29.03.2016 - 12:05

Was halten eigentlich Ärzte von Gesundheits-Apps?

Im Gesundheitsbereich werden Apps immer populärer, auch Versicherungen nutzen sie, um ihren Kunden Vergünstigungen im Ausgleich gegen gesundes Verhalten zu bieten. Doch was halten eigentlich Ärzte von den elektronischen Helfern?

Wie die Opens external link in new windowSüddeutsche Zeitung berichtet führt Generali im Juli sein „Vitality“ genanntes Bonusprogramm in Deutschland ein. Der zweitgrößte Privatversicherer will damit Kunden belohnen, die etwa Sport betreiben und dies per App nachweisbar machen. Aber auch, wer als gesund geltend Lebensmittel kauft, erhält Punkte auf sein Vitality-Konto. Hierfür soll es Karten für den Einkauf geben, die ähnlich der Payback-Karte über die Kasse gezogen werden, um die Daten zu erfassen. Für Generali könnte dies ein gutes Geschäft werden: leben die Versicherten gesünder muss die Versicherung weniger für sie bezahlen.

Ärzte hingegen zeigen sich den neuen Möglichkeiten der digitalen Welt weniger enthusiastisch gegenüber. Ihre Einstellung zu dem Thema hat die änd Ärztenachrichtendienst Verlags-AG in einer Umfrage beleuchtet. 303 niedergelassene Ärzte beteiligten sich an der Umfrage - und 97 Prozent davon zeigten sich überzeugt: Die Anzahl der Nutzer von Gesundheits-Apps wird in den nächsten Jahren stark ansteigen.

Bei den Ärzten besteht Aufholbedarf

Jeder zweite Arzt gab an, dass er sich mit dem Thema schon auseinandergesetzt und sich die eine oder andere App angeschaut habe. Weitere 16 Prozent kennen sich eigenen Angaben zufolge schon sehr gut aus - und haben bereits diverse Apps getestet. Auch im Arzt-Patienten-Gespräch kommt das Thema immer häufiger vor: 46 Prozent der Ärzte sind von Patienten schon einmal mit Gesundheitsdaten konfrontiert worden, die auf einem Smartphone gespeicherten waren.

Die Frage, ob Apps den Patienten auch sinnvolle Informationen über medizinische Sachverhalte oder eine gesundheitsfördernde Lebensweise bieten können, beantworteten lediglich 18 Prozent der Ärzte mit einem eindeutigen "Nein". Die große Mehrheit sieht dies positiver: 62 Prozent der Mediziner sind überzeugt, dass immerhin "einige wenige" gute Programme für Patienten hilfreiche Informationen liefern können. Allerdings sind sie auch der Überzeugung, dass viel Unsinn auf dem Markt ist. Von "sehr vielen" hilfreichen Apps auf dem Markt sprechen nur 20 Prozent der Ärzte.

Skepsis bei den Messwerten

Diverse Gesundheits-Apps können Daten zu Kreislauf, Gewicht oder Blutzuckerwerte der Nutzer messen – die Ärzte trauen diesen Funktionen allerdings nicht unbedingt. Fast jeder dritte Arzt (31 Prozent) hält diese Funktionen für Spielereien ohne großen Nutzen - aber auch ohne große Gefahren. Ein Viertel der Ärzte warnt allerdings: Solche medizinischen Daten könnten den Nutzer ohne ärztliche Interpretation mehr verwirren, anstatt ihm irgendwie zu helfen. Immerhin 45 Prozent der Ärzte betrachten diese Entwicklung entspannt: Prinzipiell böten die Apps hilfreiche oder lehrreiche Informationen.

Wirklich nützlich scheinen die Messwerte ohnehin nicht zu sein. Lediglich 30 Prozent der Umfrageteilnehmer sprechen von einer Erleichterung im Behandlungsalltag. Ihrer Meinung nach lassen sich hilfreiche Erkenntnisse aus den gesammelten Daten ziehen. 25 Prozent halten die Daten für unbedeutend und keine echte Hilfe. Deutliches Warnsignal dagegen: 45 Prozent sprechen im Zusammenhang mit Gesundheits- oder Medizin-Apps eher von einer Gefahr oder Mehrarbeit. Von den Angaben verwirrte Patienten müssten in der Praxis beruhigt oder aufklärt werden.

Dauerbrenner Datenschutz

Besonders im Gesundheitswesen ist der Datenschutz ein wichtiges Gut – viele Ärzte sehen das genauso und treten den Apps eher misstrauisch gegenüber. Nur vier Prozent der befragten Ärzte glauben, dass sich die Nutzer der Apps voll über die Risiken im Klaren sind. Der Rest warnt: Patienten sollten bei den Apps genau schauen, welche persönlichen Daten von wem wo gespeichert und ausgewertet werden. 43 Prozent prophezeien sogar eine extrem gefährliche Entwicklung. Ihrer Meinung nach blenden viele Nutzer von Gesundheits-Apps das Thema Datensicherheit völlig aus - mit unüberschaubaren Folgen.

Forderung nach Zertifizierung

Da eine große Zahl an Apps bereits auf dem Markt ist und ständig neue hinzukommen, hält die Mehrheit eine Überprüfung oder Zertifizierung durch Ärzte für dringend geboten: 37 Prozent der Ärzte sprechen sich gar für eine verpflichtende Kontrolle von Gesundheits- und Medizin-Apps aus, bevor sie in Deutschland angeboten werden dürfen. 55 Prozent würden sich zumindest eine Art Qualitätssiegel wünschen, das den Patienten die Auswahl sinnvoller Apps erleichtern würde. Ein Verbot schlechter Apps oder eine verpflichtende Überprüfung halten sie aber für wenig sinnvoll beziehungsweise schwer umsetzbar.

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Ressort: Applikationen, Studie
Maximilian Feigl

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