18.06.2013 - 09:56

Alternative Mobilbetriebssysteme: Ein Überblick über die Herausforderer

Eigentlich sollte man annehmen, dass der Markt für Mobilbetriebssysteme mit iOS, Android, Windows Phone und BlackBerry OS vollständig besetzt ist – zumal sich die letzten beiden immer noch schwer tun, relevante Marktanteile zu erobern. Dennoch versuchen derzeit mehrere Anbieter, sich als Alternative zu den etablierten Standards anzubieten. Mit Firefox OS, Sailfish OS, Tizen OS und Ubuntu sowie Nokias Asha wird die Vielfalt größer.

Firefox OS
Das Mobilbetriebssystem der Mozilla Corporation hat bereits durch den aus dem Browserbereich sehr bekannten Namen einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Das System basiert auf Linux und setzt vollständig auf mit HTML5, JavaScript und CSS3 programmierte Web-Anwendungen. Durch spezielle APIs können dabei auch Funktionen des Mobilgeräts ausgelesen und angesteuert werden, um so die Anwendung für das jeweilige Smartphone bzw. Tablet zu optimieren. Im besten Fall bemerkt der Konsument dabei keinen Unterschied mehr zu einer nativen App.

Firefox OS wird breit unterstützt, da sich zum einen die Mobilfunknetzbetreiber stark dafür einsetzen, da sie hier die Kontrolle über den App-Markt von Fremdanbietern zurückerlangen können. Zum anderen basiert Firefox OS vollständig auf freier Software, Lizenzkosten fallen deshalb nicht an. Derzeit werden vor allem Smartphones niedriger Preiskategorie damit ausgestattet, ein erstes High-End-Modell ist aber bereits angedacht. Hardware produzieren unter anderem Alcatel, ZTE und Foxconn. Zum Start konzentriert sich Mozilla stark auf den südamerikanischen Markt.


Sailfish OS
Mit Sailfish OS belebt Jolla die Kernelemente des eingestellten MeeGo-Betriebssystems wieder. Das auf Linux basierende Sailfish soll sich unter anderem durch seine Multitasking-Fähigkeiten und seine Kompatibilität mit Android-Apps abheben und wird wie auch Firefox OS im Open-Source-Modell angeboten. Jolla gründeten ehemalige Mitarbeitern von Nokia, die dort das MeeGo-Smartphone N9 zusammenstellten. Jolla bietet selbst Hardware an: Noch in diesem Jahr soll das erste eigene Smartphone erscheinen, das für 399 Euro Opens external link in new windowvorbestellt werden kann. Die technischen Details sind noch relativ unklar, lediglich ein 4,5-Zoll-Display, ein Dual-Core-Prozessor und eine 8-Megapixel-Kamera wurden neben einem wechselbaren Akku und 16 GB Speicherplatz vorläufig bestätigt.

Man wolle – so CEO Tomi Pienimäki gegenüber ZDnet – weniger über die Hardware als über das Nutzungserlebnis konkurrieren. So verändern die „Other Half“ genannten wechselbaren Gehäuserückseiten des Handys jeweils auch das Design der laufenden Software. Jolla erhofft sich von seinem Pilotprodukt viele Käufe aus der Heimat Finnland und aus China. Die Anwendungsgebiete von Sailfish sollen künftig über den mobilen Markt hinaus gehen, angedacht ist beispielsweise die Integration in Computern, KfZ-Systemen oder Haushaltsgeräten.


Tizen OS
Bei Tizen haben sich echte Schwergewichte der Branche zusammengefunden. Das von der Linux Foundation und der Linux Mobile Foundation (inzwischen: Tizen Association) ins Leben gerufene System wird seit Ende 2011 als Nachfolger von MeeGoo von Intel unterstützt. Im Oktober vergangenen Jahres stieg zudem Samsung ein, das sein Bada-Betriebssystem in Tizen aufgehen lässt. Tizen kann in der aktuellen Version unter anderem auf einem Nexus 7-Tablet getestet werden, scheint aber noch etwas Entwicklungsarbeit zu benötigen.

