17.09.2013 - 08:55

Der Kunde muss alles speichern können, was er findet

Online-Händler reagieren und stellen sich auf Mobile ein, so auch Spreadshirt. Philip Rooke, CEO des T-Shirt-Designers spricht über zukünftige Trends, Besonderheiten der Deutschen und warum Spreadshirt (noch) keine App braucht.

Philip Rooke, CEO von Spreadshirt, hat Einblick in das unterschiedliche Kaufverhalten in verschiedenen Ländern.

Seit 2002 können Kunden von Spreadshirt Kleidungsstücke wie T-Shirts selbst entwerfen und bedrucken lassen. Damals noch als „unrealistisches Geschäftsmodell“ bezeichnet ist man heute Marktführer in Europa und drittgrößter Anbieter in den USA. Philip Rooke, seit 2011 CEO bei Spreadshirt, hat einiges an Erfahrung in Commerce und Marketing sammeln können. Unter anderem war er bei Tesco.com für diverse Projekte verantwortlich, gründete den ersten Online-DVD-Verleih in Großbritannien und leitete den Launch von Skinstore.co.uk, dem britischen Pendant zu Nordamerikas größtem Händler für Hautpflegeprodukte, Skinstore.com. Und er weiß: „Es ist für den User zur Gewohnheit geworden, das Internet mobil und über Tablet-PCs nach Ideen zu durchstöbern. Auch wenn sie auf diesem Wege nicht zwangsläufig kaufen, gehört das Web zum Shopping-Trip dazu.“

Die Rolle des Second Screen

Der Second Screen ist zwar im Kommen, jedoch scheinen sich die User dabei weniger auf das Einkaufen zu konzentrieren als auf ihre E-Mails und Nachrichten („Catch Me If You Can!“-Studie von InteractiveMedia und United Internet Media). Das bedeutet aber nicht, dass der Second Screen für ein Unternehmen wie Spreadshirt nicht wichtig wäre. Denn ein großer Teil der Spreadshirt-Partner kommuniziert mit seinen Fans über Social Media und E-Mail. „Diese Vermarktungskanäle gewinnen an Einfluss, da die Nutzer durch den Second Screen mehr Zeit für das Lesen und Beantworten ihrer E-Mails haben“, erklärt Rooke.

E-Commerce: Immer und überall

Aber auch andere Zukunftstrends hat er im Auge. Dabei spielen die Vereinigten Staaten die entscheidende Rolle, denn was dort passiert kommt mit etwas Verspätung meist auch nach Europa. So etwa die Beobachtung Rookes, dass die meisten amerikanischen Flugzeuge mittlerweile über W-LAN verfügen und etwa die Hälfte der Fluggäste Touchscreen-Geräte nutzt. Dies sei ein deutliches Zeichen dafür, dass Mobile wirklich immer und überall genutzt wird.

„Klar ist, Online-Einkäufe kommen in der Regel nicht in einer Session zustande. Sie finden in den Pausen statt, die uns unser Alltag gewährt, oder von unterwegs. Deshalb ist es immens wichtig, dass der Kunde alles speichern kann, was er gefunden hat, um später darauf zurückzukommen, oft sogar auf einem anderen Gerät.“ Mit dem Blick auf das eigene Unternehmen ist ihm das besonders wichtig, da der Kunde hier eine sehr große Auswahl hat oder seine Produkte sogar selbst gestaltet.

Entscheidung gegen die App

Mobile beduete aber nicht immer gleich App bedeutet. Bei Spreadshirt hat man sich dazu entschieden, den Shirt-Designer nicht als Anwendung anzubieten, sondern die Online-Version für Touch-Geräte zu optimieren. Das liege daran, dass Verbraucher gerne Apps herunterladen, die sie regelmäßig nutzen wollen. Die meisten Kunden besuchen Spreadshirt aber nur ein paar Mal im Jahr, eine App-Installation würden daher ablehnen. Für Neukunden gelte da ähnliches. „Deswegen haben wir uns zunächst auf eine touch optimierte Version konzentriert, die sich wie eine App verhält, aber nicht erst heruntergeladen werden muss“, erklärt Rooke. Eine Anwendung schließt er aber nicht aus: „Wir werden noch eine App speziell für die Kunden entwickeln, die einen Shop bei uns haben. Dann können sie ihre täglichen Aufgaben besser managen.“

Zukunftsorientiert und kreativ: Der deutsche Kunde

Da Spreadshirt europaweit tätig ist und auch in den USA in der ersten Liga spielt, hat man einen guten Einblick, welche Unterschiede zwischen den Ländern herrschen. „Da gibt es so einige“, kommentiert Rooke. „In Amerika gibt es z.B. viele kurzlebige Trends, die nur für eine Woche „in“ oder relevant sind, wie beispielsweise Motive zu einem angesagten Youtube-Video. In Frankreich oder Deutschland würde das jedoch nicht funktionieren. Deutsche kaufen lieber Designs, die in einem Jahr immer noch modern sind. Außerdem legen sie auch gesteigerten Wert auf eine bessere Shirt-Qualität.“

Deutschland sei zudem das Land mit der höchsten Selbstgestaltungsrate beim Kauf von T-Shirts. In England und Amerika wählen die Verbraucher viel lieber aus der breiten Palette von vorgefertigten Ideen aus, die auf zum Verkauf angeboten werden.

Was in den meisten Ländern sehr gut funktioniere seien Team-Shirts. „In Deutschland gibt es viele Vereine, von Musik bis Sport ist alles vertreten. Da ist die Nachfrage nach entsprechenden Team-Shirts groß. In Großbritannien hingegen bieten sich einige Trink-Gelegenheiten als Shirt-Anlässe. Bei Junggesellenabschieden oder Reise-Gruppen sind Team-Shirts fast schon ein Muss.“


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Ressort: Commerce, Interviews
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