dem Handy des Kunden einblenden, noch während er sie vor dem Regal in der Hand hält.

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Ressort: Location Based Services , Commerce
Maximilian Feigl

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