31.03.2015 - 09:30

„Am Point of Sale wird sich ein Technologie-Mix durchsetzen“

Der stationäre Handel rüstet sich für den digitalen Wandel – doch setzt er wirklich nur auf Beacons? Christian Schallenberg, Mitglied der Geschäftsleitung beim Hersteller von Netzwerklösungen Lancom Systems, gibt Einblicke.

Herr Schallenberg, der stationäre Handel wird immer stärker digitalisiert. Was geschieht aktuell hinter den Kulissen der Einzelhändler?

Christian Schallenberg: Wir sind derzeit in vielen Projekten involviert, in denen seitens der Netzwerkinfrastruktur die Grundlage für moderne und zukunftsfähige Handelskonzepte und Anwendungen geschaffen werden soll. Zu den klassischen Aufgaben der Vernetzung gehören etwa die Standortvernetzung, die Anbindung von Filialen via VPN, und WLAN. Auf dieser Basis können dann WLAN-Dienste, Location-based Services und Electronic Shelf Labels eingeführt werden.

Sind WLAN-Dienste nicht durch die Störerhaftung problematisch anzubieten?

Christian Schallenberg: Hier erwarten wir seitens des Gesetzgebers Impulse durch die geplanten Änderungen der Störerhaftung beim Betrieb von WLANs. Wenn das Gesetz in Kraft tritt, können Einzelhändler WLAN-Hotspots anbieten, ohne für etwaige Rechtsverletzungen ihrer Nutzer haften zu müssen. Bislang war dieses Haftungsprivileg den etablierten Providern vorbehalten. Die rechtliche Gleichstellung wird dafür sorgen, dass das Hotspot-Angebot in Deutschland, auch im stationären Handel, schnell ausgebaut wird.

Christian SchallenbergAuch am POI/POS wird derzeit stark auf die Digitalisierung gesetzt. Welche Entwicklungen halten Sie hier für vielversprechend?

Christian Schallenberg: Aus unserer Sicht wird das ein Technologie-Mix sein, der sich insbesondere auf WLAN, iBeacon, Near Field Communication sowie Wireless ePaper Displays oder Electronic Shelf Labels stützt. Darauf basierend wird dann eine vielfältige Anwendungslandschaft aus Smartphone-Apps für die Endkunden sowie aus Business-Anwendungen für die Händler entstehen. Am Ende wird dadurch die Distanz zwischen Kunden, Produkten und Händlern erheblich verringert und alle Prozesse werden deutlich beschleunigt. So werden etwa Shopping Apps mit vielen neuen Komfortmerkmalen für den Kunden sowie neue Retail-Tools wie Electronic Shelf Labels für ein agiles Pricing und zahlreiche Business Analytics Tools zur Optimierung entstehen.

Der neueste Trend hier sind Bluetooth Low Energy Beacons. Wie stehen sie dieser Technologie gegenüber?

Christian Schallenberg: Nach einer Phase der Euphorie, gefolgt von Ernüchterung, sind wir nun in eine Phase mit vielen Pilot- und Testinstallationen eingetreten. In einigen Bereichen, insbesondere bei Business-Analytics-Anwendungen wie Kundenfrequenzmessung, Laufwege-Analyse oder Verweildauer, kann WLAN eine gute Alternative sein, da keine Endkunden-App dafür benötigt wird.

Kritische Stimmen sagen, sobald BLE-Beacons nur weit genug verbreitet sind, schaltet der User seinen Bluetooth-Empfang ab, da er von einer richtigen Spam-Flut überrollt wird. Stimmen Sie dem zu?

Christian Schallenberg: Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Die entsprechenden Systeme müssen mit genügend Empathie betrieben werden und einen positiven Kundennutzen generieren, damit der Kunde sie freiwillig und gerne nutzt, weil er sie als Erleichterung und als Bereicherung für sein Einkaufserlebnis empfindet. Der Retailer muss Anreize bieten, die es lohnen, diese Technologien am Smartphone eingeschaltet zu lassen. Plumpe Werbung ist fehl am Platze.

Aber Lancom bietet Access Points mit integrierter BLE-Funktion an, die im ganzen Laden zum Einsatz kommen.

Christian Schallenberg: Bei den Access Points unserer E-Serie verfolgen wir Fernfeld-Anwendungen. Es geht dabei weniger um Szenarien im Hinblick auf eine Micro-Positionierung, sondern stärker um die Ansprache der Kunden bis zu 30 Meter vor einem Geschäft. Das gelingt uns, weil unsere hochintegrierten Access Points kaum Einschränkungen in der Reichweite und Batterielebensdauer aufweisen.

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Ressort: Location Based Services , Commerce
Maximilian Feigl

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