15.05.2018 - 12:36

Voice Search: Next Big Thing oder (noch) überbewertet?

Viele Experten zählen Voice Search – oder Voice First Browsing – zu den „Big Things“ der kommenden Jahre. Doch Agenturen und Dienstleister scheinen hier weiter zu sein als die Verbraucher. Und auch Experten widersprechen.

Laut einer Gartner-Studie soll bereits im Jahr 2020 fast jede Dritte Web-Session (30 Prozent) ohne Bildschirm ablaufen. Grund für den Anstieg sei die steigende Verbreitung von Geräten wie Amazons Echo oder Google Home. Zudem seien es besonders junge Verbraucher von Siri und Co. gewöhnt, ihre Stimme zu nutzen. Unternehmen, die sich früh auf diesen Trend einstellen sollen demnach bis 2021 einen 30 Prozent höheren E-Commerce-Umsatz verbuchen als andere.

Episerver hingegen präsentiert andere Zahlen. Einer Studie des Cloud-Anbieters zufolge besitzen zwar 39 Prozent bereits ein sprachgesteuertes Gerät, doch nur ein Drittel in dieser Gruppe nutzt dieses auch zur Produktsuche im Netz oder schließt darüber Käufe ab.

Die Möglichkeiten von Voice

John Gregory von dem Musikstreamingdienst Pandora schloss sich der Einschätzung von Gartner gerne an. Auf der RetailLoco West diskutierte er mit Brian Law von Waze über die Zukunft des Autos als Location. (Lesen Sie in Opens external link in new windowdiesem Artikel mehr über die Veranstaltung.) Dem Thema Voice falle hier eine große Rolle zu, da die Technologie es ja bereits jetzt ermöglicht, Geräte freihändig zu bedienen. Er zeigte sich dabei sicher, die Stimme werde die Berührung zur Bedienung schon bald ersetzen. Man arbeite bereits daran, Transaktionen per Stimme zu ermöglichen.

Auch in dem Panel „Innovations in Local Search“ wurde das Thema aufgegriffen und fand große Zustimmung. Für Kyle Harris von der DAC Group ist Voice das nächste große Thema, um das sich Unternehmen sorgen machen müssten. Auch er verwies auf die Zahlen von Gartner und leitete daraus ab, dass Unternehmen zukünftig Produkte und Services so anbieten müssten, dass sie als einfache Antwort auf eine Frage gefunden werden können.

Voice wird überbewertet

Josha Benner von uberall stimmte dieser Einschätzung prinzipiell zu, widersprach Harris jedoch: „Voice wird überbewertet.“ Er wies darauf hin, dass es noch mehrere Jahre dauern werde, bis komplexe Suchanfragen richtig verarbeitet werden könnten. Viele Agenturen und Dienstleister verkünden zwar, dass Unternehmen Ihre Inhalte für Suchanfragen wie „Wo ist die nächste Pizzeria mit 4 Sternen für glutenfreie Pizzen unter 10 US-Dollar“ optimieren müssten. In den nächsten 2-3 Jahren sei die Realität aber ein andere: Voice Search werde hauptsächlich einfache Befehle umfassen, wie „Schalte das Licht an“ oder „Spiele Musik von Coldplay“ und einfache Suchen wie „Wie ist das Wetter in Chicago“ umfassen. Hinzu komme noch die Voice-to-Text-Funktion für die klassische Browser-Suche.

„Bevor ein Unternehmen eine dedizierte Voice Search Strategie entwirft, sollte man gründlich untersuchen, ob und wie Kunden Voice für die eigene Industrie verwenden und wieviel Traffic überhaupt schon durch Voice kommt“, führt Benner im Anschluss an das Panel aus. „Bei den meisten lokalen Unternehmen ist das vermutlich weniger als 1 Prozent. Wir empfehlen Unternehmen daher im Bereich lokales Marketing (SEO, Performance, Social, Reputation) auf all denen Kanälen zu sein, die Kunden tatsächlich nutzen oder die einen positiven indirekten Nutzen für die Hauptkanäle haben. Das sind Stand heute auch die Kanäle, auf die Siri, Alexa, Cortana und Hey Google zurückgreifen. Eine dedizierte Local Voice Search Strategie, die darüber hinausgeht, würde ich noch nicht verfolgen.“


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Ressort: Location Based Services , Commerce
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""Top-Priorität oder gehyptes Phänomen: Welche Rolle spielt das Thema Mobile in den Unternehmen?"

