15.03.2016 - 12:10

Gespaltene Reaktionen auf Gabriels „Digitale Strategie 2025“

Auf der CeBIT stellte Bundeswirtschaftsminister Gabriel seine Pläne für die digitale Zukunft Deutschlands vor. Zentral dabei sind deutlich schnellere Internetverbindungen. Dafür erntet der Minister jedoch nicht nur Lob.

Bis zu 100 Milliarden Euro sind nötig, um den von Gabriel in der "Digitalen Strategie 2025“ geplanten flächendeckenden Ausbau des Glasfasernetzes in Deutschland zu finanzieren. Bislang sah die Breitbandstrategie der Bundesregierung vor, dass bis 2018 überall in Deutschland mindestens 50 Megabit pro Sekunde verfügbar sein sollen. Der Industrie war dies mit Blick auf das Internet der Dinge und der sich ständig vertiefenden Digitalisierung schon lange zu wenig. Die neue Strategie soll daher den Sprung in den Gigabit-Bereich möglich machen.

In den Ballungsgebieten solle der Ausbau „marktgetrieben“ finanziert werden während für ländliche Gebiete ein zehn Milliarden Euro schwerer Fonds geplant ist, der die Investitionen in den unterversorgten Regionen anstoßen soll. Der Gigabit-Ausbau ist nur einer von zehn Punkten, die der Bundeswirtschaftsminister bis 2025 umsetzen will. Daneben sollen Start-ups ebenso besser gefördert werden wie die Forschung und Entwicklung im Bereich der digitalen Technologien.

VATM und HPI begrüßen Pläne Gabriels

In einem Statement begrüßt der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) das Papier von Gabriel. „Sigmar Gabriel blickt nun über das Breitbandziel 2018 hinaus und geht damit das Ziel an, Gigabit-Glasfasernetze weiter bis zum Endkunden auszubauen. Wir unterstützen dies sehr, da für die Digitalisierung und den Weg in die Gigabit-Gesellschaft die beste Infrastruktur erforderlich ist“, erklärt Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM. „Ohne nachhaltige Wettbewerbspolitik und den konsequenten Aufbau der Highspeed-Netze würden wir den Mittelstand, unsere Innovationskraft und die internationale Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig schädigen.“

Im Zuge der Vorstellung der digitalen Strategie übernahm Gabriel auch die Schirmherrschaft für die Wirtschaftsinitiative „Charta der digitalen Vernetzung“. Die Unterzeichner Charta, die von VATM, dem Hasso-Plattner-Institut und weiteren initiiert wurde, bekennen sich zu zehn Grundsätzen mit denen sie ihren Beitrag für eine zukunftsgerechte digitale Transformation Deutschlands zu leisten wollen. Dazu zählen unter anderem ein verantwortungsvoller Umgang mit Daten, diskriminierungsfreie Teilhabe, Bildung und Qualifikation sowie ein gemeinsamer Dialog von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft.

Der Direktor des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts, Prof. Christoph Meinel, hat dazu aufgerufen, den Nutzen der Digitalisierung zu vermitteln, damit die ihr innewohnenden Potenziale ausgeschöpft werden könnten. Meinel räumte ein, dass sich auch die mit der Digitalisierung verbundenen Risiken immer deutlicher abzeichneten: "Deshalb gilt es, die Risiken genauer zu erkennen und zu untersuchen, zu bewerten und einzuschränken", sagte der Potsdamer Informatikwissenschaftler. Dazu brauche es vor allem eine tiefgehende Aufklärung breiter Bevölkerungsschichten.

Kritische Stimmen aus der Wirtschaft

Sven Gábor Jánszky, CEO des deutschen Zukunftsforschungsinstituts "2b AHEAD ThinkTank", reagiert hingegen verhalten auf die Ankündigungen Gabriels. „Selbstverständlich ist es richtig, dass sich Deutschland eine Digitalstrategie gibt und signifikant Geld in den Ausbau der digitalen Infrastruktur leitet. Die meisten konkreten Planungen des Wirtschaftsministers entstammen aber leider den technologischen Vorstellungen der 90er Jahre. Damit plant er direkt an der Zukunft vorbei. Dies ist umso tragischer, als die Frage wie digitalkompetent die deutsche Wirtschaft in den kommenden Monaten wird, wesentlich darüber entscheidet, ob wir Deutschen in den kommenden Jahren einen steigenden oder sinkenden Lebensstandard erleben werden.“

Pläne wie in den 90ern

Zukunftsforscher Janszky kritisierte insbesondere die Grundlage von Gabriels Strategie, den Ausbau der Breitbandversorgung durch ein breit verfügbares Glasfasernetz in ganz Deutschland. Dieser sei ein Konzept aus den 90er Jahren und damals notwendig gewesen. Im Jahr 2025 hingegen werde die Internetversorgung der Weltbevölkerung aus dem All gesichert: „Die ersten 12 dieser Satelliten sind schon im All. Sie versorgen derzeit kleine Inselstaaten und Kreuzfahrtschiffe. Mit einer Flotte von etwa 650 Minisatelliten lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit die komplette Welt mit Internet aus dem All versorgen.“

Ausdrücklich positiv bewertet der Zukunftsforscher die Pläne des Ministers zur Digitalisierung des Mittelstandes, die Förderpläne für Mikroelektronik sowie die Forderung nach der Einbeziehung von digitaler Technologie in die Lehrpläne der Schulen. Allerdings ist die Orientierung auf die rein technologischen Aspekte der Digitalisierung nach Janszkys Worten ein Fehler: „Wenn Unternehmen sich eine Digitalstrategie geben wollen, dann messen wir zunächst einmal deren Digitalen Reifegrad in sieben Dimensionen. Davon ist die Technologie nur eine einzige. Ebenso wichtig sind die Kompetenzen der Mitarbeiter, die Unternehmenskultur, die Struktur, Organisation und Steuerung, die Strategie, die Kundenorientierung und die Fähigkeiten für ein professionelles Monitoring der digitalen Prozesse.“

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Ressort: Business Solutions, Topnews
Maximilian Feigl

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