13.06.2017 - 13:13

UN: Künstliche Intelligenz macht Kriege wahrscheinlicher

Die Entwicklung künstlicher Intelligenz ist in aller Munde und auch die Vereinten Nationen haben sich nun dem Thema gewidmet. Auf der Konferenz „AI for Good“ diskutierten Experten über die technischen und ethischen Aspekte.

Zum ersten Mal überhaupt trafen sich auf Einladung der Vereinten Nationen 500 Experten in Genf, um drei Tage lang über die Entwicklung künstlicher Intelligenz (KI) und deren Auswirkungen auf die Menschen zu diskutieren. Das Ergebnis der Diskussionen fiel dabei zwiespältig aus: einerseits sei KI zwar dazu geeignet, das Leben der Menschen zu vereinfachen – andererseits mache sie aber auch Kriege wahrscheinlicher.

Schnelle Entwicklung oder lange Wartezeit?

Der Durchbruch der Technologie sei inzwischen in greifbare Nähe gerückt. So sagte etwa Konferenzteilnehmer Jürgen Schmidhuber vom schweizer Dalle Molle Institut für die Erforschung künstlicher Intelligenz (Istituto Dalle Molle di Studi sull'Intelligenza Artificiale, IDSIA): „In naher Zukunft werden wir KI-Systeme mit der Intelligenz kleiner Tiere haben.“ Der Schritt hin zum Level des Menschen sei dann schnell gemacht. Die rasant wachsende Rechenpower mache dies möglich.

Allerdings nutze große Rechenpower nichts, wenn die KI weiterhin „dumm“ bleibe. Toby Walsh von der Universität in Sydney etwa gab zu bedenken, dass noch notwendige Durchbrüche auf Seiten der Software ausstehen. „Im Augenblick ist auf die Systeme noch wenig Verlass – die meiste Zeit funktionieren sie gut, aber plötzlich geht etwas schief, und sie brechen zusammen“, erklärte er. Zudem gab er zu bedenken: eine vollkommen rationale KI sei nur ein Zombie, da sie absolut gefühllos Entscheidungen treffe.

Rassistische KI?

Besonders zu denken gaben den Experten jedoch Fragen der Ethik. Was in der Öffentlichkeit derzeit oft am Beispiel autonomen Fahrens diskutiert wird – soll ein selbstfahrendes Auto den Fahrer in Gefahr bringen um etwa Passanten zu schützen? – wurde in Genf auf andere Anwendungsbereich künstlicher Intelligenz ausgeweitet. So wurde etwa die Frage nach einprogrammiertem Rassismus aufgeworfen.

Hier liegt das Problem bei den Trainingsdaten, die die neuronalen Netze einer KI nutzen, um zu lernen. Hier können sich gesellschaftliche Vorurteile einschleichen, die zu Diskriminierung führen. Erste Fälle davon gibt es bereits, wie etwa die Opens external link in new windowBeauty.AI, die die Jury eines Schönheitswettbewerbs ersetzte und unter 44 Gewinner 43 Weiße platzierte. Oder der Fall, in dem Twitternutzer Opens external link in new windowCortana, den Chatbot von Microsoft, in einem Versuch so schnell zu einer Rassistin werden ließen, dass Microsoft das Ganze schon nach wenigen Stunden abbrechen musste.

Das Problem mit Krieg und Frieden

Noch weiter in die Zukunft blickten die Forscher bei der Frage nach Krieg und Frieden. In einer Zeit, in der Armeen anstatt aus Menschen aus Robotern bestünden, würden Kriege wahrscheinlicher werden. Denn wenn nicht mehr das Leben der eignen Soldaten auf dem Spiel steht, könnten sich Politiker schneller dazu verleitet sehen, den Marschbefehl zu erteilen.

Aber auch wenn autonome Systeme gegeneinander Krieg führen käme es zu problematischen Situationen, etwa solche, in denen Maschinen über Leben und Tod von Menschen entscheiden müssten. „Diese Systeme werden zu Massenvernichtungswaffen werden“, prophezeit der UC-Berkeley-Forscher Stuart Russell. „Eine kleine Gruppe von Menschen kann damit Hunderte Millionen Waffen kontrollieren und mit relativ geringen Kosten die gleiche Wirkung erzielen wie mit den mächtigsten Atombomben.“

Gemeinsam an der Zukunft arbeiten

Neben solchen dystopischen Ausblicken ließe sich fast vergessen, welche Möglichkeiten KI auch bietet. Denn die Experten zweifelten nicht daran, dass die künstliche Intelligenz das Potential dazu hat, einige der größten Probleme der Menschheit zu lösen: Armut, Hunger, Krankheiten, Umweltschutz, Bildung. So arbeitet etwa das UN-Kinderhilfswerk Unicef daran, dass intelligente Systeme anhand von Fotos und Videos Mangelernährung bei Kindern erkennen können.

Um dies auch erreichen zu können forderten einige Experten die Schaffung eines weltweiten Forschungsnetzwerks, um die Vormachtstellung einiger weniger Konzerne auf dem KI-Markt zu brechen. So solle sichergestellt werden, dass die Entwicklung künstlicher Intelligenz unabhängig von den Einflüssen und Wünschen dieser Firmen geschieht und auch allen zur Verfügung stehen.

Gary Marcus, Kognitionswissenschaftler, früherer Uber-Forscher und einer der Wortführer dieses Vorschlags, nahm dabei das CERN zum Vorbild. Dieses Forum ermöglicht es Physikern, Anlagen zu bauen und Theorien zu testen, für die sie von der Wirtschaft oder einzelnen Universitäten ansonsten keine Finanzierung bekommen hätten. Der Partikelbeschleuniger LHC ist das wohl bekannteste Beispiel dafür.

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Ressort: Business Solutions, M-Development
Maximilian Feigl

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