Intel bastelt derzeit laut Arstechnika an einer Benutzeroberfläche namens Obsidian, die den Bedienkomfort deutlich erhöhen soll. Samsung kündigte erste Geräte mit Tizen für Ende dieses Jahres an, genauere Angaben dazu wurden zumindest offiziell nicht veröffentlicht. Der Schwerpunkt liegt hier auf dem asiatischen Markt. Wie bei Sailfish OS ist auch bei Tizen die Verwendung in weiteren Geräteklassen vorgesehen.


Ubuntu Touch
Ebenfalls aus dem Linux-Bereich stammt Canonical, das mit Ubuntu Touch PC, Tablets und Smartphones vereinen will. Das Betriebssystem, das auf dem Open-Source-Projekt CyanogenMod für Android aufbaut, wird in der derzeitigen Version stark über Gesten gesteuert und soll mit Multitasking sowie der parallelen Anzeige zweier Inhalte punkten. Zudem können die leistungsfähigeren Ubuntu-Smartphones sowie -Tablets beim Anschluss an einen Monitor und eine Tastatur als PC verwendet werden, der sich nahtlos in ein Unternehmensnetzwerk einfügen lässt, ohne das wichtige Daten in Gefahr geraten.

Canonical rechnet derzeit damit, das erste Geräte mit vorinstalliertem Betriebssystem Ende 2013/ Anfang 2014 erscheinen. Ubuntu Touch lässt sich zudem als alternatives OS zumindest auf Android-Geräten installieren, noch werden allerdings nur wenige Modelle unterstützt. Genaueres zu dem System lesen Sie Opens external link in new windowhier.


Asha
Gerne einmal übersehen wird, das Nokia nach dem Ende von Symbian und der Konzentration auf Windows Phone inzwischen ebenfalls eine neue Plattform aus der Taufe gehoben hat. Die Asha-Plattform kommt bei Niedrigpreismodellen zum Einsatz, auf denen Windows Phone vermutlich kaum zum Laufen gebracht werden kann bzw. darf. Dabei baut Nokia auf dem Erfolg der vorherigen Asha-Handygeneration auf, die allerdings noch zur Series 40 gehörte. Das erste Modell mit dem neuen Betriebssystem ist das Nokia Asha 501, das in Kürze in den Handel kommt.

Beim Design der Benutzeroberfläche wurde sich an MeeGo orientiert, die Software basiert auf Technologie der 2012 übernommenen Firma Smarterphone. Das Asha 501 verfügt über eine extrem hohe Laufzeit und ist damit gut für Gegenden mit unregelmäßiger Stromversorgung geeignet, bei Single-SIM-Nutzung kommt das 99 Dollar teure Handy nach Herstellerangaben auf 48 Tage Stand-by-Zeit. Der eingebaute Browser komprimiert die empfangenen Daten um bis zu 90 Prozent und sorgt so für geringe Volumen und eine schnelle Darstellung der Webseiten. Dabei muss auf wichtige Apps sowie auf Spiele nicht verzichtet werden, da zahlreiche Anbieter die Plattform unterstützen. Nokia will in den nächsten Jahren hundert Millionen Smartphones der neuen Asha-Generation absetzen.


Fazit
Keines der neuen Betriebssysteme wird voraussichtlich die Marktmacht von iOS und Android brechen können. Aber vor allem für weniger entwickelte Länder und preisbewusste Gerätekäufer stellen sie sicherlich eine interessante Alternative dar, da sie den Komfort von Smartphones mit weniger Abstrichen als üblich auf günstige Geräte bringen. Für App-Entwickler könnte sich ein Blick auf die Betriebssysteme lohnen, da hier ein noch unerschlossener Markt wartet.


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