Europäische Zahlungsanbieter sagen US-Firmen den Kampf an

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Apple, Google, Visa, Mastercard – wer international kontaktlos bezahlen möchte, kommt derzeit kaum an US-Firmen vorbei. Daher haben sich einige europäische Zahlungsanbieter zur EMPSA zusammengeschlossen, die eine unabhängige Alternative schaffen will.

Twint EMPSA
Mit der Mobile Payment-Lösung Twint können Schweizer inzwischen auch in Hofläden einkaufen. Bild: Twint.

Anbieter mobiler Bezahllösungen gibt es in Europa viele: So können Deutsche und Österreicher auf Bluecode zurückgreifen, Schweizer nutzen Twint, Schweden verlassen sich auf Swish, Norweger haben Vipps, Finnen und Dänen bezahlen mit MobilePay. In Belgien ist Payconiq Marktführer und in Portugal können Nutzer mit Sibs / MB Way mobil ihre Rechnungen begleichen. Das Problem dabei: Sobald man eine Staatsgrenze überschreitet, funktionieren die Dienste nicht mehr. Mit dieser Kleinstaaterei möchten die Zahlungsanbieter nun durch die European Mobile Payment Systems Association (EMPSA) aufräumen.

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Die europäische Allianz EMPSA

Die Vereinigung wurde Anfang August in Zürich ins Leben gerufen, ihre Mitglieder kommen gemeinsam auf über 25 Millionen Nutzer und rund eine Million Akzeptanzstellen. Präsident der EMPSA ist Twint-Verwaltungsratspräsident Søren Mose. „Mit dieser länderübergreifenden Zusammenarbeit wollen wir dem Wunsch der User entgegenkommen, die bewährten Systeme auch international einsetzen zu können“, führt Mose in einer Pressemitteilung aus.

Ziel der Allianz ist, einen europäischen Standard für das Bezahlen per Smartphone zu entwickeln und europaweit verfügbar zu machen. So könnten Nutzer nationaler Banken- und Payment-Apps sie auch auf dem ganzen Kontinent verwenden. Dies würde die Attraktivität der einzelnen Lösungen deutlich erhöhen – besonders im Vergleich mit den US-Konzernen, bei denen der grenzüberschreitende Geldverkehr ja kein Problem darstellt. „Wir wollen eine unabhängige Alternative sein, die kein Apple, kein Google, kein Visa und auch keine Mastercard braucht“, erklärte Bluecode-Chef Christian Pirkner gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Bar- und QR-Codes zur Bezahlung

Die EMPSA-Mitglieder setzen auf das Smartphone sowie Bar- und QR-Codes, da Verbraucher nur so auch Apple-Geräte nutzen können – die NFC-Schnittstelle gibt der US-Konzern bekanntlich nur stark begrenzt frei. Allerdings müssen die Unternehmen noch einen einheitlichen Standard für die Codes festlegen und den Ablauf vor Ort klären, also ob beim Einkaufen die Kasse einen Code vom Handy des Nutzers scannt oder das Telefon einen Code der Kasse liest.

„Am Jahresende sollen die elementaren Eckpfeiler für das System stehen. Ein genaues Datum für einen flächendeckenden Start gibt es noch nicht, wir peilen jedoch die Fußball-Europameisterschaft 2020 an“, sagte Pirkner im Gespräch mit dem Standard. „Ich bin zuversichtlich, dass diese Vereinigung dazu führen wird, mittelfristig die Interoperabilität und den internationalen Einsatz der mobilen Zahlungssysteme zu fördern und eine echte europäische Alternative aufzubauen“, fügt Twint-CEO Markus Kilb hinzu.

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