18.10.2016 - 11:26

„Das Umdenken muss in den Köpfen der Händler stattfinden“

Die Digitalisierung bringt kleine Einzelhändler in Zugzwang – ebenso wie Innenstädte und Einkaufszentren. Moderne Technologien und gemeinschaftliche Lösungen können helfen, so Christine Bauer von CCV Deutschland im Interview.

CCV bietet Lösungen im Bereich elektronischer Transaktionsverarbeitung mit Zulassungen gemäß internationalen und nationalen Standards. Durch seine intensive Vernetzung mit dem Handel hat das Unternehmen tiefe Einblicke in die dortigen Entwicklungen. Christine Bauer ist Leitung Vertrieb & Marketing bei CCV.

GFM: Frau Bauer, ein Händler der erfolgreich sein will setzt heute auf „Omnichannel“. Was genau bedeutet das für Sie?

Christine Bauer: Gemessen am kleineren Einzelhändler bedeutet der Weg Richtung Omnichannel noch eine Menge Aufklärungsarbeit. Gerade der Onlinekanal ist für viele Händler noch ein unüberwindbares Hindernis. Auch die Einsicht, dass ein verändertes Konsumentenverhalten und neue Technologien für das eigene Geschäft Umdenken erfordern, ist meist noch nicht angekommen. Wir setzen hier verstärkt auf die Zusammenarbeit mit City Managern der großen Städte, die dasselbe Ziel verfolgen. Die großen Filialisten hingegen sind hier schon viel weiter und arbeiten an echten Omnichannelstrategien.

GFM: Besonders die stationären Läden geraten durch diese Entwicklungen immer stärker unter Druck. Wie können sie hier gegensteuern?

Christine Bauer: Das Umdenken muss in den Köpfen der Händler stattfinden, das ist die Basis für alle weiteren Schritte. Daher versuchen wir in Workshops, IHK Veranstaltungen, und an Berufsschulen auf diese Veränderungen hinzuweisen. Leider ist es so, dass sich viele Händler damit überfordert fühlen, keine Zeit für derartige Gedanken haben oder schlicht die Digitalisierung des Handels verneinen. In kleinen Schritten, aber immer ganz nah am Handel, versuchen wir daher zu sensibilisieren und die Möglichkeiten aufzuzeigen.

GFM: Wie gehen Sie dabei vor?

Christine Bauer: Wir haben zum Beispiel in Freising bei München gemeinsam mit dem City Management der Stadt einen kleinen Future Store eröffnet, der Payment zum Anfassen bietet, sowohl für interessierte Bürger als auch Händler. Wir sind erst kürzlich gestartet mit diesem Konzept, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass gerade diese Nähe – mitten in der Innenstadt – sowohl uns als auch den umliegenden Händlern neue Impulse gibt.

GFM: Payment zum Anfassen?

Christine Bauer: „Kenne deinen Kunden“ – das ist der Ur-Lehrspruch für jeden Unternehmer und gilt heute mehr denn je. Händler müssen ihre Kunden kennenlernen, auf sie reagieren und sie letztendlich auch binden. Eine herkömmliche Registrierkasse kann diesen Anspruch nicht unterstützen, neue Technik muss Einzug halten. Da wir in einem technischen Zeitalter leben und nahezu jeder heute Apps bedienen kann, bieten diese sich als Lösung an. Auf Apps basierende Paymentlösungen kommen mit umfangreichen Funktionen für Verkauf, Aktionen, Mailings, Warenwirtschaft und vieles mehr. Mithilfe dieser sehr einfach zu bedienenden Tools kann sich der Händler Informationen verschaffen, auswerten und orientieren. Gleichzeitig können Onlineshops mit der App verbunden werden und sich somit auch der kleine Händler mit geringen Mitteln Richtung Omnichannel bewegen.

GFM: Nun hat der Druck der Online-Händler auf die stationären Läden auch Auswirkungen auf die Innenstädte. Wie können sie ihre Vitalität erhalten?

Christine Bauer: Der Erlebnis- und Wohlfühlfaktor steht natürlich nun im Vordergrund. Ein Geschäft, das es schafft, diese Gefühle bei seinen Kunden hervorzurufen, wird immer wieder besucht werden. Ideal wäre natürlich, wenn die Innenstadt oder Mall an sich für diese beiden Faktoren sorgt und somit für alle Läden unter diesem Schirm einen Anziehungspunkt schafft. Wir glauben, dass beispielsweise der „Social Sharing“ Gedanke ein sehr starker Trend ist – denken Sie an Airbnb – den sich die Händler zunutze machen sollten. Dies geht aber nur gemeinsam und mit einem starken Konzept im Hintergrund. In Belgien konnten wir unsere CCV Community bereits erfolgreich implementieren.

GFM: Was kann die Stadt selbst dazu beitragen und was müssen die Händler hierfür tun?

Christine Bauer: Offenheit und Flexibilität sind die einzigen, aber auch unerlässlichen Voraussetzungen. Und natürlich auch ein gewisser Teamgedanke – die Händler sollten sich nicht mehr als Gegner sehen, die man aus der Ferne beäugt, sondern jeder ist ein Multiplikator, egal mit welchem Angebot. Wenn sie zusammenarbeiten werden sie mehr Kunden und im weiteren Schritt mehr Umsatz haben. Und darauf kommt es an, nicht mehr und nicht weniger.

GFM: Stationäre Händler und Innenstädte kommen ja nur deshalb in Zugzwang, weil die Verbraucher von zu Hause aus einkaufen. Liegt das an reiner Bequemlichkeit? Oder gibt es noch andere Gründe?

Christine Bauer: Bequemlichkeit ist sicherlich ein Grund. Keine Parkplatzsuche, ständige Verfügbarkeit, riesige Vielfalt und heimischer Komfort auf dem Sofa sind weitere. Der Onlinekauf ist definitiv positiv behaftet. Aber es fehlen natürlich auch Attribute: sofortige Verfügbarkeit des Produkts, Haptik, Erlebniswert, Service. Womit wir wieder bei Omnichannel wären – der Konsument will nicht Entweder-oder, er will alles.


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Ressort: Interviews, Commerce
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