Kundenbindung: Amazon Prime weitet stationäre Angebote aus

Bis vor kurzem waren die Vorteile und Services von Amazon Prime auf die Online-Welt beschränkt. Doch inzwischen hat das Unternehmen damit begonnen, Prime-Mitgliedern auch offline Vorteile anzubieten – und das ziemlich aggressiv.

Die Bio-Supermarktkette Whole Foods, die 2017 von Amazon gekauft wurde, kürzt die Preise für zahlreiche Artikel um durchschnittlich 20 Prozent. Die Sonderaktion dauert bis Ende des Jahres an. Was im Lebensmittelhandel eigentlich nichts Besonderes ist – von wöchentlichen Angeboten bis zur „Dauertiefpreisgarantie“ kennen Verbraucher ja einiges – bekommt durch Amazon einen besonderen Beigeschmack: Denn Prime-Kunden erhalten zusätzliche Rabatte. Sie profitieren nicht nur von einem doppelten Preisnachlass, sondern dürfen sich auch noch über 300 zusätzliche exklusive Angebote freuen. Und wer jetzt Prime-Mitglied wird, zahlt zudem bis Ende April bei Einkäufen ab 20 US-Dollar 10 Dollar weniger.

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Amazon Prime kämpft im Offlinehandel

Mit seinem Kundenbindungsprogramm ist Amazon online sehr erfolgreich. Seit 2005 erhalten Abonnenten gegen eine monatliche Gebühr verschiedene Vorteile, wie etwa Gratisversand oder eine schnellere Zustellung. Zudem können sie Filme, Serien und Musik streamen sowie ihre Fotos und Videos in einer Cloud sichern. Die Nutzung von Services wie Amazon Fresh setzt ebenfalls eine Prime-Mitgliedschaft voraus.

Offline hingegen tut sich das Programm noch schwer. Dem Marktforscher Wolfe Research zufolge besuchen lediglich fünf Prozent der 95 Millionen registrierten Verbraucher Whole Foods-Läden mehrmals pro Monat. Und 42 Prozent gehen gar nicht in den Bio-Supermarkt. Mit den zusätzlichen Angeboten will der Amazon dies natürlich ändern. Gleichzeitig stagniert der Online-Lebensmittelmarkt in den USA, so Wolfe Research, weswegen die Whole Foods-Läden für den Online-Riesen an Bedeutung gewinnen.

Eigene Supermarktkette von Amazon

Daneben steht noch Amazons Ankündigung einer eigenen Supermarktkette im Raum. Das Unternehmen, das bislang noch keinen eigenen Namen hat, würde sich von Whole Foods unterscheiden und ein breiteres Sortiment an Produkten führen, so ein Bericht des Wall Street Journal. Um für dessen schnelles Wachstum zu sorgen, wolle Amazon zudem regionale Supermarktketten hinzukaufen. Auch hier werden Prime-Mitglieder sehr wahrscheinlich Sonderkonditionen erhalten. Zu diesem Zeitpunkt sollte der Konzern wohl auch in den Whole Foods-Märkten gelernt haben, wofür sich die Offline-Kunden begeistern lassen.

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