 

Im Zuge des kommenden Internets der Dinge, in dem wir bis zum Jahr 2020 weltweit schon 50 Milliarden vernetzte Geräte erwarten, werden sich Arbeitsweisen und Geschäftsmodelle in vielen Industriesegmenten stark verändern.  

Christoph Bach, Head of Practice Mobile Broadband WE, Ericsson GmbH

Die Verbraucher wollen die Marke Galeria Kaufhof auf allen Kanälen erleben, ob bequem von zuhause, mobil via Smartphone oder beim Erlebniseinkauf in der City. Wer Kunden gewinnen und halten will, muss online mehr bieten als eine Desktop-Variante.  

Nina Ehrenberg, Leitung E-Commerce, Galeria Kaufhof

In Unternehmen wird sich die mobile Peripherie zum festen Bestandteil der IT-Infrastruktur entwickeln. Sie besteht aus dem Zusammenspiel zwischen Technologien und konvergenten mobilen und stationären Endgeräten, wie NFC-fähige Multifunktionsgeräte.  

Roland Schweyer, Director IT Cluster & B2B, Samsung Electronic GmbH

Mobile bietet herausragende Kommunikationschancen. Um diese jedoch effektiv und effizient zu nutzen, müssen Kampagnen bereits „mobile first“, d.h. Device-gerecht gedacht und konzipiert werden. Dieser Umdenkungsprozess ist im Unternehmen angekommen.  

Uwe Storch, Head of Media, Ferrero

Smartphones sind universelle Bedien- und Anzeigegeräte, nicht nur „smarte“ Telefone. Sie werden Werkzeuge, Fernbedienungen und Steuergeräte der Zukunft. Die Industrie braucht neue Geschäftsmodelle, weil sie in der Zukunft andere Geräte verkauft.  

Klaus Liebe, Business Unit Manager, Zühlke Engineering GmbH

Das Smartphone wird ohne Zweifel bald eine zentrale Bezahlmethode sein - Chancen & Möglichkeiten sowohl für Handel wie Kunden sind zu groß! Was noch fehlt ist ein starker Standard, dem der Kunde vertraut und der vom Handel breit umgesetzt wird.  

Tobias Günther, CEO fournova Software GmbH

Mobile ist in den Unternehmen voll und ganz angekommen. So haben fast 70 Prozent aller großen Unternehmen eine BYOD-Policy oder planen eine solche innerhalb eines Jahres einzuführen. Die Vorteile sind kaum zu übersehen.  

Andreas Englisch, Produktmanager, BT (Germany) GmbH & Co. KG

Die Mehrheit der deutschen Unternehmen hat ihre Markenbotschaft immer noch nicht auf den mobilen Kanal ausgerichtet. Hierbei zeigen 25 Millionen verkaufte Smartphones in diesem Jahr einen eindeutigen Wandel beim Medienkonsum auf. 

Björn Wendler, Geschäftsführer, madvertise media

Enterprise Mobility umfasst weit mehr als nur das Gerätemanagement. Es geht darum die komplette Wertschöpfungskette mobiler Daten und Prozesse zu optimieren. Diese Veränderung betrifft nicht nur die IT, sondern alle Bereich des Unternehmens.  

Kai Höhmann, Vorstand, Seven Principles AG

Wir stehen inmitten einer digitalen Revolution. Analoge Geschäftsabläufe werden in absehbarer Zeit digitalisiert. Nur so bleiben Unternehmen wettbewerbsfähig. Mobile Endgeräte werden dabei für Nutzer die Input- und Output-Schnittstelle darstellen.  

Dr. Roman Friedrich, Geschäftsführer, Booz & Company
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